Stellungnahmen

Stellungnahme des DBU-Vorstandes zu den Morden in Hanau

24. Februar 2020

Erschüttert hat der Vorstand der Deutschen Buddhistischen Union von dem Anschlag auf unsere Nachbarinnen und Nachbarn in Hanau am 19. Februar 2020 erfahren. Zehn Menschen wurden ermordet, weitere verletzt, der Täter beging Suizid.

Gemeinsam mit vielen anderen möchten wir gegenüber den Hinterbliebenen unsere Trauer und unser tiefes Beileid für ihren unermesslichen Verlust zum Ausdruck bringen. Worte können nicht beschreiben, was ihnen zugefügt wurde.

Nach jetzigem Kenntnisstand war der Täter psychisch krank und handelte aus rechtsradikalen Motiven. Derzeit ist von einem Einzeltäter die Rede. Doch ganz gleich, ob er im Alleingang handelte oder Unterstützer hatte – es gibt ein gesellschaftliches Klima, in dem er agierte.

Wir wenden uns gegen subtile und offene Hassreden gegen Muslime und gegen eine Verharmlosung antimuslimischer Ressentiments. Wir rufen alle Menschen dazu auf, hier in Deutschland mit seiner kostbaren religiösen und kulturellen Vielfalt alles daran zu setzen, dass wir friedlich und respektvoll zusammenleben können und immer wieder zu einer Einheit in der Vielfalt finden.

Als Buddhistinnen und Buddhisten wissen wir, wie sehr Menschen, deren Vorfahren aus Westeuropa stammen, von der kulturellen Begegnung mit Menschen und Weltanschauungen aus anderen Regionen der Erde lernen können.

Den Austausch mit unseren muslimischen Nachbarn werden wir im interreligiösen Dialog, aber auch im ganz persönlichen nachbarschaftlichen Kontakt nun umso intensiver pflegen.

Der Vorstand der DBU
Martin Hage, Nils Clausen, Claus Herboth, Felix Baritsch

Stellungnahme der DBU zu Rassismus und Rechtsradikalismus

1. Dezember 2019

In unserer Gesellschaft erleben wir derzeit eine Zunahme von rassistischen und rechtsradikalen Äußerungen und Taten. Im Netz werden nicht nur antisemitische oder sonstige rassistische Beleidigungen verbreitet, sondern es wird auch hemmungslos zu entsprechenden Gewalttaten aufgerufen. Es werden Verschwörungstheorien in Umlauf gebracht, die wahlweise Juden, Muslimen, Geflüchteten oder anderen Minderheiten unterstellen, unsere Gesellschaft zu unterwandern. Und es gibt eine zunehmende Anzahl von Gewalttaten, die auf diesem ideologischen Nährboden gedeihen. Beispiele hierfür sind die NSU-Morde, das Attentat an Walter Lübcke und der versuchte Anschlag auf die Synagoge in Halle.
 
Der Rat der Deutschen Buddhistischen Union ist der Überzeugung, dass Rassismus und Rechtsradikalismus in keiner Weise in Einklang zu bringen sind mit den ethischen Werten, die die Grundlage des buddhistischen Weges bilden. Das gilt für rassistische Hasssprache, herabmindernde und pauschale Unterstellungen genauso wie für Aufrufe zu und Ausführung von Gewalttaten.

Alle buddhistischen Überlieferungen betonen den unverzichtbaren Wert der Friedfertigkeit und der Gewaltfreiheit sowohl um der Gemeinschaft willen als auch zum Wohl des einzelnen Menschen:

„Noch nie in dieser Welt
Hat Hass gestillt den Hass.
Nur liebende Güte stillt den Hass.
Dies ist ein ewiges Gesetz.“

(Theravada-Buddhismus, Wort des Buddha, überliefert im Dhammapada)

„Im Bewusstsein des Leides, das durch Fanatismus und Intoleranz entsteht, sind wir entschlossen, Lehrmeinungen, Theorien oder Ideologien, einschließlich der buddhistischen, nicht zu verherrlichen und uns nicht an sie zu binden Wir sind entschlossen, buddhistische Lehren als Orientierungshilfen zu sehen, um Verstehen und Mitgefühl zu entwickeln. Sie sind keine Dogmen, für die gekämpft, getötet oder gestorben werden sollte.“

(Vietnamesischer Zen-Buddhismus, Thich Nhat Hanh)

„Ein echter, dauerhafter Weltfrieden wird nur möglich sein, wenn jeder von uns sich von innen heraus darum bemüht. Deshalb ist es entscheidend, dass wir anderen gegenüber einfühlsam bleiben und – aus den Bewusstsein heraus, dass ihr Glück dem unseren gleichgestellt ist – nichts tun, was ihnen Leid zufügen könnte.“

(Tibetischer Buddhismus, Seine Heiligkeit der XIV. Dalai Lama)

 Wir veröffentlichen diese Stellungnahme nicht, um eine politische Debatte zu führen, sondern aus Sorge um die Zukunft unserer Gesellschaft. Diese ist in Gefahr, wenn elementare Grundlagen unseres Zusammenlebens in Frage gestellt werden – wie Toleranz, Mitgefühl, Gemeinsinn und Gewaltfreiheit. Wenn einzelne Gruppen in unserer Gesellschaft ausgegrenzt und angegriffen werden, trifft das nicht nur die Opfer, sondern uns alle.

Der Rat der DBU wird daher allen Tendenzen entgegentreten, die unsere buddhistischen Werte missachten oder beschädigen.

Der Rat der DBU im Dezember 2019

Stellungnahme des Vorstands der DBU zum Anschlag auf die Synagoge in Halle

16. Oktober 2019

Der Runde Tisch der Religionen in Deutschland hat aus Anlass des Mordanschlags von Halle eine Erklärung veröffentlicht. Dies geschah auch im Namen unseres DBU-Vertreters Dr. Martin Ramstedt. Da sich die DBU inhaltlich vollständig mit dieser Erklärung identifizieren kann, wollen wir uns dieser hiermit anschließen.

Der Rat der DBU im Oktober 2019

Erklärung des Runden Tisches der Religionen in Deutschland zum Anschlag in Halle

Als Mitglieder des Runden Tisches der Religionen in Deutschland sind wir zutiefst getroffen und erschüttert über den schrecklichen antisemitischen Anschlag in Halle. Dass nach dem Holocaust und dem Aufbau unserer den Menschenrechten verpflichteten Demokratie in Deutschland wieder die Saat rechtsradikaler Ideologie aufgehen kann, trifft uns ins Herz.

In unseren Erklärungen zu Religionsfreiheit und Toleranz, zur Überwindung von Hass und Gewalt gerade auch in und mit den Religionen haben wir uns verpflichtet, jedem Extremismus und jeder rassistischen Hetze in Zusammenarbeit mit allen zivilgesellschaftlichen Kräften entgegen zu wirken.

Wir stehen an der Seite unserer jüdischen Schwestern und Brüder. Wir trauern um die Opfer und ihre Angehörigen und schließen sie in unsere Gedanken und Gebete ein. Wir rufen alle Mitbürgerinnen und Mitbürger auf, in Politik, Bildung, Begegnung und Zusammenarbeit die Werte der Solidarität, der wechselseitigen Anerkennung und Achtung, der Partnerschaft und Freundschaft mit Leben zu füllen, frei von jedem Hass und jeder menschenverachtenden Ideologie! Wir wollen aus der Kraft unseres Glaubens und unserer Überzeugung mit bauen an der gemeinsamen Zukunft in unserem Land.