Begegnung – Dialog – Freundschaft – Frieden?

3. August 2026 | _Alle | EBU – Europäische Buddhistische Union | International | Kongresse und Tagungen

Die diesjährige Jahreshauptversammlung der Europäischen Buddhistischen Union (EBU) in Brüssel war mehr als nur ein Treffen. Sie bot Raum für gemeinsame Reflexionen zu zentralen Themen: die Bedeutung einer europäischen buddhistischen Identität, die Ausübung des Glaubens unter einschränkenden Bedingungen, die nachhaltige Vernetzung mit europäischen Institutionen sowie die Rolle der EBU als Brücke zwischen lokalen und weiter entfernt liegenden Gemeinschaften.

Mitgliederversammlung der EBU in Brüssel, Gruppenbild

Wie kann man Buddhismus leben, wenn es keine (Religions-)Freiheit gibt? Europa befindet sich in einer Zeit tiefgreifender Spannungen: Bewaffnete Konflikte, eine zunehmende politische Polarisierung im Inneren sowie das Wiederaufleben nationalistischer Intoleranz stellen den kulturellen und religiösen Pluralismus infrage. In einem solchen Klima sehen sich selbst Gemeinschaften, die traditionell als zurückhaltende Akteure im öffentlichen Leben wahrgenommen werden, mit rechtlichen, sozialen und kulturellen Hindernisse konfrontiert, die die umfassende Ausübung ihrer religiösen Praxis einschränken.

Besonders berührend waren Erfahrungsberichte von Buddhistinnen und Buddhisten aus der Ukraine, Israel und Ungarn. Sie berichteten von begrenzter rechtlicher Anerkennung und von einem Umfeld, das religiösen Minderheiten gegenüber wenig aufgeschlossen ist. Sie vermittelten einen herzergreifenden Eindruck davon, was es bedeutet, seinen Glauben dort zu praktizieren, wo der Pluralismus fragil ist oder unter Druck steht. Wie soll man damit umgehen, wenn der gemeinsame Praxisort zerstört ist, Treffen zur gemeinsamen Praxis zu gefährlich werden und geliebte Menschen sowie Lehrerinnen und Lehrer in bewaffneten Konflikten umkommen? Wie kann man dem massiven Druck standhalten, als Mann die Waffe in die Hand nehmen zu müssen? Woher die Kraft nehmen, aus zutiefst verinnerlichter Überzeugung der Gewaltlosigkeit (ahimsa), anstelle von Kriegsdienst Seelsorge oder Pflegedienst anzubieten und dafür Verachtung und Schlimmeres zu erdulden?

2. und 3. von rechts: Tsunma Konchok Jinpa Chodron und Gabriela Frey

In der abschließenden Konferenz „Buddhism meets Islam“ wurde deutlich, wie entpolitisierend, befriedend und aufbauend interreligiöser Dialog gerade in diesem Kontext wirkt. In schwierigen Zeiten bieten der eigene Glaube und die tägliche Praxis Zuflucht und Halt. Sie geben eine ethische Orientierungshilfe und machen somit resistenter gegen Instrumentalisierung, Hass und Gewalt. Begegnungen mit Vertreterinnen und Vertretern muslimischer und anderer Glaubensrichtungen im institutionellen Dialog oder im Alltag führen zu einem tieferen Austausch, mehr Verständnis, Respekt und engeren Freundschaften. Der innige Wunsch und das Streben nach gegenseitiger und staatlicher Anerkennung, sozialer Gleichheit und Frieden ist ein Ziel, das gemeinsam leichter und nachhaltiger erreicht werden kann. Dieses Bestreben betrifft uns alle, die Qualität unserer Demokratie, das zivilisierte Zusammenleben und somit unsere gesamte Gesellschaft. 

Die Werte des Neuen Demokratischen Paktes für Europa, einer Initiative des Europarats vom September 2025, geben hier einen wichtigen Bezugspunkt für all jene, die für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gleichheit und Emanzipation einstehen und die ihr Recht auf Selbstbestimmung und Religionsfreiheit als etwas Wesentliches und Grundlegendes verstehen, das wir alle schützen und unterstützen müssen. Über eine eigene Online-Plattform stellt die Initiative Instrumente zum Verständnis und zur Beteiligung bereit.

Tsunma Konchok Jinpa Chodron und Gabriela Frey

Vertreterinnen der DBU bei der EBU

Jahreshauptversammlung EBU: https://europeanbuddhistunion.com/ebuevents/

Neuer Demokratischer Pakt: https://www.coe.int/de/web/portal/-/new-democratic-pact-for-europe-website-goes-live

2. von links: Gabriela Frey, Mitte: Stefano Davide Bettera (Präsident), 3. von rechts: Carlo Luyckx (Vizepräsident)