DBU Diskurs

Auf dieser Seite sollen Inhalte zu Themen stehen, die unter Buddhisten und DBU-Mitgliedern diskutiert werden.
Dies können Themen jeglicher Art sein, die von unseren Besuchern und Mitgliedern als relevant angesehen werden.

Wollen Sie ein neues Thema einbringen oder auf ein vorhandenes antworten, schicken Sie uns gerne ihren Text zu und wir prüfen, ob wir diesen auf dieser Seite platzieren. Ihr Beitrag sollte qualifiziert sein, ggf. durch Quellenangaben belegt und der gängigen Netiquette (rechte Rede) entsprechen. Wir behalten uns vor, nicht jeden Text zu veröffentlichen, sofern diese unseren Vorgaben nicht entsprechen.

Kontakt: kirsten.schulte@dbu-brg.org

 

Buddhismus & Ethik in der Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden

Wie definieren die verschiedenen buddhistischen Traditionen das Verhältnis zwischen Lehrer/innen und Schüler/innen? Was bedeutet Hingabe, wo beginnt ungesunde blinde Gefolgschaft? Wie verbreitet sind Missbrauch von Geld, Macht, Sex? – Artikel, Gespräche und Links zu einem aktuellen Thema.

Verhaltensregeln der Dharmalehrer und –lehrerinnen

Diese Regeln werden von den buddhistischen Zentren Spirit Rock, Gaia House, IMS, Beatenberg und verwandten lokalen Zentren als verbindlich betrachtet. Wir veröffentlichen sie als Inspiration für Gemeinschaften, über ethische Richtlinien in den eigenen Reihen miteinander ins Gespräch und dann vielleicht auch zu Vereinbarungen zu kommen.

Als buddhistische Lehrer und Lehrerinnen erkennen wir an, dass das Fundament eines spirituellen Lebens aus einem achtsamen und mitfühlenden Umgang mit dem Leben besteht. Wir anerkennen, dass wir, mangels klösterlicher Regeln und asiatischer Sitten, klare ethische Richtlinien brauchen, die unserer westlichen Kultur entsprechen. Im Einklang mit diesem Verständnis und für unser eigenes Wohl, wie auch das der Gemeinschaft als Ganzes, erklären wir Laienlehrer und Laienlehrerinnen uns damit einverstanden, folgende fünf ethische Richtlinien zu befolgen. Wir haben diese so erweitert, dass sie unserer besonderen Rolle als Dharmalehrer und Dharmalehrerinnen innerhalb unserer besonderen kulturellen Situation gerecht werden.

1) Wir erklären uns bereit, von Töten abzusehen.

Wir anerkennen die Verbundenheit aller Wesen und respektieren alles, was lebt. Wir vertiefen unser Verständnis davon, wie wir in all unseren Handlungen Töten und Verletzen vermeiden können. Wir versuchen, die Tragweite dieser Regel in solch schwierigen Bereichen wie Abtreibung, Euthanasie und dem Einschläfern von Haustieren zu ergründen. Während einige von uns eine vegetarische Lebensweise befürworten und andere nicht, verpflichten wir uns alle dazu, dieser Regel im Geiste der Wertschätzung allen Lebens zu folgen.

2) Wir erklären uns bereit, von Stehlen abzusehen.

Wir erklären uns bereit, nicht zu nehmen, was uns nicht gehört und den Besitz anderer zu respektieren. Wir erklären uns dazu bereit, Bewusstsein für ein respektvolles und ökologisches Nutzen der natürlichen Ressourcen zu entwickeln. Wir erklären uns bereit, ehrlich im Umgang mit Geld zu sein und Geld, das für Dharmaprojekte gespendet wurde, nicht zu veruntreuen. Wir erklären uns bereit, die Lehre zu teilen, ohne Schüler oder Schülerinnen aufgrund ihrer finanziellen Verhältnisse zu bevorzugen.

3) Wir erklären uns bereit, von unrechter Sprache abzusehen.

Wir erklären uns bereit, zu sagen, was wahr und hilfreich ist, und vom Klatschen in unserer Gemeinschaft abzusehen. Wir erklären uns bereit, sowohl bewusste und klare Kommunikation zu kultivieren als auch die Qualitäten von liebevoller Güte und von Wahrhaftigkeit als die Grundlage unserer Rede.

4) Wir erklären uns bereit, von verletzendem sexuellen Verhalten abzusehen.

Wir erklären uns bereit, zu vermeiden, durch unser sexuelles Verhalten Leiden zu verursachen, und sehen von sexueller Ausbeutung und Ehebruch ab. Lehrer und Lehrerinnen, die das Versprechen einer zölibatären Lebensweise abgelegt haben, werden gemäß dieses Versprechens leben. Verheiratete Lehrer und Lehrerinnen respektieren ihre Gelübde und sehen von Ehebruch ab. Alle Lehrer und Lehrerinnen verpflichten sich dazu, ihre Lehrerrolle nicht dafür zu nutzen, um mittels ihrer Autorität und Position eine sexuelle Beziehung mit einem Schüler oder einer Schülerin einzugehen.

Weil in unserer Gemeinschaft mehrere alleinstehende Lehrer und Lehrerinnen Partnerschaften und Ehen mit ehemaligen Schülern oder Schülerinnen entwickelt haben, erkennen wir an, dass derart gesunde Beziehungen möglich sind, aber dass große Sorgfalt und Sensibilität vonnöten sind. Wir stimmen zu, dass in einem solchen Fall folgende Richtlinien entscheidend sind:

a) Eine sexuelle Beziehung zwischen einem Lehrer oder einer Lehrerin und einem Schüler oder einer Schülerin ist niemals angebracht.

b) Während Retreats und formaler Lehre ist jegliche Anspielung auf eine zukünftige romantische oder sexuelle Schüler- Innen-LehrerInnen-Beziehung nicht angebracht.

c) Falls sich über einen längeren Zeitraum hinweg ein Interesse zwischen einem/einer unverheirateten LehrerIn und SchülerIn entwickelt, muss die Schüler-Lehrer-Beziehung klar und bewusst aufgelöst werden, bevor eine Entwicklung in Richtung einer romantischen Beziehung stattfindet. Eine Annäherung an eine solche Beziehung muss mit Zurückhaltung und Sensibilität erfolgen und sollte in keinem Fall direkt nach einem Retreat stattfinden. Es sollte eine Periode von mindestens drei Monaten zwischen der letzten formalen Lehrsituation liegen und beiderseits ein klares Verständnis darüber vorliegen, dass die SchülerIn-LehrerIn-Beziehung ein Ende genommen hat. Dies muss mit der bewussten Verpflichtung gekoppelt sein, eine Beziehung eingehen zu wollen, die keiner Seite Schaden bringt.

5) Wir erklären uns bereit, vom Konsum berauschender Substanzen abzusehen, die zu Achtlosigkeit und Verlust von Achtsamkeit führen.

Es ist offensichtlich, dass der Missbrauch von Drogen großes Leid verursacht. Wir stimmen zu, dass der Gebrauch jeglicher Drogen während Retreats oder auf dem Retreat-Gelände unterbleiben sollte. Wir erklären uns bereit, jederzeit vom Missbrauch von Drogen abzusehen. Wir stimmen zu, dass falls ein Lehrer oder eine Lehrerin ein Drogen- oder Alkoholproblem haben sollte, die Gemeinschaft darüber informiert werden soll.

Überarbeitet und erweitert 1999 in Spirit Rock, überarbeitet 2001 im Meditationszentrum Beatenberg

Erleuchtung garantiert? Selbstverantwortung auf dem buddhistischen Weg

In der buddhistischen Welt gibt es nicht wenige Meisterinnen und Meister und Gemeinschaften, die sich selbst als besonders ausgewählten, als schnellsten, besten oder gar einzigen Weg zu Erwachen und Erleuchtung präsentieren. Vor diesem Hintergrund und basierend auf ihren persönlichen Erfahrungen reflektiert Susanne Billig die Frage der Selbstverantwortung auf dem buddhistischen Weg.

Als ich vor fast drei Jahrzehnten begann, mich mit dem Buddhismus zu beschäftigen, war ich 28 Jahre alt und seit mehreren Jahren in einer schwierigen persönlichen Situation. Seit ich mir zehn Jahre zuvor von netten Hippies in einer walisischen Landkommune hatte Haschkekse servieren lassen, litt ich unter einer schweren Angststörung, die mich an den Rand der Lebensfähigkeit getrieben hatte. Ich hatte meine Pläne aufgeben müssen, Medizin zu studieren, und mogelte mich durch weniger schwierige Studienfächer. An das politische Engagement, das mich interessiert hätte, war nicht mehr zu denken. Meine Therapie hatte sich längst als Sackgasse erwiesen, dennoch klammerte ich mich daran, weil ich nicht wusste, was mir sonst helfen könnte. In unserer Kultur beginnt der spirituelle Weg oft mit Bedürftigkeit – und Bedürftigkeit macht verführbar.

Mit Ende zwanzig fühlte ich mich hungrig nach allem, was der Buddhismus, den ich in Form einer aus Japan stammenden Gemeinschaft kennenlernte, an mich herantrug. Da war Hunger auf psychologische Unterstützung durch Menschen, die älter als ich waren, gefestigt und belastbar, und die so etwas wie Weisheit im Umgang mit den grundsätzlichen Fragen des Lebens ausstrahlten. Hunger auf eine tragfähige Lebensphilosophie, die unser Dasein auf eine Weise erläuterte, dass sie das große Leiden nicht aussparte, in das Menschen sich verstricken können, gleichzeitig aber auch eine positive Vision bereithielt – eine Vision von Leidensüberwindung und Glücksfähigkeit, die stärker und mächtiger war als die Wucht seelischer Schmerzen. Hunger auf eine Praxis, die theoretische Ideen über Wege aus dem Unglück in konkrete, funktionierende Schritte übersetzte. Hunger auf eine stabile Gemeinschaft, die in ihren Mittelpunkt weder das Lernen für die berufliche Karriere noch die Arbeit für ferne politische Ziele noch jugendliches Partyvergnügen stellte, sondern gelebte gegenseitige Verbundenheit und die persönliche Auseinandersetzung mit essentiellen Lebensthemen. Nichts davon fand ich in der spirituell und sozial so erkalteten Kultur vor, in der ich aufgewachsen war – also lief ich dem Buddhismus mit offenen Armen entgegen.

Sehnsucht nach Zugehörigkeit stärker als Skepsis

Hungrige Menschen sind verführbar. Das war mir damals schon klar, und meine Schritte mit dem Buddhismus waren von Anfang an ein Spagat zwischen Lernen, Vertrauen, Öffnung – und kritischer Distanz. Ich wusste, weil ich vorher viel gelesen hatte, dass manches an der Gemeinschaft, der ich mich anschloss, fragwürdig war, aber der Wunsch, dazuzugehören und an der neuen buddhistischen Weltsicht und Praxis und dem wunderbaren Optimismus der Gruppe zu partizipieren, war stärker als alle Skepsis. Weil mein kritischer Geist jedoch wie der berühmte Beobachter in der Meditation immer dabei war, konnte ich das Schauspiel „Erleuchtung suchender Mensch und Gemeinschaft“ an mir selbst hautnah mitverfolgen.

Kaum dass ich spürte, wie gut mir die Gemeinschaftlichkeit und die Meditationspraxis taten, wollte ich all das verherrlichen, was auch die anderen verherrlichten – die ehrwürdige buddhistische Tradition, die noch in diesem Leben ganz sicher zur Erleuchtung verhelfen würde, ihren unübertroffenen Gründer in seiner grenzenlosen Weisheit, den einzigartigen Meister, der die Gemeinschaft leitete, die wunderbaren Gemeinschaftsmitglieder, die mit so viel Herz und Zeit bei der guten Sache waren – nicht weil ich wirklich etwas über buddhistische Geschichte und ihre unterschiedlichen Traditionen wusste und ein fundiertes Urteil traf, sondern weil ich im Strom der gemeinsamen Rührung und Begeisterung mitschwimmen wollte.

Also verordnete ich mir, es mit meinem Überschwang langsam anzugehen. Gleichzeitig sah ich Menschen, die in kürzester Zeit mit wehenden Fahnen zu hundertfünfzigprozentigen Anhängern wurden, den Jargon der Gruppe umgehend in ihren Sprachgebrauch übernahmen, plötzlich genau wussten, was auf der Welt richtig und falsch war, und sich im Zeitraffer zu Pädagoginnen und Pädagogen ihrer Mitmenschen entwickelten. Zu einer Schieflage in einer religiösen Gemeinschaft gehören zwei Seiten, das konnte ich deutlich sehen: Eine Gruppe oder ein Meister, die es auf Verführung abgesehen haben und sich als besten, schnellsten oder gar einzigen Weg zu Glück und Erleuchtung anbieten. Und Menschen, die bereit sind, ihren gesunden Menschenverstand, ihr differenziertes Denken, das Wissen um ihr Unwissen, kurz: ihr reflektiertes, erwachsenes Ich über Bord zu werfen.

Woanders sah es nicht anders aus

Diese Beobachtung verstärkte sich einige Jahre, nachdem ich mich der Gemeinschaft angeschlossen hatte, die mich – dafür bin ich noch immer sehr dankbar – vieles lehrte und mich in vielem heilte, mit der ich aber auch sehr haderte. Damals begann ich, meine Fühler zu anderen buddhistischen und interreligiösen Kontexten auszustrecken. Im Grunde meines Herzens war ich fest davon überzeugt, dass es überall dort würdiger und ursprünglicher zugehen müsse und dass nur mich das seltsame Schicksal getroffen habe, mich in den Buddhismus in Form einer etwas aus der Reihe gefallenen Gruppierung verliebt zu haben. Doch zu meinem großen Erstaunen musste ich feststellen, dass es das in vielen anderen buddhistischen Gemeinschaften ganz genauso gab: nicht hinterfragbare Hierarchien; die Verabsolutierung der eigenen Tradition; eine verdeckt gehaltene politische Agenda im Herkunftsland der Tradition oder in ihren höheren Rängen, die mit den Anliegen der westlichen Suchenden wenig zu tun hatte und von ihnen auch nicht reflektiert wurde; eine kindliche Überverehrung von Lehrerinnen und Lehrern; die unbekümmerte Missachtung demokratischer Standards; Frauen, die zwar die Mehrheit der Basis ausmachten, aber in höheren Positionen kaum noch zu finden waren; Männer, die ihre Dominanz gar nicht oder mit dem Verweis auf ihren besonderen Bedarf an Herzensbildung und Verantwortungsübernahme rechtfertigten; eine Kultur der gegenseitigen gleichschaltenden Pädagogisierung, in der Differenz nicht als Reichtum, sondern als Gefahr behandelt wurde. Ich begriff, dass ich es in meiner Gemeinschaft überhaupt nicht mit einer besonderen Schlagseite in Richtung Sekte zu tun hatte, sondern mit einer häufigen Form institutionalisierter Religiosität.

Varianten der Bedürftigkeit

Je länger ich mich in der buddhistischen Welt bewegte, umso deutlicher konnte ich auch sehen, dass – neben vielen selbstlosen Einstellungen, die Menschen auf dem Weg des Erwachens sicherlich motivieren – auch viele Bedürftigkeiten eine Rolle spielten. Seelische oder körperliche Not ist nur eine von etlichen Varianten. Nicht wenige Menschen wollen der Unübersichtlichkeit der Moderne durch einen klar vorgezeichneten Weg entgehen. Wieder andere möchten sich, weil sie ein schwaches Selbstbewusstsein haben, auf eine mächtige Seite schlagen und die Gewissheit haben, in ehrwürdigster Tradition und höchster Wahrheit zu wandeln. Manche möchten einem besonders ausgewählten Teil der Menschheit angehören. Viele brauchen die Meisterin als weise Mutter oder den Lehrer als gütigen Vater, weil sie sich nach elterlicher Zuwendung sehnen. Andere ziehen Selbstbestätigung aus dem Ansehen in den hohen Verantwortungspositionen ihrer Gemeinschaft. Wieder andere suchen eher das Gefühl, im Verborgenen viel zu geben, ohne dass es jemand sieht. Es gibt auch Menschen, die Gemeinschaft wie einen Punchingball brauchen, von Gruppe zu Gruppe wechseln, immer schnell im Konflikt mit anderen liegen und sie in die Knie zwingen möchten. Und schließlich lässt sich gerade der Buddhismus gut nutzen, um Härte gegenüber sich selbst zu zelebrieren: Askese, ständige Selbstüberwachung, die Schmerzen der Meditation werden zum bevorzugten Lebensstil, wenn Menschen Mühe haben, mit sich selbst freundlich zu sein. Wenn ich diese Aufzählung lese und ehrlich bin: So manchen Punkt kenne ich aus den vielen Jahren auch von mir selbst.

Selbstverständlich wirkt die psychologische Gemengelage in den Herzen der Schülerinnen und Schüler zurück auf die Lehrenden, die für fragwürdige Strukturen darum auch nicht allein verantwortlich zu machen sind. Sie werden in Rollen gedrängt, gegen deren Versuchungen man sich nur mit großer Mühe wappnen kann, und manche Meister kommen mit der um ihre Person entfesselten Dynamik nach einigen Jahren nicht mehr zurecht. In sich selbst ruhende Lehrer und Lehrerinnen mit einem sicheren inneren Kompass müssen sich nicht permanent überhöhen, um ihre Rolle auszufüllen. Sie machen aus sich kein Bühnenschauspiel und inszenieren ihre Schülerinnen und Schüler nicht als beflissene Bewunderer. Und natürlich – ist es wirklich nötig, das zu sagen? – müssen sie sich auch nicht jeden Abend betrinken, brauchen nicht ständig Sex mit jungen Gemeinschaftsmitgliedern, kennen andere Formen der Belehrung, als ihre Schülerinnen und Schüler vor versammeltem Publikum zu demütigen, rufen nicht zu Unfrieden und Feindschaft gegenüber missliebigen Personen oder ganzen Gruppen von Menschen auf, schlagen nicht, schreien niemanden an, übervorteilen nicht, bereichern sich nicht, degradieren andere nicht zu ihren Dienstboten.

Missbrauchende Verhaltensweisen nicht als Ausdruck tiefer Verwirrung zu erkennen, sondern selbst daraus noch Nektar für sich selbst saugen zu wollen – das allerdings gehört in den Verantwortungsbereich derjenigen, die fragwürdigen Lehrern folgen, ohne gegenzusteuern. In den vergangenen Jahrzehnten habe ich Schülerinnen und Schüler kennengelernt, die von ihren Vorbildern vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche verlangten, nie müde zu werden, nie hungrig, nie auch mal ausgebrannt oder auch nur erschöpft. Ich habe Schüler von todkranken, vom Krebs schwer gezeichneten Lehrern gesehen, die noch in dieser Situation nicht in der Lage waren, aus der Rolle der Empfangenden in die der Gebenden zu wechseln, und immer weiter nach Belehrung und Ermutigung für sich selbst verlangten.

Am Anfang steht immer ein unbeantworteter Wunsch

Die Überhöhung der Vorbilder mag als anfänglicher Impuls nachvollziehbar sein. Schließlich sehnen sich Menschen, die sich einer religiösen Gemeinschaft anschließen, oft genau danach: Verantwortung abzugeben, Geborgenheit zu erfahren, verlässliche spirituelle Anleitung zu erhalten. Wenn der Buddhadharma etwas ist, das im Leben von Menschen realisiert werden will, dann sollte es solche verwirklichten, von Weisheit, Mitgefühl und Erkenntnis durchleuchteten Menschen natürlich auch geben. Darum ist es mehr als verständlich, wenn Schülerinnen und Schüler die Nähe verwirklichter Menschen suchen, um vertrauensvoll von ihnen zu lernen – ebenso wie auch die vielen anderen Sehnsüchte und Bedürftigkeiten nicht verkehrt sind; keine ist ein falscher Grund, sich dem Buddhismus zuzuwenden, keine ist ehrenrühriger, besser oder schlechter als die anderen. Wenn man es sorgfältig bedenkt, steht am Anfang jeder Hinwendung zur Spiritualität ein unbeantworteter Wunsch – und der stammt immer aus einem Ich, dessen Überwindung der Buddhismus lehrt.

Sollten vor diesem Hintergrund Dharmalehrerinnen und -lehrer über die schwachen Seiten ihrer eigenen Person und ihrer Schülerinnen und Schüler genauer Bescheid wissen? Sollten sie sich der gefährlichen Dynamiken bewusster sein, die Traditionshingabe, kollektive Begeisterung und Guruverehrung lostreten können? Sollten sie stärker immer wieder reflektieren, nachjustieren, vorbeugen und aufklären? Sollten sie ernster nehmen, dass eine zentrale Aufforderung des Buddha darin besteht, die Realität zu fühlen und sich ihr zu stellen, anstatt sie mit Wunschdenken zu übertünchen? Sollten sie sich mehr darüber im Klaren sein, dass die institutionalisierte Religion eine fragwürdige Quelle individueller wie sozialer Fantasiekonstrukte darstellen kann, wenn man nicht ständig den frischen Wind der Hierarchieauflösung und geistigen Öffnung hindurchwehen lässt? All das wäre wunderbar. Aber möglicherweise ist es auch sehr viel verlangt, und an der Selbstverantwortung der Lernenden führt kein Weg vorbei.

Selbstverantwortung beschützt

Selbstverantwortung hat ihre Schönheit und ihre Würde. Wir beschützen uns selbst und einander, wenn wir uns so weit wie möglich auch im spirituellen Kontext selbst tragen und unsere Schwestern und Brüder daran erinnern, dass die Verantwortung für die eigene Person nicht suspendierbar und nicht übertragbar ist, anstatt sie in ihren schwachen Momenten in einen Korpsgeist und eine übermäßige Aufopferungsbereitschaft hinein zu verführen. Wir beschützen auch unsere Lehrerinnen und Lehrer, wenn wir von ihnen lernen, ohne in die Rolle kleiner Soldaten oder kleiner Kinder zu gleiten. Es ist für uns wie für sie gut, wenn wir uns im Hintergrund unseres Gewahrseins einen Beobachter unserer buddhistischen Schritte bewahren, eine erwachsene, nüchterne Stimme, die bereit ist, die letzte Entscheidung über das, was wir lassen und tun, nicht aus der Hand zu geben.

Selbstverantwortung heißt nicht, sich von jeder Bedürftigkeit und Schwäche freizusprechen, sondern, ganz im Gegenteil, sich der eigenen Beweggründe und Motivationen immer wieder neu klar zu werden, sie immer wieder neu anzuschauen, ihnen nicht auszuweichen und sie bewusst in die buddhistische Praxis zu legen. Denn diese Praxis hat die Kraft, Schwächen in Wachstum und Nöte in Heilung zu transformieren, wenn man diese Themen denn in die Praxis hineinträgt. Spiritualität ist das große Bemühen, unser Menschsein zu überschreiten – aber doch nicht zu unterschreiten. Zuvor müssen wir das Menschsein darum ganz erfüllen und erwachsen werden, also auch fundamental allein, auch ohne letzten festen Grund auf die eigenen reflektierten Entscheidungen und Beurteilungen geworfen und selbstverständlich auch ein Kind beherbergend, das die erwachsene Vernunft immer wieder torpediert und dem Erwachsenen seine wilde Kinderlogik und seine Kinderschmerzen vor die Füße wirft und mit dem wir leben lernen müssen.

Alles, was wir fühlen und sind, gehört mit in den Dharma. Genau das bringt der Achtfache Pfad zum Ausdruck, indem er alle Lebensbereiche – Psychologie, Philosophie, Lebenspraxis – von der buddhistischen Ausübung umfasst sehen will. Unsere Begeisterungsfähigkeit gehört ebenso zum buddhistischen Weg wie unser Verstand, unsere Liebe ebenso wie unser Differenzierungsvermögen, unsere Kindlichkeit ebenso wie unsere kluge Zurückhaltung, unsere Sehnsucht nach sozialer Geborgenheit ebenso wie unsere Bereitschaft, uns – gemeinsam mit anderen, lernend von Weiseren – in letzter Konsequenz selbst durch unser Leben zu führen.

Weiterführende Informationen

Susanne Billig

GESPRÄCH: „Es gibt keine Entschuldigung für unethisches Verhalten“

Im März 1993 hatte eine internationale Gruppe westlicher buddhistischer Lehrerinnen und Lehrer, die verschiedene Traditionen repräsentierten, im indischen Dharamsala die Gelegenheit, mit Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama zu einer viertägigen Konferenz zusammenzukommen. Die Konferenz befasste sich mit der Übertragung des Buddhismus in den Westen. In diesem Rahmen konnte die Gruppe aus dem Westen mit dem Dalai Lama unter anderem über das Thema „Ethik in der Beziehung zwischen Lehrer/inne/n und Schüler/inn/en“ sprechen – ein Thema, das heute so aktuell ist wie damals. Der Gesprächsverlauf wurde anschließend von der Teilnehmerin Bhikshuni Thubten Chödrön verschriftlicht. Nun hat sie es aktuell noch einmal durchgesehen und neu zum Abdruck freigegeben.

AKTUELLE ERGÄNZUNG: Im September 2017 sprach der Dalai Lama mit Studierenden aus Kalifornien und streifte dabei das Thema der missbräuchlichen buddhistischen Lehrerinnen und Lehrer hier im YouTube-Video zu sehen.

Westliche Buddhistische Lehrende (WBL): Was sind die Qualitäten einer guten Lehrerin oder eines guten Lehrers?

Seine Heiligkeit der Dalai Lama (SHDL): Es gibt spezifische Voraussetzungen für jede Art von Lehrerin oder Lehrer. Diese werden im Vinaya beschrieben, in Mahayana-Texten wie dem Mahayanasutralamkara und in den Tantras. (1)

In der Vergangenheit wurden Lehrerinnen und Lehrer nicht ernannt. Stattdessen war es so, dass eine Person durch sorgfältiges Training zu einem guten Praktizierenden wurde. Wenn dann andere kamen und diese Personen baten zu lehren, hat er oder sie diese wenigen Studierenden unterrichtet. Wenn diese Studierenden dann praktizierten und gute Qualitäten entwickelten, wuchs in anderen der Respekt für ihre Lehrerin oder ihren Lehrer, und allmählich wurde diese Person dann bekannt als großartiger Lehrender. Weil dies ein natürlicher Prozess ist, besteht dabei weniger Gefahr, dass ein korrupter Mensch zu einem bekannten Lehrer wird.

Im monastischen System war Weg hin zum Lehrer in einem gewissen Maß organisiert. Aber in der modernen Zeit erinnert uns das Wort „Lehrerin“ oder „Lehrer“ an jemanden auf einem akademischen Gebiet, der, nachdem er bestimmte Ausbildungswege abgeschlossen hat, von einer Organisation zum Lehrer ernannt wird, ganz unabhängig davon, ob er irgendwelche Studentinnen oder Studenten hat. Vielleicht könnten Buddhisten und Buddhisten in der Zukunft eine Organisation gründen, die Menschen als Lehrerinnen und Lehrer zertifiziert, nachdem sie ihr Verständnis im Dharma und ihren Unterricht geprüft hat.

Jedes buddhistische Zentrum könnte die Ausbildungswege für die verschiedenen Lehrer-Level  zugänglich machen und Menschen beibringen, wie sie Lehrerinnen oder Lehrer aussuchen. Wie ich immer wieder betone: Am Anfang sollte man die Person, die den Dharma erklärt, nicht als Guru ansehen, sondern als Dharma-Freund. Nach einem oder zwei Jahren, wenn diese beiden Menschen sich gut kennen, mag die Studentin oder der Student dann zu der Überzeugung gelangen, dass dieser Lehrer verlässlich ist und ihn mit der Verantwortung betrauen, ihr oder sein Guru zu werden. Dann wird ihre Beziehung die von Guru und Schülerin oder Schüler.

„Der Westen befindet sich in einer frühen Phase“

Viele der Probleme, denen der Buddhismus gegenwärtig im Westen gegenübersteht, haben damit zu tun, dass wir uns in einer frühen Phase der Übertragung des Dharma in westliche Länder befinden; hier gibt es eine Chance für Scharlatane und unqualifizierte Personen zu lehren. Doch wenn der Buddhismus sich in der Kultur mehr verwurzelt und die Menschen ihn besser verstehen, werden sie auch wissen, wie sie die Qualitäten eines Lehrers oder einer Lehrerin beurteilen, und sie werden sich beschützen. Dies ist Teil eines natürlichen Prozesses, wenn der Dharma sich verwurzelt.

Tibet hat in den letzten 30 Jahren die massive Zerstörung des Buddhismus erlebt. Nun, wo es vergleichsweise mehr Freiheit gibt, findet ein Revival statt, aber auch hier wissen einige Menschen, aus der Situation Vorteil zu schlagen. In Lhasa gibt es einige Männer, die sich morgens wie Mönche anziehen, Puja geben für diejenigen, die bezahlen, aber am Nachmittag betrinken sie sich und stehlen sogar. Menschen sind so begierig darauf, den Dharma zu lernen und religiöse Personen zu treffen, dass sie sich leicht betrügen lassen. Es gab in Tibet vor 1959 und es gibt heute in Indien viele Lamas und Mönche, weshalb es für die Menschen eine Wahl gibt und damit weniger Gefahr, dass sie betrogen oder missbraucht werden. Mit der Zeit werden mehr Menschen im Westen ein besseres Verständnis des Buddhadharma haben und auch von den Qualitäten, nach denen sie in einer guten Lehrerin oder einen guten Lehrer suchen müssen. Die Probleme, die sich aus unfähigen Lehrerinnen und Lehrern ergeben, werden abnehmen. Zu dieser Zeit jedoch stehen wir Problemen gegenüber und wir müssen Wege finden, sie zu minimieren.

Es gibt Fälle von Lamas oder Menschen, die innerhalb der tibetischen Gemeinschaft niemals in die Position gelangen würden, Belehrungen zu geben, aber im Westen werden sie auf einmal große Lamas. Das ist bewundernswert, wenn es sich um jemanden handelt, der bislang nicht die Chance hatte, seine großartigen Qualitäten zu zeigen und der in der tibetischen Gemeinschaft bescheiden blieb. Wenn aber jemand die Situation im Westen nur ausnutzt, um sich selbst zu nach vorn zu bringen, dann ist das traurig.

WBL:  Einige Lehrer sagen, dass man den Gelübden folgen muss, wenn man eine Schülerin oder ein Schüler ist, aber sowie man ein erleuchteter Lehrer geworden ist, braucht man das nicht mehr. Das unkonventionelle Verhalten einiger Lehrer wird erklärt als ein Ausdruck ihrer Fähigkeiten, ihrer Verwirklichung und ihres Mitgefühls, und diejenigen von uns, die noch nicht so weit fortgeschritten sind, können das nicht verstehen. Mit dieser Behauptung haben einige buddhistische Lehrer Geld missbraucht, Macht, Sex, Drogen und Alkohol. Dies irritiert viele Menschen und bringt manche sogar dazu, ihr Vertrauen in den Dharma zu verlieren. Sind ein solches Verhalten und die Erklärung dafür berechtigt?

Nur wer durch die Luft fliegen kann…

SHDL: Historisch war es so, dass einige buddhistische Heilige, obwohl sie sich auf seltsame Weise ethisch verhalten haben, voll realisierte Wesen waren und wussten, was auf lange Sicht dem Wohle anderer diente. Aber heute ist solches Verhalten schädlich für den Dharma und muss gestoppt werden. Obgleich die eigenen Verwirklichungen denen jener göttlichen Wesen gleichen mag, muss das Verhalten den Konventionen entsprechen. Wenn jemand sagt, dass jedes Verhalten akzeptabel sei, da jeder die Buddhanatur besitze, oder dass Lehrerinnen und Lehrer moralischen Vorschriften nicht zu folgen brauchten, zeigt dies, dass sie die Leerheit oder Ursache und Wirkung nicht korrekt begreifen.

Jede und jeder ist für ihr oder sein Verhalten verantwortlich. Für einen voll verwirklichten Menschen ist es gleichgültig, ob er Urin, Fäkalien, Alkohol oder menschliches Fleisch aufnimmt – es ist für ihn alles dasselbe. (2) Aber wenn solche buddhistischen Lehrer, die sich nicht an ethische Grundsätze halten, Fäkalien essen oder Urin trinken müssen – ich habe meine Zweifel, dass sie es genießen würden!

Die Tantra-Praxis ist niemals eine Entschuldigung für unethisches Verhalten. Wenn jemand das Vajrayana gut versteht, gibt es keine Grundlage dafür, schlechtes Verhalten zu entschuldigen. Eines der Trantra-Sutras erklärt, dass der ideale tantrische Laien-Praktizierende dem gesamten Vinaya (monastische Disziplin) folgen solle, aber ohne eine Robe zu tragen oder monastische Zeremonien durchzuführen.

Auf einer sehr fortgeschrittenen Ebene der höchsten tantrischen Praktiken ist die Vereinigung der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane eine Technik, den subtilsten Geist zu manifestieren und die tiefste Weisheit über die Realität zu erlangen. Hierbei nutzt man den physischen Körper als Werkzeug, um Einsicht zu vertiefen, aber es gibt dabei keine Gier, keine Ausscheidungen und keinen Orgasmus. Vielmehr ist es eine Methode, Gier zu überwinden. In der Vergangenheit musste ein Praktizierender in Tibet in der Lage sein, übernatürliche Fähigkeiten zu demonstrieren, etwa durch die Luft fliegen, um sich für solche Praktiken zu qualifizieren. Wenn er das nicht tun konnte, wurde es ihm nicht erlaubt, diese Techniken zu nutzen. Gegenwärtig gibt es wenige tibetische Meister, die sich auf dieser Ebene befinden. Dilgo Khentse Rinpoche, den ich respektiere, machte die Anmerkung, dass es heute einige wenige realisierte Praktizierende gebe, die so etwas ausüben könnten. Ich weiß, dass einige Meditierende in den Bergen, die sich strikt an den Vinaya halten, eine außerordentliche Verwirklichung erreicht haben.

Wenn man die Lehren klar präsentiert, ist dies zum Wohle anderer. Aber wenn jemand den Dharma lehren soll und sein Verhalten ist schädlich, ist es unsere Verantwortung, dies mit einer guten Motivation zu kritisieren. Das ist konstruktive Kritik, und man braucht sich dabei nicht unwohl zu fühlen. In „Die zwanzig Verse über das Bodhisattva-Gelübde“ heißt es, dass Handlungen gleich welcher Art frei von Schuld bleiben, die Sie mit einer reinen Motivation ausüben. Buddhistische Lehrer, die Sex, Macht, Geld, Alkohol oder Drogen missbrauchen, und die ihr Verhalten nicht korrigieren, wenn ihre eigenen Schülerinnen und Schüler sie mit legitimen Beschwerden konfrontieren, sollten offen und namentlich kritisiert werden. Das kann sie beschämen und veranlassen, ihr missbräuchliches Verhalten zu bedauern und zu beenden. Das Negative herauszustellen schafft Raum dafür, dass die positive Seite zunimmt. Wenn man ein solches Fehlverhalten veröffentlicht, sollte klargestellt werden, dass solche Lehrer den Rat des Buddhas nicht beachtet haben. Allerdings ist es nur fair, auch deren gute Qualitäten zu erwähnen, wenn man das ethische Fehlverhalten eines buddhistischen Lehrers oder einer buddhistischen Lehrerin öffentlich macht.

Buddhistische Lehrerinnen und Lehrer in Dharma-Zentren sollten nichts mit den Finanzen des Zentrums zu tun haben. Sie sollten sich auf das Lehren konzentrieren, während die Mitglieder die Finanzen des Zentrums verwalten. Auch ist häufig Alkohol eine Ursache ethischen Fehlverhaltens. In der tibetischen Gesellschaft trinken die meisten Laien Alkohol, obwohl sie sich als buddhistisch betrachten. Aber der Buddha sagte klar, dass jeder, der den Buddha seinen Lehrer nennt, nicht einmal einen einzigen Tropfen Alkohol trinken soll. (3)

WBL: Einige Schriften raten uns, den Guru als den Buddha zu sehen, aber das scheint unangemessen, wenn ein Lehrer unethisch handelt. Wie beziehen wir uns auf solche Lehrer? Müssen wir alle Anweisungen befolgen, die ein Lehrer gibt, auch wenn sie uns unethisch oder unklug erscheinen?

SHDL: Es ist nicht geschickt, Anfänger zu lehren, den Guru als den Buddha zu sehen. Wenn wir den Vinaya, das Mahayana und tantrische Texte studieren, erkennen wir einen Stufenweg, auf welche Weise wir unseren Lehrer zu betrachten haben und uns auf ihn beziehen. Auf der ersten Ebene, dem Vinaya, wird Buddha Shakyamuni als der einzige erleuchtete Lehrer in dieser Blütezeit des Dharma akzeptiert. Es wird nicht erwähnt, dass Sie den eigenen Lehrer als Buddha ansehen sollen. Sie sehen Ihren Lehrer einfach als Lehrer, Ihren Abt als Abt, und nehmen auf einer menschlicher Ebene eine Beziehung zu ihm auf. Sie sehen ihn als einen weisen älteren Menschen, als einen ernsthaft Praktizierenden an, von dem Sie lernen können. Auf der zweiten Stufe wird der Guru gleich oder ähnlich wie ein Buddha gesehen, in dem Sinne, dass das Karma, das Sie in Bezug auf Ihren Lehrer angesammelt haben, dem ähnlich ist, das Sie in Bezug auf den Buddha angesammelt haben. Mit anderen Worten: Das Karma, das Sie ansammeln, wenn Sie Ihrem Lehrer oder Ihrer Lehrerin Ehrerbietung erweisen oder umgekehrt ihm oder ihr Schlechtes antun, entspricht dem Karma, das Sie ansammelten, wenn sie den Buddha selbst auf diese Weise behandelten.

Nur wenn Sie bereits genügend gereift sind, sollte Sie der tantrische Blick auf den Guru gelehrt werden, dass er Ihnen Einweihungen als Buddha gibt. In der tantrischen Praxis versuchen wir, alle Wesen als Buddhas und die Umgebung als reines Land anzusehen, also wäre es absurd, unseren Lehrer nicht als Buddha anzusehen. Allerdings sollte diese Sichtweise nicht Anfänger gelehrt werden; denn wenn sie missverstanden wird und dem Guru einen Freifahrtschein erteilt, wirkt das wie ein Gift. Es zerstört die Lehren, den Guru und die Schülerin oder den Schüler.

Der Situation und der Kultur des Ortes gemäß

So wie es drei Wege gibt, sich auf einen Guru zu beziehen, gibt es drei Möglichkeiten, auf ihre oder seine Anweisungen zu reagieren, wenn sie dem Dharma widersprechen. Nach dem Vinaya sollten Sie, wenn ein Lehrer Ihnen eine nicht dem Dharma entsprechende Handlung aufträgt, seinen Rat ablehnen. Nach dem Paramitayana (dem Bodhisattva-Fahrzeug) sollten Sie einer Anweisung folgen, wenn sie mit dem buddhistischen Weg übereinstimmt. Nach dem Vajrayana (oder Tantrayana) sollte ein Schüler, wenn ein Guru eine Anweisung gibt, die nicht mit dem Dharma übereinstimmt, dieser nicht folgen und zum Lehrer gehen, um zu klären und zu erläutern, warum er dieser Anweisung nicht folgen kann. Dieser Rat kommt direkt vom Buddha und findet sich in den heiligen Schriften. Das gleiche gilt, wenn Sie der Auffassung sind, der Rat Ihres Lehrers sei unklug oder unweise, selbst wenn er den ethischen Maßstäben entspricht. Die Reinheit der Motivation des Lehrers reicht nicht aus: Seine Anleitung muss auch der Situation und der Kultur des Ortes gemäß sein.

Wenn der Guru sich weigert, Ihre Vorbehalte gegenüber seinen nicht dem Dharma entsprechenden oder unklugen Weisungen zu akzeptieren und Sie rausschmeißt – packen Sie Ihre Taschen und gehen. Ihr Guru kann Ihnen sagen, dass Sie sich körperlich zu entfernen haben, aber er kann Ihren Geist nicht zwingen, den Dharma zu verlassen.

Auf der Ebene unserer persönlichen spirituellen Praxis ist es wichtig, für unseren Guru Vertrauen und Ehrfurcht zu haben und ihn in einem positiven Licht zu sehen, um spirituellen Fortschritt zu erreichen. Aber auf der Ebene des Buddhismus allgemein in der Gesellschaft ist es Gift, alle Handlungen einer Lehrerin oder eines Lehrers als perfekt anzusehen, und kann missbraucht werden. Diese Haltung verdirbt unsere gesamte Lehre, indem sie den Lehrern freie Hand gibt, sich unangemessene Vorteile zu verschaffen. Wenn der Glaube ausreichte, um Verwirklichungen zu erlangen, wären qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer nicht notwendig. Dann hätte der Buddha die Qualifikationen eines Vinaya-, Paramitayana- oder tantrischen Gurus nicht auflisten müssen.

Seit ich angefangen habe, andere zu unterrichten, habe ich hart gearbeitet, darum muss ich mich nicht auf einen solchen Freifahrtschein verlassen, dass ich anderen sage, sie sollten alle meine Handlungen als rein ansehen. Wenn ich einen Fehler mache, sollen die Leute es als einen Fehler sehen und offen sagen. Manche Menschen mögen diese Haltung als rebellisch ansehen, aber wenn wir alle in Übereinstimmung damit gehandelt hätten, hätten wir heute weniger Probleme.

„Der Buddha war immer demütig“

Der Buddha war immer demütig, und er ist unser Guru. Er arbeitete sehr hart auf dem Weg – einfach leben und ständig üben. Viele Leute denken heute, sie seien privilegierter als der Buddha selbst und müssten nicht so handeln, wie er es tat. Tatsächlich steht niemand über dem Buddha, und wir sollten dem Beispiel des Buddhas folgen.

Ich habe viele Lehrer gehabt und ich kann nicht akzeptieren, alle ihre Handlungen als rein anzusehen. Meine beiden Regenten, die unter meinen sechzehn Lehrern waren, bekämpften einander in einem Machtkampf, der sogar die tibetische Armee involvierte. Wenn ich auf meinem Meditationskissen sitze, fühle ich, dass beide freundlich zu mir waren, und ich habe tiefen Respekt für beide von ihnen. Ihre Kämpfe sind gleichgültig. Aber als ich mit dem befassen musste, was in der Gesellschaft los war, sagte ich zu ihnen: „Was ihr tut, ist falsch!“ Wenn wir so handeln, sollten wir keinen Loyalitätskonflikt empfinden. In unserer Praxis können wir das Verhalten des Gurus als das eines Mahasiddha ansehen (4) und im Umgang mit der Gesellschaft dem allgemeinen buddhistischen Ansatz folgen und sagen, dass dieses Verhalten falsch ist.

Was im besten Interesse des Buddhadharmas ist, ist viel wichtiger als alles, was einen einzelnen Guru betrifft. Zögern Sie deshalb nicht, wenn es notwendig ist, einen Guru zu kritisieren, um den Buddhadharma zu retten oder zum Wohl mehrerer hundert Schülerinnen und Schülern zu handeln. Danach können Sie zu dieser Lehrerin oder diesem Lehrer gehen und erklären, dass Sie mit einer reinen Motivation gehandelt haben. Wenn der Guru wütend wird, ist dies ein weiterer Hinweis auf seine Mängel.

Die heiligen Schriften sagen, dass wir niemanden kritisieren sollten, weil wir nicht sicher sein können, wer ein Bodhisattva ist und wer nicht ist. In diesem Zusammenhang kann Mao als Bodhisattva angesehen werden und wir kritisieren ihn nicht. Das spielt sich auf einer privaten Ebene ab, so sehen wir es in unserem eigenen Kopf. Aber in Bezug auf die tibetische Unabhängigkeit kann ich nicht sagen, dass Mao gut war, weil er unsere Religion und unser Land zerstört hat! Das muss ich offen so sagen! Es gibt zwischen diesen beiden Perspektiven keinen Konflikt.

Wenn Sie eine Person bislang noch nicht als Ihren Guru angenommen haben und Sie über ihr missbräuchliches Verhalten informiert werden, dann können Sie die Beziehung beenden. Wenn Sie bereits tantrische Einweihungen von dieser Person erhalten haben, vermeiden Sie es, Respektlosigkeit oder Antipathien zu entwickeln. In solchen Fällen rät uns das Kalachakra-Tantra, eine neutrale Haltung einzuhalten und die Beziehung nicht weiter zu verfolgen. Sie können Ihre Distanz behalten, während Sie diese Person immer noch als Ihren Guru betrachten, weil sie Ihnen in der Vergangenheit dharmisch geholfen hat.

Wenn jemand Schülerin oder Schüler eines missbräuchlichen Lehrers ist und Sie sehen, dass ihre oder seine Beziehung zu diesem Lehrer schädlich ist, sollten Sie diese Schülerin oder diesen Schüler warnen. Aber wenn diese Beziehung nicht schädlich ist, dann sollten Sie die Angelegenheit auf sich beruhen lassen. Der Schlüssel dazu, ob Ihre Handlung, einen Schüler von seinem Lehrer getrennt zu haben, negatives Karma erzeugt, ist Ihre Motivation. Handlungen, die von einer wütenden, beurteilenden Haltung motiviert werden, sind zu vermeiden, während solche, die auf Mitgefühl und Toleranz beruhen, gut sind.

Wenn asiatische Lehrer Druck auf Westler ausüben, für ihre Klöster zu Geld zu sammeln oder zu spenden, müssen Sie genau unterscheiden. In einigen Fällen, in denen es einen legitimen Bedarf gibt und die Gelder den Menschen zugute kommen und nicht nur dem Bau eines großen leeren Gebäudes dienen, ist es gut zu helfen, wenn Sie können. Aber wenn solche Mittel für andere Zwecke verwendet werden, wie zum Beispiel dem Kauf von Schmuck für Mitglieder der Lehrer-Familie, ist dies Korruption und damit zu kooperieren heißt nichts anderes, als den Lehrer zu verderben.

WBL: Es gibt einige Lehrerinnen und Lehrer, die eine tiefe Verwirklichung der Leere haben und deren ethisches Verhalten trotzdem viel zu wünschen übrig lässt. Wie kann man so eine solche Verwirklichung erreicht haben – und sich dennoch so verhalten?

SHDL: Probleme entstehen durch fehlende innere Kraft. Auch wenn eine Person den Dharma lehrt, kann es noch eine Lücke zwischen dem Dharma und ihrem Leben geben. Wenn es einen Widerspruch zwischen der scheinbar hohen Verwirklichung einer Person und ihrem ethischen Verhalten gibt, so kann diese Verwirklichung nicht so hoch sein, wie sie scheint. Obwohl die Fähigkeit, in einspitziger Konzentration oder in einem nicht-begrifflichen Zustand zu bleiben, eine Verwirklichung ist, reicht dies nicht sehr tief. Es ist keine Verwirklichung der Leere, der ultimativen Natur.

Die Menschen können irren in ihrer Art, über Leere zu meditieren. Manche gehen fälschlicherweise in das Extrem, Ursache und Wirkung zu negieren. In dem Fall ist ihre „Verwirklichung“ der Leere falsch. Andere meditieren über einen nicht begrifflichen Zustand und verwechseln ihn mit Leere. Oder ihre Meditation wird durch subtile Dumpfheit beeinflusst, und das ist falsch für die Verwirklichung. Dies geschieht, wenn man die möglichem Fallstricke bei der Meditation und die Gegenmittel nicht ausreichend studiert hat.

Das richtige Verständnis von Leere – Konsequenzen gehören dazu

Leere ist nicht Nichts. Auf der einen Seite ist eine Sache leer; auf der anderen Seite entsteht sie abhängig. Leere heißt nicht leer von jeglicher Existenz, sondern leer von unabhängiger Existenz. Also muss sie von anderen Dingen abhängen. Es ist wichtig sicherzustellen, dass man das richtige Verständnis von Leere hat. Diejenigen, die Leere richtig als abhängiges Erscheinen verstehen, wissen: Wenn sie sich schlecht benehmen, müssen sie sich den Konsequenzen stellen. Darum halten sie sich fern von unethischem Verhalten.

Wir haben eine positive und eine negative Selbstwahrnehmung. Die Verwirklichung der Leere zerstört die negative, nicht die positive. Ohne starken Willen sind Bodhisattvas nicht in der Lage, ihre egozentrische Haltung zu konfrontieren und bekämpfen. Um diesen Willen zu entwickeln, bedarf es eines enormen Selbstvertrauens, und das ist die Sphäre der positiven Selbstwahrnehmung. Die negative Selbstwahrnehmung wirkt ohne gesunde Vernunft, nur auf der Basis von „Ich will das oder jenes“, und das ist zu beseitigen. Die positive Selbstwahrnehmung wirkt dagegen auf Grund der Vernunft, und damit können wir das Vertrauen entwickeln, das notwendig sein wird, um Negativitäten zu überwinden.

Deshalb missverstehen Sie das nicht und denken Sie nicht, dass die Verwirklichung von Selbstlosigkeit Sie schwach macht. Eine tatsächliche Verwirklichung sollte eine Veränderung in Ihrem Leben herbeiführen. Das Zeichen dafür, dass Sie den Lehren wirklich zugehört haben, ist, dass Ihr äußeres Verhalten ruhig wird. Das Zeichen dafür, dass Sie die Lehre aufgrund von Erfahrung begriffen haben, ist, dass Ihre Leiden beseitigt sind. Wenn Sie richtig über Leere meditieren, werden Ihr Mitgefühl und die ethische Selbstdisziplin auf natürliche Weise wachsen. Wenn Sie dreißig oder vierzig Jahre meditiert haben und Sie diese Ergebnisse nicht erhalten, ist etwas mit Ihrer Praxis nicht richtig und die Zeit wurde verschwendet. Dies liegt an einem fehlenden korrekten Studium zu Beginn. Bevor wir uns einer umfangreichen Meditation widmen, ist es wichtig zu lernen, wie man richtig meditiert: Was sind die Hindernisse für eine perfekte Konzentration? Was sind die Gegenmittel? Was ist mit „Leere“ gemeint und wie gehen wir damit um, wenn wir sie in der Meditation wahrnehmen? Was sind die breiteren Implikationen der Leere in unserem täglichen Leben? Wenn wir alles das von qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern gelernt haben, dann wird unsere Meditationspraxis reibungsloser verlaufen und gute Ergebnisse bringen.

Hindernisse werden in Stufen überwunden, nicht alle auf einmal. Das erste Mal beseitigen Sie tatsächlich einen Teil davon auf dem Pfad des Sehens, wenn Sie eine direkte, nicht begriffliche Wahrnehmung der Leere erfahren. Wenn Sie vor diesem Stadium auf Umstände stoßen, die Leiden hervorrufen, müssen Sie ethische Selbstdisziplin anwenden, um zu verhindern, dass diese Einstellungen sich als negatives Verhalten manifestieren. Um eine solche Selbstbeherrschung zu entwickeln, sind zwei Faktoren entscheidend – ein Gefühl der persönlichen Integrität und die Sorge um andere. Buddhistischen Lehrerinnen und Lehrern, die sich falsch verhalten, mangelt es an diesen beiden Faktoren; sie kümmern sich nicht um die Konsequenzen ihres Handelns für sich selbst oder andere. Darum ist es hilfreich, hier als Dharma-Freundin oder -Freund offen zu sprechen und seine Missbilligung auszudrücken. Dies kann der Lehrerin oder dem Lehrer helfen, ein Gefühl persönlicher Integrität und Rücksicht für andere zu entwickeln, war ihr destruktives Verhalten einschränken wird.

Die Macht des Feindes nicht unterschätzen

Der Geist ist so komplex und Leiden sind so vielfältig und mächtig, dass eine einzige Praxis allein nicht alle negativen Zustände vollständig beseitigen kann. Deshalb hat der Buddha eine komplexe Strategie zur Überwindung von Leiden entwickelt. Wenn wir uns in einem Kampf befinden und die Macht unseres Feindes unterschätzen, geraten wir in große Schwierigkeiten. Ebenso dürfen wir in der Dharma-Praxis die Macht unserer Leiden nicht unterschätzen.

Manche Traditionen oder Menschen sprechen von hoher Praxis und einem direkten Weg. Obwohl dies für einige besondere Menschen ausreichend sein kann, ist es für die meisten nicht so. Manche Leute sprechen sehr abgehoben, aber wenn in ihrem gewöhnlichen Leben etwas Irritierendes passiert, sind sie unvorbereitet und können nicht damit umgehen. Deshalb bevorzuge ich im Allgemeinen den graduellen Weg.

WBL: Viele Schülerinnen und Schüler haben Angst, die Samaya zu brechen – die Verpflichtung und Bindung an ihren Guru – wenn sie offen über das sprechen, was sie als Missbrauch wahrnehmen. Zerstört das missbräuchliche Verhalten eines Lehrers die Samaya so, dass eine Schülerin oder ein Schüler daraus entlassen ist?

SHDL: Ich weiß es nicht. Obwohl der Guru in gewissem Sinne die Samaya gebrochen hat, erlaubt dies dem Schüler nicht, sie seinerseits zu brechen. Wenn der Guru tötet, bedeutet nicht, dass ich das auch tun kann! Wir sollten keine schlechten Beispiele nachahmen! Wir sollten die in der Welt übliche Sichtweise dessen, was richtig und was falsch ist, respektieren. Vorhin sprach ich von der Situation mit meinen beiden Regenten. Obwohl ich tiefen Glauben und Respekt für meine Lehrer habe und sie als geistig hochstehende Wesen betrachte, habe ich nicht gezögert, ihr Verhalten zu kritisieren, weil diese Handlungen falsch waren, egal wer sie tat. Ich habe nicht aus Hass oder Respektlosigkeit gesprochen, sondern weil ich den Buddhadharma liebe – und ihre Handlungen wandten sich dagegen.

Es ist wichtig, zwei Dinge zu unterscheiden: die Person und ihre Handlung. Wir kritisieren die Handlung, nicht die Person. Die Person ist neutral: Er oder sie will glücklich sein und das Leiden überwinden, und sobald das negative Handeln aufhört, wird er oder sie ein Freund. Der Unruhestifter sind das Leiden und die Handlungen. Sich gegen eine Handlungsweise auszusprechen, bedeutet nicht, dass wir die Person hassen. Zum Beispiel bekämpfen wir Tibeter chinesische Ungerechtigkeit, aber das bedeutet nicht, dass wir gegen die Chinesen als Menschen sind, nicht einmal gegen die diejenigen, die rücksichtslos sind. In der Meditation versuche ich, für diese Menschen ein echtes Mitgefühl zu entwickeln.

Entsprechend können wir die missbräuchlichen Handlungen oder negativen Qualitäten eines Lehrers kritisieren, während wir ihn gleichzeitig als Person respektieren. Es gibt dann immer noch einige wertvolle Aspekte des Gurus. Eine falsche Handlung zerstört nicht all seine guten Eigenschaften. Wenn Sie auf diese Weise kritisieren, besteht nicht die Gefahr, als Resultat davon in der Hölle wiedergeboren zu werden. Die Motivation ist der Schlüssel: Aus Hass oder dem Wunsch nach Rache zu sprechen ist falsch. Wenn wir aber wissen, dass ein schlechtes Benehmen weitergehen wird, wenn wir nicht offen sprechen, und dass dies dem Buddhadharma schaden wird und wir schweigen trotzdem – dann ist das falsch.

WBL: Im Westen gibt es viele Diskussion über die Angemessenheit sexueller Beziehungen, wenn die beiden Beziehungspartner nicht dieselbe Macht oder denselben Status haben. Was ist Ihre Meinung dazu: Gibt es Situationen, in denen sexuelle Beziehungen zwischen einem buddhistischen Lehrer und seiner Schülerin oder seinem Schüler angemessen sein könnten?

SHDL: Es kann vorkommen, dass eine unverheiratete Lehrerin oder ein unverheirateter Lehrer während des Unterrichts eine unverheiratete Schülerin oder einen unverheirateten Schüler trifft. Wenn sich die Beziehung auf eine normale Art und Weise in gegenseitigem Einvernehmen und gegenseitigem Respekt entwickelt und sie sich entscheiden zu heiraten, ist es gut. Wenn zwei Menschen in einer Beziehung einander gleich behandeln, gibt es keinen Unterschied in Macht oder Status während des Geschlechtsverkehrs. Der Lehrer ist dann nicht auf Thron! Wenn allerdings der Lehrer diesen Monat mit der einen Schülerin zusammen ist und im nächsten Monat mit jemand anders, ist das nicht richtig. Es ist auch falsch, sexuellen Kontakt zu erzwingen. Genauso falsch ist es, die Idee von Dakinis zu missbrauchen, indem Lehrer Dinge sagen wie „Sie haben Anzeichen einer qualifizierten Dakini“ oder einem Schüler schmeicheln „Sie haben ein sehr großes Dharma-Potenzial“. Frauen sollten keine Angst haben, nein zu sagen!

WBL: Im Westen denken viele berufliche Dharma-Lehrerinnen und -Lehrer intensiv  über Methoden nach, mit denen sie Fällen von Missbrauch begegnen können. Gibt es asiatische Methoden zum Umgang mit Missbrauch und zur Unterstützung der beteiligten Parteien?

SHDL: Mönche, die eines der vier Wurzel-Gelübde gänzlich übertreten – also das Töten von Menschen aufzugeben, ebenso den Diebstahl wertvoller Gegenstände, den Geschlechtsverkehr (heterosexuell oder homosexuell) und das Lügen über den eigenen geistigen Fortschritt –, müssen das Kloster verlassen und sind nicht mehr ordiniert. Abgesehen davon kenne ich keine institutionalisierten Methoden für den Umgang mit anderen Fällen.

Alle Formen des Missbrauchs verletzen allgemeine buddhistische Grundsätze. Wenn eine Person nicht einmal auf die Anweisungen des Buddhas hört, ist es zweifelhaft, dass sie gewöhnlichen Menschen wie uns zuhören wird. Vorhin habe ich vorgeschlagen, dass Schülerinnen und Schüler – wenn ein Lehrer eindeutig unethisch handelt und sie versucht haben, mit dem Lehrer zu diskutieren, dies aber ohne Ergebnis geblieben ist – nur noch die Möglichkeit haben, die Angelegenheit innerhalb der Gemeinschaft öffentlich zu machen. Ich nehme an, der Lehrer wird sich daraufhin schämen, peinlich berührt fühlen und beschließen, sein Verhalten zu verändern. Ich begrüße Ihre Ideen zu diesem Thema.

Manche Menschen geben fast ihren Glauben und Respekt für den Buddha auf, wenn sie von einem buddhistischen Lehrer sexuell missbraucht werden. Das macht mich sehr traurig. Wenn man erklärt, dass sich solche Handlungen gegen allgemeine buddhistische Grundsätze richten, nehmen ihre Zweifel am Buddha und am Dharma ab. Wie bereits erwähnt: Wenn ein Lehrer Anweisungen gibt, die dem Weg widersprechen, sollten Sie ihnen nicht folgen. Sollte jemand schriftliche Quellen sehen wollen, um diesen oder andere Punkte zu belegen, können wir sie beibringen.

Als Buddhistinnen und Buddhisten muss unsere Motivation klar und aufrichtig sein. Weil es in den entwickelten Ländern eine starke Krise gibt, müssen wir erklären, was angemessenes Verhalten nach dem Dharma ist und müssen auch selbst danach leben. Wir erfinden ja keine ethischen Verhaltensgrundsätze und zwingen sie anderen auf: Der Buddha selbst hat dies so beschrieben und die verschiedenen Gelübde etabliert. Als aufrichtige Anhängerinnen und Anhänger des Buddha erinnern wir uns und andere einfach an das, was der Buddha gesagt hat. Wenn jemand dem nicht folgen will, dann ist das sein gutes Recht. Aber wenn jemand den Buddha als Lehrer betrachtet, ist es wichtig, die ethischen Prinzipien des Buddhas zu respektieren.

ANMERKUNGEN

  1. Der tibetische Buddhismus spricht von drei Arten der Praxis: Vinaya, Mahayana und Vajrayana (Tantrayana). In der Vinaya-Praxis (das Wort „Vinaya“ wird hier in einem allgemeineren Sinne verwendet) sucht man Befreiung vom Kreislauf der Wiedergeburten. Um dies zu bewirken, nimmt man Zuflucht zu den drei Juwelen, versucht, die zehn destruktiven Verhaltensweisen zu vermeiden und nimmt Gelübde als Laienschüler oder als ordinierter Schüler des Buddha an. Die Laienverpflichtungen umfassen die fünf Laiengelübde, und die Verpflichtungen der oder des Ordinierten umfassen die Novizengelübde sowie die der Vollordination. In der Mahayana- oder der Paramitayana-Praxis sucht man die volle Erleuchtung, um anderen am besten helfen zu können. Um dies zu verwirklichen, nimmt man die Bodhisattva-Gelübde an und praktiziert die sechs Paramitas (die sechs Vollkommenheiten oder befreienden Handlungen) – Großzügigkeit, Ethik, Geduld, freudige Anstrengung, Konzentration und Weisheit. Das Vajrayana ist ein Zweig des Mahayana und so ist die Motivation gleich: Man möchte in der Lage sein, anderen am besten zu dienen, und darum ein voll erleuchteter Buddha werden. Es gibt verschiedene Tantra-Klassen, die alle die Einweihung in die Praktiken der Meditationsgottheiten beinhalten. In den höheren Klassen des Tantra nimmt man die tantrischen Gelübde. Das Vajrayana hat spezielle Meditationstechniken wie die Visualisierung der eigenen Person als Buddha-Figur und die Arbeit mit den subtilen Energien des Körpers und den subtilen Ebenen des Geistes. Die Praxis des Vajrayana basiert auf der Praxis des Mahayana, und das wiederum basiert auf der Praxis des Vinaya. Weil es diese drei Arten von Praxis gibt, gibt es drei Arten von Lehrern – mit verschiedenen Qualitäten, nach denen man in ihnen sucht – und verschiedene Arten von Beziehungen zu diesen Lehrern. Die hier beschriebene Struktur mag nicht der Sichtweise aller buddhistischen Traditionen entsprechen, doch spricht Seine Heiligkeit hier vom Standpunkt des Vajrayana, wie es in Tibet praktiziert wird.
  2. Auf sehr hohen Ebenen des Weges, wenn eine Person eine direkte, nicht begriffliche Verwirklichung der Leere hat und alle Vorstellungen von einem unabhängigen Wesenskern überwunden hat, sieht diese Person Phänomene nicht mehr in derselben gewöhnlichen, dualistischen Weise, wie wir normale Menschen sie sehen. Wenn solch ein Mensch also Urin, Alkohol und so weiter zu sich nimmt, reagiert er nicht wie wir, sondern betrachtet diese Dinge aus einer reinen Perspektive.
  3. Seine Heiligkeit spricht hier vom allgemeinen Standpunkt des Sutra-Pfades. Im Tantra-Pfad wird Alkohol zeitweise in bestimmten Ritualen verwendet. Weil die tantrische Meditation sich mit der Überwindung und Verwandlung gewöhnlicher Erscheinungen und dem Begreifen des Gewöhnlichen beschäftigt, wird der Alkohol durch die Kraft der eigenen Meditation in eine reine Substanz verwandelt, und mit diesem Bewusstsein kann er geschmeckt werden. Es wird empfohlen, dass Menschen, denen tantrische Erkenntnisse fehlen, nur eine kleine Menge während des Rituals zu sich nehmen. Allerdings können Menschen mit hoher Verwirklichung Alkohol zu sich nehmen, ohne dass er ihre Achtsamkeit oder die Klarheit ihres Geistes beeinträchtigt.
  4. Ein Mahasiddha ist ein hoch realisierter tantrischer Praktizierender, der bisweilen unkonventionell handeln kann. Obwohl das Verhalten nicht mit sozialen Normen übereinstimmen mag, sind die Motivation, die Verwirklichung und die Handlungen rein.

Aufgezeichnet und zur Publikation freigegeben von Bhikshuni Thubten Chödrön, bei der auch das Copyright liegt. Sie wird voraussichtlich im März 2018 ein Buch publizieren mit dem Titel „The Foundation of the Buddhist Path“, in dem es auch um die Beziehung zwischen buddhistischen Lehrer/inn/en und Schüler/inn/en gehen wird. 

Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch: Susanne Billig

Der Weg zur inneren Weisheit – Gedanken zum Lehrer-Schüler-Verhältnis im Dharma

„Das Lehrer-Schüler-Verhältnis benötigt ein schützendes Feld von gegenseitigem Vertrauen, Offenheit sowie eine klare Ethik und günstige Rahmenbedingungen“ – ein Beitrag von Lisa Freund zum Thema Ethik in der Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden im Buddhismus.

Jeder, der in unserer postmodernen, wissenschaftsgeprägten, materialistisch orientierten Leistungsgesellschaft einen spirituellen Weg geht, tut das innerhalb dieser Gesellschaft. Jede von uns bringt ihre eigene Biografie mit. Diese enthält individuelle Prägungen, die typisch sind, für die Generation, der wir angehören. Wir tragen die Spuren der Welt in uns, in der wir erzogen wurden.

Auf dem buddhistischen Weg begegnen wir nun der Kraft der jahrtausendealten Lehre des Buddhas. Wir hören Belehrungen von asiatischen Lehrern, die aus ganz anderen sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Traditionen zu uns kommen und folgen ihren Anweisungen. Wir studieren die Schriften, üben Meditation und versuchen, eine für uns stimmige Praxis zu entfalten.

Oft übernehmen wir in unseren Dharma-Organisationen unhinterfragt Strukturen und Umgangsformen, die in Asien, z. B. Tibet, entwickeln wurden und hierarchisch, autoritär und patriarchalisch geprägt sind. Wir übernehmen sie, obwohl wir hier im Westen der Agrargesellschaft mit ihrer Ständeordnung schon seit Jahrhunderten entwachsen sind. Die spirituellen Lehrer sind nicht nur unsere Vorbilder, sondern wir überhöhen sie zu Übervätern/-müttern, machen sie zu Idolen, auf die wir all unsere Hoffnungen und Wünsche projizieren. So müssen wir nicht selbst die Verantwortung übernehmen. Wir stehen noch ganz am Anfang, einen mittleren Weg im Umgang mit dem Dharma und den Lehrern zu entwickeln, einen Weg, der zu uns und in unsere Kultur passt und eine moderne Interpretation der Lehren beinhaltet. Dazu benötigen wir die freie Diskussion, das gemeinsame Suchen nach Problemlösungen. Der Reichtum der buddhistischen Lehren ist es wert, einen offenen Umgang auch mit heiklen Themen zu wagen, z. B. das Lehrer-Schüler-Verhältnis betreffend.

Ich halte es, auch aus meinen eigenen Erfahrungen heraus, für wichtig, dass am Dharma Interessierte Kriterien für die Auswahl eines Lehrers an die Hand bekommen. Wir sollten auch wissen, wie Projektionen funktionieren und eigene neurotische Muster aktiviert werden oder ein Autoritätsmissbrauch stattfindet und wie wir uns davor schützen können. Wir brauchen Ansprechpartner, die uns in einer Krise mit einem Lehrer ernsthaft zuhören und respektieren sowie angemessene Formen der Konfliktklärung und Poblemlösungsstrategien.

Buddhas Worte zur Überprüfung des Lehrers

Das Lehrer-Schüler-Verhältnis benötigt ein schützendes Feld von gegenseitigem Vertrauen, Offenheit sowie eine klare Ethik und günstige Rahmenbedingungen. Der Buddha gibt dazu zahlreiche Hinweise, z. B. in einer Lehrrede, in der Mönche ihn fragen, wie man herausfinden könne, ob ein Lehrer vollständig erwacht sei. Der Buddha antwortet, man solle die Geisteszustände des Lehrers mit Hilfe der eigenen Augen und der Ohren überprüfen. „Am Tathagata sind weder durch das Auge noch durch das Ohr Zustände wahrzunehmen, die auf verunreinigte Geisteszustände hinweisen.“ (MN 47: Vimamsaka Sutta, 4-5) Weiter sagt der Buddha: „Der Ehrwürdige ist selbstbeherrscht, ohne Angst, ist nicht von Angst beherrscht, und er vermeidet das Schwelgen in Sinnesvergnügen, weil er aufgrund der Vernichtung der Begierde frei von Begierde ist.“ (MN 47: Vimamsaka Sutta, 9) Und ein Mönch erläutert: „Weil der Erhabene mich den Dhamma auf solche Weise lehrte, kam ich in eben diesem Dhamma durch direkte Einsicht in eine bestimmte Lehre zu einem Schluss über die Lehre.“(MN 47: Vimamsaka Sutta, 15) Ein Lehrer oder aber die Lehre des Buddha selbst initiiert im Schüler Erkenntnisprozesse, die auf direkter Einsicht beruhen. Der Schüler reflektiert und kommt zu eigenen Schlussfolgerungen.

Eigenverantwortlichkeit zählt

Wir können den Lehrer prüfen, annehmen und dazu autorisieren, uns auf dem spirituellen Weg zu begleiten. Den Weg gehen müssen wir selbst. Dzogchen Ponlop Rinpoche vergleicht in seinem Buch Der große Augenblick den Lehrer mit einem Wecker: „Normalerweise ist unser Guru, unser spiritueller Freund, der uns auf dem buddhistischen Pfad leitet. Da dies so ist, haben wir immer das Gefühl, einen Bezugspunkt zu haben und gesegnet zu sein. Das ist aber nicht so zu verstehen, als hätte unser Lehrer völlige Macht über uns. Ein Lehrer kann uns nicht aus Samsara befreien. Der Lehrer auf der Sutrayana-Stufe ist mit einem Wecker vergleichbar. Man muss sich anstrengen, um an einen solchen Wecker heranzukommen und den Alarm für den richtigen Zeitpunkt aktivieren. Wenn der Wecker dann am Morgen klingelt, hat man die Wahl aufzustehen oder weiterzuschlafen. Es liegt in der eigenen Verantwortung, ob man die Schlummertaste drückt oder aufsteht. Die Einstellung zum Lehrer sollte möglichst ausgewogen sein. Ein Lehrer oder spiritueller Freund ist auf dem Pfad sehr wichtig, er ist aber nicht Gott. Man muss sich also selbst anstrengen.“

Lehrerrolle im tantrischen Buddhismus (Vajrayana)

Tantrische Lehren, die etwa 1300 Jahre nach Buddhas Tod vor allem in Tibet Eingang in die buddhistischen Lehren fanden, vermitteln ein ganz anderes Lehrer-Schüler-Verhältnis. Der Lehrer wird zum Guru, dem der Schüler sich vollständig unterordnet. Der Buddha selbst spricht nicht von Guru, stattdessen betont er, dass der Schüler seinen inneren Weg mit Hilfe des Lehrers selbstständig gehen soll.

Das Verhältnis zum Lehrer, den man als Guru visualisiert, ist vergleichbar mit der Beziehung eines Arztes zu einem Patienten, der verzweifelt um Heilung einer lebensbedrohlichen Erkrankung bittet. Im Idealfall ist der Guru erleuchtet. Die Handlungen des Meisters, seine Unterweisungen, dienen dazu, den Schüler in die Natur des Geistes einzuführen, was manchmal wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel geschieht. Das kann geschehen, indem der Geist des Schülers mit dem Weisheitsgeist verschmilzt, in dem der Lehrer ruht. Der Lehrer ist in diesem Fall die Brücke zum Weisheitsgeist. In diesem Übertragungsprozess, in dem man eins wird mit dem Weisheitsgeist, verbindet man sich nicht mit der Persönlichkeit des Lehrers oder seinen Fehlern, sondern mit dem was dahinter liegt, dem Feld reiner Wahrnehmung, der Buddhanatur, die zugleich die Natur von allem ist. Deshalb gibt es die Anweisung, menschliche Schwächen, die man am Meister entdeckt, zu ignorieren. Die Aufmerksamkeit auf Fehler des Meisters zu fixieren, fördert die Unreinheit der eigenen Wahrnehmung, da sie Wertungen, verbunden mit Anhaftung und Abneigung provoziert. Die reine Wahrnehmung ist nicht dualistisch nicht wertend, allumfassend.

„Das Tantra vertritt eindeutig die Auffassung, dass der Geist König ist, dass die innere Haltung ausschlaggebend ist. Betrachten wir den Guru als Durchschnittsmenschen, dann werden wir die Segnungen eines Durchschnittsmenschen erhalten. Wenn wir ihn aber als Buddha ansehen, dann wird er für uns als Buddha handeln und unsere Beziehung zu ihm wird rasch zur Erleuchtung führen.“ (Vessantara)

Die Hingabe an den Guru wird manifestiert in einem Bündnis, das Samaya genannt wird und mindestens so bindend ist wie das Bündnis zwischen dem Meditierenden und der Buddha- oder Bodhisattvafigur, die er visualisiert. Der Meditierende gliedert sich ein in die Übertragungslinie des Guru und erhält ihren Segen.

„In den Mahamudra-Belehrungen heißt es,  dass das Mitgefühl des Guru und der Buddhas gleich seien – es gibt da keinen Unterschied … Je intensiver die Sonne der Hingabe erstrahlt, desto stärker fließt der Segensstrom. … Hingabe ist der Pfad, und Hingabe ist zugleich die Verwirklichung. Hingabe ist Erfahrung, und Hingabe ist das Ergebnis.“ (Dzogchen Pönlop).

Hingabe basiert im Wesentlichen auf dem unerschütterliche Glauben an das eigene erleuchtete Herz. Aus diesem Raum heraus richtet man sein Bewusstsein vollkommen auf den Geist des Guru aus. Es kommt zu einer Geist-zu-Geist-Verbindung oder einen Übertragungsprozess. Die Persönlichkeitsmerkmale des Lehrers sind dabei unwesentlich. Was sich auflöst, ist die dualistische Wahrnehmung, und was zählt, ist die Übertragung des Weisheitsgeistes.

In diesem Prozess können enorme psychische Kräfte aktiviert werden. Ein Lehrer, der im Weisheitsgeist ruht, kann den inneren Schatten und Dämonen der Schüler entgegentreten, sie unterwerfen oder transformieren und so die Tür zur Natur des Geistes öffnen. Damit einher gehen tiefgreifende innere Erfahrungen. Das ist kein Spaziergang. Dies sollte man im Auge haben und therapeutische Hilfe suchen, wenn Neurosen oder Ängste aktiviert werden, die den Schüler zu überschwemmen drohen. Sie blockieren den Zugang zur Buddahanatur, liegen wie ein dunkle Wolke darüber.

Es gibt Lehrer, die die Essenz der Lehren durch reine Präsenz ausstrahlen. Sie können aus einem Telefonbuch vorlesen oder einfach schweigen und doch dabei den Weisheitsgeist übertragen, wenn der Schüler dazu bereit ist.

Bei der Geist-zu-Geist-Übertragung kommt es leicht zu Missverständnissen, nicht zuletzt, weil wir gerne mit unserer neurotischen Seite am Lehrer andocken, und zwar mit unseren Sehnsüchten und Projektionen. Ethisches Verhalten auf beiden Seiten, der Schüler- und Lehrerseite, ist hierbei von Bedeutung.  Das heißt auch, dass man sich an Regeln, Konventionen hält. Der Dalai Lama sagt dazu:

„Historisch war es so, dass einige buddhistische Heilige, obwohl sie sich auf seltsame Weise ethisch verhalten haben, voll realisierte Wesen waren und wussten, was auf lange Sicht dem Wohle anderer diente. Aber heute ist solches Verhalten schädlich für den Dharma und muss gestoppt werden. Obgleich die eigenen Verwirklichungen denen jener göttlichen Wesen gleichen mag, muss das Verhalten den Konventionen entsprechen. Wenn jemand sagt, dass jedes Verhalten akzeptabel sei, da jeder die Buddhanatur besitze, oder dass Lehrerinnen und Lehrer moralischen Vorschriften nicht zu folgen brauchten, zeigt dies, dass sie die Leerheit oder Ursache und Wirkung nicht korrekt begreifen.“

Meine eigene Suche

Auf der Suche nach Befreiung und einem spirituellen Lehrer, der mich durch das Labyrinth meiner alltäglichen Verwirrung führt, stieß ich in den 80 er Jahren auf Buddhas Lehre im tibetischen Gewand. Ich suchte nach einem lebenden Buddha, ruhend im Erleuchtungsgeist. Er sollte ethisch vollkommen sein und zugleich ein spiritueller Freund und Wegbegleiter. Mein Buddha sollte mich dort abholen, wo ich stehe, an die Hand nehmen, meinem störrischen Ego die rote Karte zeigen. So erblühte auf dem Boden meines sehnsüchtigen Verlangens nach Erleuchtung in meinem Geist die Projektion des idealen Meisters.

Als ich einen Lehrer treffe, für den mein Herz entflammt, projiziere ich auf ihn meine Hoffnungen und Wünsche. Ich übergebe ihm die Verantwortung für meinen spirituellen Weg; entscheide, zu tun, was er sagt, um schnell erleuchtet zu werden. Das halte ich für Demut. Ich rezitiere tibetische Texte und vollziehe Rituale, die ich nicht verstehe, folge seinen Anweisungen oder rebelliere gegen ihn wie ein Kind gegen die Eltern aufbegehrt. Mal ist er der böse Vater, dann wieder die alles verzeihende Mutter oder der einzige, der mich wirklich liebt. Kein Partner hat eine Chance ihm gegen über. Mal bin ich eifersüchtig auf alle, die ihm nahe sind, dann wieder voller Kritik an seinem Verhalten oder ich liebe ihn dafür, dass er großartige Visionen hat.

So gerate ich in kuriose und vielschichtige Übertragungsprozesse. Und die Lehren? Sie sind mir wichtig, doch mehr Raum greift das innere Hin und Her mit dem Lehrer. Meine Projektionen auf den Lehrer lösen immer wieder emotionalen Aufruhr in mir aus. Ich erlebe die Erschütterung von antrainierten Verhaltensweisen und den Zerfall meiner Selbstbilder, also Persönlichkeitskrisen – ein emotional-spirituelles Knäul, das nur schwer zu entwirren ist.

Anders ist es, wenn ich für einen Moment in die Natur des Geistes eintauche. Dann wird alles still; Raum und Zeit lösen sich auf. Als Schülerin eines tantrischen Meisters bin ich in eine spirituelle Übertragung hineingewachsen, als ich mich mit dem Weisheitsgeist meines Meisters verbunden habe. Mein Lehrer wird in diesem Prozess zum Mittler zwischen Buddhas Lehre und meiner Buddhanatur. Unwichtig sind dabei seine Persönlichkeit oder sein Charakter, was zählt ist seine spirituelle Kompetenz. Wenn sich mein Geist für einen Moment öffnet, ist das ein Prozess, in dem mein Lehrer und ich keine Rolle mehr spielen. Beide lösen sich auf. So gelange ich von der persönlichen zu einer überpersönlichen Ebene, die über das Therapeutische hinaus geht und den Weg in die Befreiung vom Leiden weist. Dieser Prozess ist eine individuelle und zugleich universelle Erfahrung.

Die fatale Verwechslung von Hingabe mit Symbiose

Es ist Hingabe, basierend auf tiefem Vertrauen, die mich im oben beschriebenen Prozess trägt. Wo liegen die Grenzen zwischen der Hingabe an den Meister und der Aufgabe jeder Selbstverantwortung? Basierend auf der Erziehung und Gewohnheiten neigen viele Dharmaschüler dazu, den Guru als Partnerersatz, Ersatzvater oder –mutter zu sehen. So wird die Eigenverantwortung delegiert an den Lehrer, der eine Stellvertreterrolle bekommt und zusätzlich auf das Podest eines Heiligen gestellt wird. Man möchte, dass der Guru unfehlbar ist, anders als normale Eltern oder Partner, auch wenn es bei ihm ordentlich menschelt. Tatsächlich ist er vollkommen in seinem Wesen. Das gilt jedoch auch für den Schüler. Denn unsere wahre Natur ist nicht die Persönlichkeit, das Ego, sondern die Buddhanatur, die allen fühlenden Wesen innewohnt. Dennoch sind wir als Menschen, geplagt von Anhaftung und Abneigung, den Geistegiften und daher auf der samsarischen Ebene alles andere als vollkommen. Das gilt eben auch für einen Lehrer, der noch nicht vollständig im Weisheitsgeist ruht.

Körperlich, geistig oder seelisch missbrauchte Dharma-Schülerinnen rechtfertigen sich oft damit, dass der Lehrer ja zu ihnen gesagt habe, es sei ein Privileg, das zu tun, was er ihnen vorschreibe, beispielsweise Intimverkehr zu haben. Der Lehrer gibt vor, aus dem Weisheitsgeist heraus zu handeln. Das beschleunige die Befreiung des Egos und so werde die Schülerin schneller aus dem Kreislauf von Samsara befreit werden. Ja, wer soll beurteilen, was stimmt? Welche Maßstäbe soll die Schülerin anlegen? Sie hat Hingabe an den Lehrer entwickelt – nun wird diese eingefordert auf eine ganz praktische Art und Weise? Was ist richtig? Was ist falsch? Dazu sagt der Buddha einiges, der Dalai Lama aktualisiert es.

Profane Sexualität, die der akuten Bedürfnisbefriedigung dient, die letztlich ein Ausdruck von Begehren ist, das man ja gerade überwinden will, kann so zu einer privilegierten und bewusstseinserweiternden Handlung uminterpretiert werden. Die Schülerin erlebt eine Bewusstseinstrübung, da ihr Glaube und die Sehnsucht nach einer Verbindung mit dem Weisheitsgeist, sie blind macht für alles, was der Lehrer einfordert, z.B. Dienstleistungen, finanzielle Vorteile, Sexualität. Ein Lehrer, der von Gier beherrscht wird, hat ebenfalls eine Wahrnehmungsstörung. Das heißt beide leiden und tragen die Konsequenzen ihrer Handlungen. Eine Frage steht für mich noch im Raum: Wie steht es mit der Motivation aus der heraus der Lehrer und die Schülerin handeln? Was ist wenn beide es in ihrer Verblendung aufrichtig miteinander meinen?  Dalai Lama sagt 1993 dazu:

„Auf der Ebene unserer persönlichen spirituellen Praxis ist es wichtig, für unseren Guru Vertrauen und Ehrfurcht zu haben und ihn in einem positiven Licht zu sehen, um spirituellen Fortschritt zu erreichen. Aber auf der Ebene des Buddhismus und allgemein in der Gesellschaft ist es Gift, alle Handlungen einer Lehrerin oder eines Lehrers als perfekt anzusehen, das kann missbraucht werden. Diese Haltung verdirbt unsere gesamte Lehre, indem sie den Lehrern freie Hand gibt, sich unangemessene Vorteile zu verschaffen.“

In diesem Sinne benötigt der Schüler/die Schülerin einfach eine Portion gesunden Menschenverstand, wenn ein Fehlverhalten des Lehrers ansteht.

Wenn DharmaschülerInnen Hingabe lernen, benötigen sie einen geschützten Raum von Wertschätzung und Geborgenheit, in dem man sich in Würde begegnet. Wer mit dem eigenen spirituellen Lehrer Sexualität praktiziert, solange der Übertragungsprozess wirkt, kommt in eine Schräglage. Dies gilt auch, wenn die Schülerin oder der Schüler, sich nichts anderes wünscht als eine erotische Beziehung zum Lehrer und diese womöglich provoziert. Es gibt keine Augenhöhe in dieser Begegnung; es sei denn beide hätten eine reine Wahrnehmung. Der Schutzraum, den die Schülerin zur Entfaltung ihrer Buddhanatur benötigt, wird in der Regel aufgehoben, auch wenn das Gegenteil behauptet wird, weil die Rahmenbedingungen für eine gleichberechtigte Beziehung nicht da sind. Wissen sollte das nicht nur der Lehrer, die Lehrerin. Wer den folgenden Rat des Dalai Lama beherzigt, kann vermeiden in die Abhängigkeitsfalle zu tappen. Für mich hat das viel mit Zivilcourage auf Dharma-Niveau zu tun.

„So wie es drei Wege gibt, sich auf einen Guru zu beziehen, gibt es drei Möglichkeiten, auf ihre oder seine Anweisungen zu reagieren, wenn sie dem Dharma widersprechen. Nach dem Vinaya sollten Sie, wenn ein Lehrer Ihnen eine nicht dem Dharma entsprechende Handlung aufträgt, seinen Rat ablehnen. Nach dem Paramitayana (dem Bodhisattva-Fahrzeug) sollten Sie einer Anweisung folgen, wenn sie mit dem buddhistischen Weg übereinstimmt. Nach dem Vajrayana (oder Tantrayana) sollte ein Schüler, wenn ein Guru eine Anweisung gibt, die nicht mit dem Dharma übereinstimmt, dieser nicht folgen und zum Lehrer gehen, um zu klären und zu erläutern, warum er dieser Anweisung nicht folgen kann. Dieser Rat kommt direkt vom Buddha und findet sich in den heiligen Schriften. Das gleiche gilt, wenn Sie der Auffassung sind, der Rat Ihres Lehrers sei unklug oder unweise, selbst wenn er den ethischen Maßstäben entspricht. Die Reinheit der Motivation des Lehrers reicht nicht aus: Seine Anleitung muss auch der Situation und der Kultur des Ortes gemäß sein.“

Nährt nicht jede Person, die eine Symbiose fälschlicherweise für unbefangene Hingabe hält, die Macht bzw. Autorität falscher Gurus? Entstehen so nicht unsäglichen Täter-Opfer-Szenarien führen, die kontraproduktiv auf dem Weg zur Befreiung vom Leiden sind?  Die traurigen und erschütternden Handlungen von buddhistischen und anderen spirituellen Lehrern, die bisher an die Öffentlichkeit gekommen sind, weil sie gegen geltendes Recht verstoßen haben, offenbaren eine Misere. Von Seiten des Lehrers geht es um Machtmissbrauch. Unterschiedlichen Berichten von SchülerInnen, die einmal die Geliebten ihres Lehrers waren, ist zu entnehmen, dass sie jahrelang daran knapsen, diese Erfahrungen zu verarbeiten. Sie erkannten, dass die sogenannte Freiwilligkeit bei sexuellen Handlungen auf einem Autoritätsverhältnis gründete, das in Wirklichkeit eine Abhängigkeitsbeziehung war.

Dennoch, bei aller Kritik sollte eine mitfühlende Haltung sowohl den Lehrern, die so unnötiges Leiden schaffen, als auch den Schülern, die es erleben, unsere Grundhaltung sein. Es geht darum, Fehler einzusehen und Verhalten zu ändern, wieder gut zu machen, was an Schaden entstanden ist, um Einsicht und Versöhnung und vor allem um Ehrlichkeit. Konstruktive Kritik steht am Anfang dieser Entwicklung. Noch einmal der Dalai Lama hierzu:

„Wenn man die Lehren klar präsentiert, ist dies zum Wohle anderer. Aber wenn jemand den Dharma lehren soll und sein Verhalten ist schädlich, ist es unsere Verantwortung, dies mit einer guten Motivation zu kritisieren. Das ist konstruktive Kritik, und man braucht sich dabei nicht unwohl zu fühlen. In „Die zwanzig Verse über das Bodhisattva-Gelübde“ heißt es, dass Handlungen gleich welcher Art frei von Schuld bleiben, die Sie mit einer reinen Motivation ausüben. Buddhistische Lehrer, die Sex, Macht, Geld, Alkohol oder Drogen missbrauchen, und die ihr Verhalten nicht korrigieren, wenn ihre eigenen Schülerinnen und Schüler sie mit legitimen Beschwerden konfrontieren, sollten offen und namentlich kritisiert werden. Das kann sie beschämen und veranlassen, ihr missbräuchliches Verhalten zu bedauern und zu beenden. Das Negative herauszustellen schafft Raum dafür, dass die positive Seite zunimmt. Wenn man ein solches Fehlverhalten veröffentlicht, sollte klargestellt werden, dass solche Lehrer den Rat des Buddhas nicht beachtet haben. Allerdings ist es nur fair, auch deren gute Qualitäten zu erwähnen …“

Fazit

Es ist wichtig bei allen Vorwürfen, die Motivation des Lehrers und auch der Schülerin zu überprüfen. Darüber können Einsichten gewonnen werden, der Lehrer kann sein Verhalten bereuen und es beenden. Dann kann man nach Wegen der Heilung für die Betroffenen und die Gemeinschaft suchen.

Die Symbiose eines Schülers mit einem Lehrer – egal in welcher Form – ist ein großes Hindernis auf dem spirituellen Weg ebenso wie deren Kehrseite: ständiger Zweifel, der zur Zurückweisung des Lehrers und der Lehren führt.

Echte Hingabe auf dem spirituellen Pfad dagegen entspringt dem Bedürfnis nach Befreiung und dem Vertrauen in die Buddhanatur, die wir alle haben. Sie basiert auf natürlicher Selbstwertschätzung. Wir übernehmen dabei die Verantwortung für uns, weisen Unheilsames zurück und öffnen unser Herz für die anderen und für den Lehrer. Alles wird zum Spiegel. Bei diesem Prozess ist ein weiser, authentischer Lehrer hilfreich, der seine Rolle mitfühlend, kompetent und ethisch fundiert einnimmt.

Sei dir selbst ein Licht

„Einem Vollendeten kommt nicht in den Sinn: „Ich muss die Gemeinschaft der Mönche führen, oder die Gemeinschaft muss mir folgen“ … Deshalb seid euch selbst das Licht, seid euch selbst die Zuflucht, sucht keine andere Zuflucht, habt die Lehre als Licht, habt die Lehre als Zuflucht, sucht keine andere Zuflucht.“ (Dighanikaya Sutta 16 II)

Der Buddha drückt hier ganz klar aus, dass die Lehre die Zuflucht ist, nicht der Lehrer. Im Tantra wird die Hingabe an den Lehrer als spirituelles Feuer gesehen, welches das Herz für den Erleuchtungsgeist öffnet. Und deshalb wird dem Lehrer ein so großer Stellenwert eingeräumt.

Meist nimmt er auch in der Hierarchie seiner Dharma-Organisation den höchsten Rang ein, und da kann es, nicht nur im tantrischen Buddhismus, leicht zur Verwechslung der Guru-Rolle des Lehrers und seiner Rolle als auch „weltliches“ Oberhaupt der spirituellen Gemeinschaft kommen. ­Das kann zu großen Missverständnissen führen, besonders wenn der Lehrer aus Asien kommt und seine dort unangefochtene Autorität auch hier zum Maßstab macht, möglicherweise nur, weil er es nicht anders kennt. In stark hierarchisch gegliederten Gemeinschaften, die kaum Kritik am Lehrer zulassen, herrscht unterschwellig die unausgesprochene Übereinkunft, dass der Lehrer unantastbar ist und real über allem steht. Wenn er Fehler macht, einfach weil auch er ein Mensch ist, wird ihm das übel genommen, oder es wird verheimlicht. Daraus erwachsen Vermeidungsstrategien und unausgesprochene und daher für Sangha-Mitglieder verunsichernde Verhaltenskodexe. Tabus, die diesen zu Grunde liegen, vernebeln die Wahrnehmung. Man weiß nicht mehr, was richtig oder falsch ist. Es gibt wenig Offenheit, aber einen Kult um den Lehrer und das öffnet vielfältigen Formen von  Missbrauch Tor und Tür. Davor hat der Buddha in seinen Schriften immer wieder gewarnt.

Von der Stärke menschlicher Schwächen

Solange wir Autoritäten verehren, wählen wir Autoritäten als Vorbilder. Vorbilder, auch Gurus, werden in unserer mediensüchtigen Gesellschaft schnell zu Idolen. Wir idealisieren sie und machen sie zur Projektionsfläche für unerfüllte Hoffnungen, Wünsche und Träume.

Chögyam Trungpa, ein tibetischer, buddhistisch-tantrischer Lehrer, war verheiratet, führte aber in aller Öffentlichkeit ein reges Beziehungsleben mit zahlreichen Partnerinnen. Er war häufig betrunken. Dennoch wurde er von seinen Schülern sehr verehrt. Trungpa Rinpoche war – trotz oder gerade wegen seiner offensichtlichen, menschlichen Schwächen – ein großer Lehrer, der es seinen Schülern erschwerte, sich mit ihm als menschlichem Wesen zu identifizieren. Er wirkte seiner Verehrung als unantastbare Autorität entgegen, indem er seine Schwächen in aller Öffentlichkeit präsentierte. Wer sich nicht auf einen Thron setzt, kann auch nicht von ihm gestürzt werden. Seine Schüler konnten sich entscheiden, mit den menschlichen Schwächen des Meisters zu leben und seiner spirituellen Kompetenz zu vertrauen oder zu gehen. So wurde möglichen Symbiose-Sehnsüchten seitens der Schüler ein Riegel vorgeschoben. In diesem Sinne agierte Trungpa mit „verrückter Weisheit“, die als Brücke in die Buddhanatur diente. Ob der Buddha sich einen Dharma-Lehrer wie Trungpa hätte vorstellen können? Wir können darüber nur spekulieren.

Ethische Essentials

Bedeutet das einen Freibrief für buddhistische Lehrer, die gegen geltendes Recht oder ethische Grundsätze verstoßen, die vielleicht töten, stehlen, sexuellen Missbrauch betreiben? Die Bindung eines Meisters an den Dharma sowie an ethische Grundregeln, die sich daraus ableiten sowie die Bindung an unser westliches Rechtsverständnis, erscheint mir ganz wesentlich. Wer dagegen verstößt, muss sich verantworten, oder?

Die emotionale und mentale Abhängigkeit vom Meister ist nicht nur auf dem tantrischen Weg häufig ein Durchgangsstadium. Sie löst sich auf, wenn die Schülerin spirituell erwachsen wird und ihrer inneren Lehrerin mehr und mehr zu vertrauen beginnt. Spirituelle Lehrer haben in diesem Kontext eine besondere Verantwortung. Sie dürfen die Hingabe ihrer Schüler nicht ausnutzen, sondern sollten angemessen und liebevoll deren inneres Wachstum begleiten.

Für Psychotherapeuten gelten besondere rechtliche Regelungen, z. B. dürfen sie keinen sexuellen Kontakt mit Klienten während der Therapie haben. Dies gilt als Beziehungsmissbrauch. Im Dharma haben wir ebenso klare ethische Regeln für den Umgang von Lehrern und Schülern. Der Buddha hat sie eindeutig formuliert.

Verstößt ein spiritueller Meister gegen geltende ethische Normen oder Regeln, hat das Auswirkungen auf die Schüler, die sich in einem Übertragungsprozess mit ihm befinden, besonders auf jene, die vom Lehrer psychisch abhängig sind. Sie nehmen oft persönlichen Schaden. Ein Lehrer sollte, gerät er in Verruf, die Verantwortung für sein Handeln übernehmen, die Lehre und das Wohl der Schüler im Auge haben und gegenüber der Sangha und wenn nötig einer größeren Öffentlichkeit klar Stellung beziehen.

Ein offenes Gespräch über Fehlverhalten, Missverständnisse und Verletzungen basierend auf Achtsamkeit und gegenseitiger Wertschätzung, dann das Praktizieren von Vergebung und die spirituelle Reinigung sowie die Neuformulierung des Commitments zwischen Lehrer und Schüler könnten einen Heilungsprozess für die spirituelle Gemeinschaft und den Lehrer möglich machen. Für alle gilt, Verständnis füreinander und den gemeinsamen Weg auf der Basis von Mitgefühl zu entfalten.

Der Lehrer als primus inter pares

Der Buddhismus vermittelt die wunderbare Botschaft, dass wir alle als Wesen, die die Buddhanatur haben, grundsätzlich gleich sind. Erleuchtete Wesen unterscheiden sich von uns durch ihre Verwirklichung. Sie zeigen uns, was für jeden von uns möglich ist. Wenn wir sie um Hilfe auf unserem Pfad bitten, werden sie diese gewähren, weil es ihnen ein Bedürfnis ist, auch uns zur Verwirklichung zu führen. Daraus folgt: Der Lehrer unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Wesen durch seine Erfahrungen auf dem Pfad, durch Kenntnis der Lehren und Methoden, seine Verwirklichung sowie die Einbindung in eine lebendige, spirituelle Tradition. Er ist primus inter pares.

Manche mittelalterlichen Verehrungskulte, hierarchische, aus Asien übernommene Strukturen, die starke Machtgefälle etablieren, sind in der heutigen Zeit, in der sich traditionelle Strukturen auflösen, autoritäre Gesellschaften kaum noch eine Zukunft haben und die Globalisierung und Vernetzung der Welt voranschreitet, nicht mehr zeitgemäß. Sie widersprechen letztlich sowohl der buddhistischen Lehre als auch den Gleichheitsgrundsätzen in demokratisch verfassten Gesellschaften. Die Weisheitslehren dienen der Befreiung aller fühlenden Wesen. Spirituelle Lehrer/innen sind ihre Botschafter, sind unsere Freunde und Wegweiser. Sie helfen uns, das innere Licht zu entzünden. Der spirituelle Weg, den der Einzelne heute geht, ist kein kollektiver, sondern ein ganz persönlicher.

Klar Position beziehen

Von Vereinen und Dach-Verbänden, die den Buddhismus in der Öffentlichkeit vertreten, z.B. in Deutschland die DBU, erwarte ich ethisch fundierte Statements, die auf den Lehren basieren, zu Fehlverhalten von Lehrern, die unnötiges Leiden unter dem Deckmantel des „Egoshooting“ schaffen und dabei noch gegen geltendes Recht verstoßen. Ich bin froh, dass wir in einer demokratischen Gesellschaft leben. Man setzt sich hier rechtstaatsmäßig mit Fehlverhalten und Rechtsbrüchen einzelner Bürger auseinander. In einem Rechtsstaat überträgt man ein Gerichts-Urteil zu einer Person nicht auf eine ganze Religion und deren Anhänger. Doch man erwartet von Verbänden, Vereinen, Religionsgemeinschaften, Parteien ein öffentliches Statement, wenn es sich z.B. um Missbrauch von Machtpositionen handelt, die potentielle Täter im Rahmen ihres Engagements für diese Organisationen ausüben. In Religionsgemeinschaften ist das besonders wichtig, denn sie stehen für ethische Werte. Sie haben Vorbildcharakter. Ihre Repräsentanten stehen für die Lehren, die sie vertreten. Die Verwicklung von spirituellen Führungspersönlichkeiten in Skandale erschüttert Menschen, die mit einer Religion oder Weltanschauung sympathisieren oder ihr vertrauen. Sie benötigen eine Orientierung, eine Leitlinie. Es muss eine Chance für sie geben, Vorwürfe unbefangen zu besprechen. Damit schafft man Wertschätzung und Zuversicht. Zweifel können zerstreut werden.

Der öffentliche Diskurs über Machtmissbrauch ist eine Errungenschaft freiheitlicher Gesellschaften, nicht vergleichbar mit feudalen oder diktatorischen Systemen.

Schon aus unserem Demokratieverständnis heraus und dem damit verbundenen Gerechtigkeitsempfinden ist es erforderlich, dass betroffene Verbände sowie einzelne Organisationen, vor allem die Deutsche Buddhistische Union, sich öffentlich und ethisch fundiert positionieren. Nicht die Taten einzelner Lehrer sondern die Weigerung buddhistischer Organisationen, klar Stellung zu beziehen, wird sonst dazu führen, dass für mehr und mehr Menschen der buddhistische Pfad kein gangbarer Weg mehr sein wird. Ich glaube, das gilt vor allem für jüngere netzaffine und demokratiegewohnte Generationen, für die Hierarchien als geschlossene Systeme eine Fossil aus anno Dazumal sind.

Encountering the Shadow in Buddhist America

Die US-amerikanische Journalistin und Buchautorin Katy Butler reflektiert in ihrem Artikel ausführlich die Hintergründe sexueller Übergriffe in buddhistischen Gemeinschaften im Westen. Was sie Revue passieren lässt, ist missbräuchliches Verhalten in einem erschreckenden Ausmaß. All dies geschehe, so arbeitet sie heraus, mit „asiatischer Rechtfertigung und westlicher Lizenz“. Wir publizieren den Text im amerikanischen Original.

One summer afternoon in 1982, a friend of mine stood on a street in Boulder, Colorado–under a bright blue Rocky Mountain sky–holding a bottle of sake. The wine, a gesture of gratitude, was a gift for Vajra Regent Osel Tendon, “Radiant Holder of the Teachings,” second-in-command of Vajradhatu, the largest branch of Tibetan Buddhism in the United States.

Moments later, my friend entered an elegant, minimally furnished office nearby. Tendzin—the former Thomas Rich of Passaic, New Jersey, round-eyed, mustachioed and wearing a well-cut business suit—rose from his chair and smiled My friend shook his hand, grateful for the rare private audience. He had recently emerged from an emotionally repressive religious community in Los Angeles, and a meditation retreat led by the Regent had introduced him to a more colorful, less guilt-inducing, spiritual path.

As the afternoon wore on, the men talked about Buddhism, love and theology. Gradually, the sake level dropped inside the bottle. Then my friend, a little drunk, grew bold and raised the subject he feared most: homosexuality. There was a moment of silence.

“Stand up,” Tendzin said. “Kiss me.” My friend complied.

When the Regent requested oral sex, my friend, slightly dismayed, declined. “I think you can do it,” the Regent said cheerfully. The two then moved to a couch, where my friend’s taboo against homosexuality was broken.

When it was over, Tendzin mentioned in passing that he had similar sexual encounters several times a day. He offered my friend a ride, opened the office door and led the way through clusters of waiting assistants to a sleek car purring in the twilight below, a driver waiting at the wheel.

My friend later felt confused and embarrassed about that afternoon, but not bitter. “He pushed me into a homosexual experience and yet at the same time, he was generous. I asked to see him and he made time for me,” he told me. “I felt a mixture of embarrassment and honor. I don’t feel Tendzin abused me and I don’t want my sexual experience judged by anybody.”

After my friend told me his story, I often replayed it in my mind, like a videotape, searching for hidden clues to later events. I noted my friend’s fascination with the trappings of spiritual power and his discomfort with moral judgments. I observed Tendzin’s apparently routine transformation of a religious audience into an afternoon of drinking and sexual relations, and how casually he admitted to addictively frequent sex. I had to acknowledge that my friend did not feel harmed; yet I saw in the incident the seeds of the disaster that followed.

A Crisis of Leadership

In April 1987, Vajra Regent Osel Tendzin assumed leadership of the Vajradhatu community, following the death of the well-known and widely respected Tibetan Buddhist teacher, Chogyam Trungpa Rinpoche.

Less than two years later, in December 1988, the most harmful crisis ever to strike an American Buddhist community unfolded when Vajradhatu administrators told their members that the Regent had been infected with the AIDS virus for nearly three years. Members of the Vajradhatu board of directors conceded that, except for some months of celibacy, he had neither protected his many sexual partners nor told them the truth. One of the Regent’s sexual partners, the son of long-term students, was infected, as was a young woman who had later made love to the young man.

Two members of the Vajradhatu board of directors had known of his infection for more than two years, and chose to do nothing. Trungpa Rinpoche had also known about it before his death. Board members had reluctantly informed the sangha (community) only after trying for three months to persuade the Regent to act on his own.

“Thinking I had some extraordinary means of protection, I went ahead with my business as if something would take care of it for me,” Tendzin reportedly told a stunned community meeting organized in Berkeley in mid-December.

This crisis of leadership was hardly the only disaster to befall an American Buddhist sangha. In 13 years of practicing Buddhist meditation, I have seen venerated, black-robed Japanese roshis and their American dharma heirs (including my own former teacher) exposed for having secret affairs. Other Buddhist teachers—Tibetan, Japanese and America—have misused money, become alcoholic or indulged in eccentric behavior. (See box below.)

I thought of Buddhism not as a cult but as a 2,500-year-old religion devoted to ending suffering, not causing it.

As an American Buddhist, I found the scandals heartbreaking and puzzling. I thought of Buddhism not as a cult but as a 2,500-year-old religion devoted to ending suffering, not causing it. I also knew that many of the teachers involved were not charlatans, but sincere, thoroughly trained spiritual mentors, dedicated to transmitting the Buddhist dharma to the West.

As a journalist, I noticed that media coverage of the scandals seemed to reinforce secular America’s deeply held suspicion of all religious impulses. The teachers came across as cynical exploiters; their followers as gullible fools.

But having watched and participated in Buddhist communities for more than a decade, I know that these misfortunes are more than a tragic dance between exploitation and naiveté. Their roots lie not in individual villainy, but in cultural misunderstandings and hidden emotional wounds. And all community members, however unconsciously, play a part in them.

When Buddhism moved West, an ancient and profound Eastern tradition encountered a younger, more fragmented American society. The new American Buddhists enthusiastically built Japanese meditation halls lined with sweet-smelling tatami mats, and Tibetan-style shrine rooms with altars laden with ceremonial bowls of water and rice. Trying to build new communities, they cobbled together structures that combined elements of Eastern hierarchy and devotion and Western individualism. The blending of widely divergent cultural values was complicated by the fact that originally students hoped to find a sanctuary from the wounds of painful childhoods and from the loneliness of their own culture. When the scandals erupted, however, many found themselves like Dorothy at the end of the Wizard of Oz “back in their own back yards,” having unconsciously replicated patterns they hoped to leave behind.

Now, as the shadow side has come to light, certain common elements within the communities are apparent:

  • Patterns of denial, shame, secrecy and invasiveness reminiscent of alcoholic and incestuous families.
  • Soft-pedaling of basic Buddhist precepts against harming others by misusing alcohol and sex.
  • An unhealthy marriage of Asian hierarchy and American license that distorts the teacher-disciple relationship; and
  • A tendency, once scandals are uncovered, to either scapegoat the disgraced teachers or blindly deny that anything has changed.

A Lineage of Denial

This “enabling” … allowed damaging behavior to continue and grow. It insulated our teacher from the consequences of his actions and deprived him of the chance to learn from his mistakes. The process damaged us as well: we habitually denied what was in front of our faces, felt powerless and lost touch with our inner experience.

As a member of San Francisco Zen Center in the early I980s. I was mystified by my own failure–and the failure of my friends–to challenge the behavior of our teacher, Richard Baker-roshi, when it seemed to defy common sense. Since then, friends from alcoholic families have told me that our community reproduced patterns of denial and enablement similar to those in their families. When our teacher kept us waiting, failed to meditate and was extravagant with money, we ignored it or explained it away as a teaching. A cadre of well-organized subordinates picked up the pieces behind him just as the wife of an alcoholic might cover her husband’s bounced check or bail him out of jail. This “enabling,” as alcoholism counselors call it, allowed damaging behavior to continue and grow. It insulated our teacher from the consequences of his actions and deprived him of the chance to learn from his mistakes.

The process damaged us as well: we habitually denied what was in front of our faces, felt powerless and lost touch with our inner experience.

Similar patterns were acknowledged at Zen Center of Los Angeles in 1983, when their teacher, the respected Hakuyu Taizan Maezumi-roshi, entered a treatment program and acknowledged his alcoholism. [He later drowned in his bathtub after a night of heavy drinking.] “We were all co-alcoholics,” one of Maezumi’s students told the Buddhist historian Sandy Boucher. “We in subtle ways encouraged his alcoholism [because when he was drunk] he would become piercingly honest.”

A similar process may have taken place at Vajradhatu in the 1970s, as students attempted to come to terms with their teacher, Chogyam Trungpa Rinpoche, a maverick, Oxford-educated Tibetan exile who was brilliant, compassionate and alcoholic.

Trungpa Rinpoche, the 11th incarnation of the Trungpa Tulku, was the teenage head of several large Tibetan monasteries when the 1959 Chinese invasion tore him from his native culture. Eager to meet the West on its own terms, he gave up his robes for a business suit, fell in love with Shakespeare and Mozart, and married an English woman. He sometimes lectured with a glass of sake in his hand.

Trungpa Rinpoche taught that every aspect of human existence–neurosis, passion, desire, alcohol, the dark and the light–was to be embraced and transmuted. He called his wild approach “crazy wisdom,” referring to a small but genuine tradition of revered, eccentric Tibetan yogis–most of whom worked intimately with one or two students.

Many Buddhist teachers–even those uneasy with his behavior–admired Trungpa Rinpoche for his brilliant translation of Buddhism into Western terms. Wary of importing Tibetan cultural forms, he first taught his American students a simple, Zen-based sitting meditation. He then gradually introduced the elaborate Tantric disciplines that distinguish Tibetan Vajrayana Buddhism from almost all other Buddhist schools. Students completed foundational practices, including 100,000 prostrations, and attended a three-month seminary in the mountains. Advanced students were ceremonially initiated into confidential Tibetan practices of meditative visualization. Teacher and student entered into a relationship traditionally more devotional than anything in other Buddhist schools.

Trungpa attracted thousands of well-educated people who soon created the largest, most creative and least conventional of America’s non-Asian Buddhist communities. He counted among his students poets Alan Ginsberg and Anne Waldman, playwright Jean-Claude van Italie, Shambhala Publications publisher Sam Bercholz, and Rick Fields, author of a respected history of American Buddhism. Based primarily in Boulder, students ran businesses, founded Naropa Institute, an accredited Buddhist university, edited a journal on contemplative psychotherapy, and published a widely-read bimonthly Buddhist newspaper, the Vajradhatu Sun.

Yet woven into the discipline and creativity was a strand of hedonism. Vajradhatu students had a reputation for the wildest parties in Buddhist America. Although most Tibetan Tantric schools clearly discourage “acting out” passions and impulses, Trungpa Rinpoche did not. In fact, drunk and speeding, he once crashed a sports car into the side of a joke shop and was left partly paralyzed. He openly slept with students. In Boulder, he lectured brilliantly, yet sometimes so drunk that he had to be carried off stage or held upright in his chair.

To student Jules Levinson, a Tibetan scholar and Ph.D. candidate at the University of Virginia, the stories “were very upsetting–that he drank a lot, that he slept around.” Yet at the same time, Levinson was grateful to Trungpa. “I found him gentle, delicate, provocative and nurturing–the most compassionate person I have ever known. I just couldn’t put it together,” he said.

Some students, replaying dynamics from their alcoholic families, responded to Trungpa Rinpoche by denying and enabling his addictive drinking and sexual activity. “I served Rinpoche big glasses of gin first thing in the morning, if you want to talk about enabling,” said one woman, who had watched her own father die of alcoholism.

Others resolved their cognitive dissonance by believing that their teacher had transcended the limitations of a human body. “Trungpa Rinpoche said that because he had Vajra nature [a yogically transformed and stabilized psychophysiology], he was immune to the normal physiological effects of alcohol,” said one student. “We bought the story that it was a way of putting ‘earth’ into his system, so that he could … relate to us. It never occurred to anyone I knew that he was possibly an alcoholic, since that was a disease that could only happen to an ordinary mortal. And many of us were ignorant–we thought of an alcoholic only as the classic bum in the street.”

An atmosphere of denial permeated the community in the 1970s and early 1980s, and other Vajradhatu students became heavy drinkers. “I found myself a nice little nest where I could keep on drinking,” said one long-time Vajradhatu Buddhist, who was among a handful of Vajradhatu members who joined Alcoholics Anonymous (AA) in the early 1980s. Their recovery seemed to threaten others. The first woman to get sober was asked to quit the board of a home care organization founded by Vajradhatu members. “I felt such contempt for someone who had to quit drinking and I treated her like a mental case.” said the woman who got rid of her–a woman who has since joined AA herself.

When Trungpa Rinpoche lay dying in 1986 at the age of 47, only an inner circle knew the symptoms of his final illness. Few could bear to acknowledge that their beloved and brilliant teacher was dying of terminal alcoholism, even when he lay incontinent in his bedroom, belly distended and skin discolored, hallucinating and suffering from varicose veins, gastritis and esophageal varices, a swelling of veins in the esophagus caused almost exclusively by cirrhosis of the liver.

“Rinpoche was certainly not an ordinary Joe, but he sure died like every alcoholic I’ve ever seen who drank uninterruptedly.” said Victoria Fitch, a member of his household staff with years of experience as a nursing attendant. “The denial was bone-deep.” she continued. “I watched his alcoholic dementia explained as his being in the realm of the daikinis (guardians of the teachings, visualized in female form). When he requested alcohol, no one could bring themselves not to bring it to him, although they tried to water his beer or bring him a little less. In that final time of his life… he could no longer walk independently. At the same time, there was a power about him and an equanimity to his presence that was phenomenal, that I don’t know how to explain.”

Some students now feel that the Regent Osel Tendzin suffered from a similar denial of human limitation, as well as ignorance of addictive behavior.

“Many students who are outraged by the Regent’s behavior seem to think he arose out of nowhere,” one student said. “They’re not using their Buddhist training about cause and effect. I think the Regent has emulated in a more extreme and deadly fashion a pattern of denial and ignorance exemplified by Trungpa Rinpoche’s own attitude to alcohol.”

Family Secrets

By the time the crisis broke, a small but significant minority of Vajradhatu students had begun to deal with wounds felt by family alcoholism and incest. By the mid-1980s, about 250 Vajradhatu members around the country–mostly wives of alcoholic husbands–had joined Al-Anon, an organization modeled after AA for the Families of alcoholics, and more than a score of sangha members had joined AA. Soft drinks were also served at Vajradhatu ceremonies, and the atmosphere of excessive drinking diminished.

Those in the 12-Step movement were a minority, however, and certain stubbornness persisted. For example, the Regent himself sought to suppress any public discussion of the sexual scandal and crisis, creating an atmosphere reminiscent of an alcoholic family’s defensive secrecy.

Those (underlying) issues (that permitted the current situation to occur) include the abuse of power and the betrayal of trust, the proper relationship between teachers with spiritual authority and students, particularly in the West, and the relationship between devotion and critical intelligence on the spiritual path.

When editor Rick Fields prepared a short article for the Vajradhatu Sun describing the bare bones of the crisis, he was forbidden to print it. “There have been ongoing discussions, both within community meetings and among many individuals, about the underlying issues that permitted the current situation to occur,” read the banned article. “Those issues include the abuse of power and the betrayal of trust, the proper relationship between teachers with spiritual authority and students, particularly in the West, and the relationship between devotion and critical intelligence on the spiritual path.”

In the article’s place, Fields printed a mute drawing of the Vajradhatu logo–a knot of eternity–stretched to the breaking point over a broken heart. In March, Fields again attempted to run his article and was fired by the Regent. When the board of directors refused to support him, he formally resigned, saying that Buddhist teachings in the West “would best be served in the long run by openness and honesty, painful as that may be.”

The suppression of public discussion echoed both the Asian tradition of face-saving as well as the dynamics of alcoholic families. “There’s a sense of family secrets, things you don’t talk about, especially with outsiders,” said Levinson. “Shortly after the news came out I wrote to the Regent and said, ‘If the rumors are true, then [those actions] don’t seem to be in accord with the dharma, but it doesn’t make you a devil. The most important thing is what we do now. I would really like you to come talk to us openly, in small groups, at least in Boulder and Halifax, as your health permits. If you can do that we … may be able to re-establish some trust.’ My biggest heartbreak is that he hasn’t done that.”

Cross-Cultural Clashes

For more than a year, the stalemate stretched Vajradhatu to the breaking point. Tendzin publicly but obliquely acknowledged violating Buddhist vows, but he declined to accept responsibility for infecting others. He remained on retreat in California with a small group of devoted students, defying a request by the board of directors that he withdraw from teaching. In Boulder, some anti-Regent students virulently and unrealistically blamed him for the entire disaster, while pro-Regent students practiced what might be called “devotional or transcendental denial.” They urged the preservation of the Buddhist teaching lineage at the expense of facing what had happened. Many others fell into what one senior student called “the heartbroken middle.” In a letter widely distributed in Boulder, one student wrote, “If the Board and the Regent cannot work out their differences with compassion and intelligence, the sangha will he shattered.”

The community consulted Tibetan lamas to resolve the impasse, but their responses reflected an Asian emphasis on face-saving, hierarchy and avoidance of open conflict.

The community consulted Tibetan lamas to resolve the impasse, but their responses reflected an Asian emphasis on face-saving, hierarchy and avoidance of open conflict. Although it is unclear how much he understood the situation, one venerated lama, the late Kalu Rinpoche, forbade his American students to comment on the Vajradhatu disaster. Another, the Venerable Dilgo Khyentse Rinpoche, first asked the Regent to go into retreat, but urged Vajradhatu students to respect the Regent’s authority.

It was too much for many students to stomach “This is a living nightmare for us,” said Robin Kornman a long-time Vajradhatu meditation teacher and a graduate student at Princeton University. “We are being told to follow a person we are certain is deeply confused.”

Buddhist students at other centers have experienced similar cross-cultural problems. In the late 1970s, Zen student Andrew Cooper became disturbed when he realized that his Japanese Roshi “discouraged the expression of personal disagreement, doubt or problems within the community, even when those problems were undeniably real and potentially disruptive.”

Cooper, now a graduate student in psychology, thought his teacher was hypocritical until a friend who had lived in Japan told him that the Japanese have no notion of hypocrisy, at least not in the sense we in the West do. “For the Japanese, withholding one’s personal feelings in order to maintain the appearance of harmony within the group is seen as virtuous and noble,” Cooper wrote in an unpublished paper. “This attitude is part of the structuring of Japanese social relations–it has a place there. But when it is imported under the banner of enlightenment and overlaid on an American community, the results are cultish and bizarre.”

Asian Deference and Western License

The results are particularly troublesome when communities import Asian devotional traditions without importing corresponding Asian social controls.

The results are particularly troublesome when communities import Asian devotional traditions without importing corresponding Asian social controls. Chogyam Trungpa, for instance, came from a society where the sense of “self” and the social controls on that self were very different from those in the West. Raised from infancy in Eastern Tibet as an incarnate lama, he headed a huge institutional monastery at 19. He was granted tremendous devotion and power, but his freedom was rigidly circumscribed by monastic vows of chastity and abstinence, and by obligations to his monastery and the surrounding Community.

Community standards were based on an intricate system of reciprocal obligation. They were clear and often unspoken. Almost everyone’s behavior–serf, lama or landowner– was closely but subtly controlled by a strong and often unspoken need to save face.

But these social controls did not exist in the society to which Trungpa Rinpoche came in the freewheeling 1970s. His American students’ behavior was loosely governed by contractual relationships, by frank, open discussions, and by individual choices rather than by shared social ethics and mutual obligation. His ancestors had lived in the same valley for generations; when he first arrived in America, he flew from city to city like a rock star. While America removed all social limits from Trungpa Rinpoche’s behavior, his students became his household servants, chauffeured his car and showed him a deference appropriate to a Tibetan lama or feudal lord.

The same deference was shown to his dharma heir. Osel Tendzin. “His meals were occasions for frenzies of linen-pressing, silver-polishing, hair­breadth calibrations in table settings, and exact choreographies of servers,” said television producer Deborah Mendelsohn, who helped host Tendzin when he gave two meditation retreats in Los Angeles, but has since left the community. “When he traveled, a handbook went with him to guide his hosts through the particulars of caring for him, including instructions on how and in what order to offer his towel, underpants and robe after he stepped from the shower.”

This parody of Asian deference, combined with American license, ultimately proved disastrous, and not only at Vajradhatu. At Zen centers as well, students took on Asian gestures of subservience while their teachers sometimes acted “freely,” drinking, spending money, making sexual advances to women or men, all with precious little negative feedback. The deference often went far beyond what would have been granted a teacher in Japan or Tibet.

“Pressure from the community is very important in controlling behavior in Tibetan communities,” said Dr. Barbara Aziz, an internationally known social anthropologist at the City university of New York who has spent 20 years doing fieldwork among Tibetans in Nepal and Tibet. “In Tibetan society, they expect more of the guy they put on the pedestal. If such a scandal had happened in Tibet, the whole community might have felt polluted. Osel Tendzin might have been driven from the valley. Depending on the degree of community outrage, his family might have made substantial offerings to the monastery for purification rites and prayers to infuse society with compassion.”

Furthermore, Aziz pointed out, Tibetans may “demonstrate all kinds of reverence to a reverend, but they won’t necessarily do what he says.” “I see far more discernment among my Tibetan and Nepali friends,” she concluded. “than among Westerners.”

The Need for Discernment

In this confusing cross-cultural context, the teacher-student bond can be easily misunderstood. In the early days of my Zen training, I would make a formal prostration before my teacher when visiting him for practice instruction. I tried to see him as “enlightened,” and I hoped that over time I would internalize the qualities of awareness, sell containment and energy that I admired in him.

Idealizing one’s teacher is part of a long and healthy tradition in Tibet, Japan and India, according to Alan Roland, a psychoanalyst and author of In Search of Self in India and Japan. “The need to have a figure to respect, idealize and imitate is a crucial part of every person’s self-development. But “Eastern cultures are far more articulate about that need and culturally support it,” he explained.

Roland believes that Asian students approach the teacher-student relationships more subtly than Americans–who often commit rapidly and completely, or not at all. Asian students may display deference, but withhold veneration, until they have studied with a teacher for years. They seem to have a “private self’ unknown to many Americans, a self which is capable of reserving judgement even while scrupulously following the forms. When a teacher fails, Asians may continue to defer to his superior rank but silently withdraw affection and respect.

In America, it’s often the reverse. Some Vajradhatu students could forgive Osel Tendzin as a human being, but could not treat him as a leader. Few Americans can show deference to someone they don’t venerate without feeling hypocritical. Faced with this cognitive dissonance, they either abandon deference and leave, or they deny inner feelings.

Part of the blame lies with the student, because too much obedience, devotion and blind acceptance spoils a teacher. Part also lies with the spiritual master because he lacks the integrity to be immune to that kind of vulnerability. … If one has a teacher who is not qualified, who is engaging in unsuitable or wrong behavior, then it is appropriate for the student to criticize that behavior.

If they deny their perceptions, reality becomes distorted and a mutual dance of delusion begins. “Part of the blame lies with the student, because too much obedience, devotion and blind acceptance spoils a teacher,” explained His Holiness the Dalai Lama last year at a conference in Newport Beach. California. “Part also lies with the spiritual master because he lacks the integrity to be immune to that kind of vulnerability. I recommend never adopting the attitude toward one’s spiritual teacher of seeing his or her every action a divine or noble. This may seem a little bit bold, but if one has a teacher who is not qualified, who is engaging in unsuitable or wrong behavior, then it is appropriate for the student to criticize that behavior.”

Turning Point

Last autumn, it looked as though the Vajradhatu sangha would be torn in two. After the long retreat advised by Dilgo Khyentse, Rinpoche, Tendzin boldly re­asserted authority. Those who refused to accept his spiritual leadership were fired from key committees, denied permission to teach meditation and barred from taking part in advanced practices with the rest of their community. The conflict became so intense that the two opposing factions sent delegations to Nepal and India to implore senior lamas to support their positions.

In response, Khyentse Rinpoche advised Tendzin to enter into a “strict retreat” for a year. Tendzin complied, retaining nominal authority but effectively abdicating his teaching and leadership role. Senior Tibetan lamas were invited to Boulder to teach, and Vajradhatu began to connect again to a wider Tibetan religious tradition.

“This is a real turning point,” said a relieved David Rome, a member of the board of directors. “This is a way to come together and feel basic unity, and to look at the issues that this crisis brought to the surface. This is not the end, really, it’s the beginning,” he said.

After the Fall

As Vajradhatu struggles to pick up the pieces, other Buddhist sanghas, which have undergone similar crises, are likewise dealing with ways to heal their communities. In one of the most promising side effects, American teachers of Insight (vipassana) meditation have recently created a clear set of ethical standards for teachers and a community board to oversee them.

In other Buddhist communities, however, where teachers have stone­walled accusations of misconduct, successive waves of dissenting students have departed. At San Francisco Zen Center, my own practice home, our teacher resigned under pressure. We brought in psychological consultants and learned to talk more honestly to each other, and adopted more democratic forms of decision-making. Even so, many students left. The meditation hall emptied. Friendships were broken, and some people lost the energy for spiritual practice. Our former teacher moved to Santa Fe and continued teaching; my husband and I moved to the suburbs.

My black meditation robe still hangs in the back of my closet. I never lost faith in Buddhist teachings, but for some years I didn’t know how to reconnect with them. Instead, I did what a friend called “remedial work,” examining my personal history and the anger and self-righteousness I expressed when the scandal broke. I was among those who hoped to find a sanctuary within Buddhism for my personal wounds. But my culture and family history trailed me into my Buddhist community like a can tied to the tail of a dog.

I study with another Buddhist teacher now, and I constantly remind myself to allow him–and me–to have imperfections. Once a month or so, I gather with others in a friend’s living room to recite the lay Buddhist precepts.

Yet something of the past remains unfinished. My old teacher simply left when he could not bear his students’ anger any more. I remember a senior priest saying at the time, “Students are expecting him to transform himself without safety. You can’t learn a whole new way when you are under attack.”

The bitterness from that unresolved schism still hurts, like a splinter working its way deeper into one’s palm. A friend of mine, Yvonne Rand–an ordained Buddhist teacher who still participates closely in the community–said to me recently, “We’re still struggling with the fallout of his departure. I don’t think the shoe will fully drop until we find a way to be in the same room together. As long as there’s a fear of having him around, there’s a way people don’t understand their part in the situation.”

We lack rituals that would allow communities to acknowledge these crises and to heal them.

We lack rituals that would allow communities to acknowledge these crises and to heal them. I remember reading about the Full Moon Ceremony used by monks in the first few centuries after Buddha’s death. On the eve of every full and new moon during the rainy season, monks would gather in the forest for a ritual called “confession before the community.” There, they publicly recited the precepts, admitted their shortcomings, their violations and any damage they had done to their community.

If we reinstated such a quiet ritual, perhaps, a brave, disgraced teacher might safely acknowledge his misconduct and the wounds that brought him to it. Perhaps the sangha could confess its deep disappointment and feelings of betrayal, and its participation in what had gone wrong. Perhaps the whole sangha could publicly apologize to the men or women who had been misused sexually or in other ways, and compensate them in some way.

After full acknowledgment and restitution, forgiveness might be possible and healing begin.

Related: Sex in the Forbidden Zone

In the late 1960s, a bright-eyed, patrician woman I know entered San Francisco Zen Center intending to give her heart to the practice. She was in her early twenties, shaken by a failing marriage, with a fierce, lion­hearted energy that kept her back straight for long hours in the meditation hall. Several years after the death of her first Zen teacher, his successor—who was married—pressured her to abandon her plans to attend the rigorous winter training period at the Tassajara monastery and to become his personal assistant. She resisted for months, knowing that this would mean living in his house and traveling with him. After she finally agreed, he asked her to enter what he called a “practice relationship” with him that was to be kept a secret from the rest of the community.

“I’d never really felt intimate, never really felt known before,” she told me recently. “Until he began to relate sexually to me, he had been the most important man I’d ever met, a wonderful teacher. He touched my deepest primal self and I felt the promise of a spiritual intimacy that I longed for with my whole being. I very much hoped that by breaking through to that forbidden area I would somehow, magically, break through to all that was held frozen and paralyzed within me.”

For six years, my friend remained enmeshed in this secret sexual relationship. It healed none of her old wounds; in fact, it created new ones. She became a priest, but at the same time, she was guilt-ridden, isolated by secrecy from the rest of the community, and yet unable to pull away. Even after ending the relationship, she guarded its secret for years. She ultimately gave up her priest’s robes, left the community and entered therapy to repair the damage.

“As soon as we became sexually involved, any possibility of real spiritual intimacy with him ended,” she told me recently. “And so did my trust of my own inner center. It felt like incest to me–it was very physically unrewarding, and after every time, I would feel just destroyed.”

My friend’s experience was not unique. Presumed taboos against sexual relationships between students and spiritual teachers from Asian traditions are frequently broken. When they end badly, these relationships cause the same damage seen in women sexually abused by therapists: guilt, emptiness, suppressed rage and an inability to trust. In the worst cases, women have tried to kill themselves, have been confined to mental hospitals, or have seen their self-confidence or their religious vocations destroyed.

Jack Kornfield, a psychologist and co-founder of the Insight Meditation Society, informally surveyed 54 Buddhist, Hindu and lay teachers in the United States as well as their students. In a 1985 Yoga Journal article, “Sex Lives of the Gurus,” he reported that 15 of 54 were celibate. Thirty-four of the remaining 39—including Tibetan lamas, Zen roshis, vipassana meditation teachers and Indian swamis—had had sexual relationships with their students, ranging from one-night stands to committed relationships ending in marriage. Half of the students told Kornfield that the relationships “undermined their practice, their relationship with their teacher, and their feelings of self-worth,” he wrote.

Kornfield, a former Theravadan monk said the teachers’ motivation was not always a misuse of power, but a lack of training in the psychological dynamics of transference and counter-transference and “a longing for contact and intimacy, a longing to step out of the isolating role of teacher.” Not all the relationships were disastrous, Kornfield added.

Many teachers, from all traditions, including Kornfield, have married students or staff members they met during retreats.

The late Maurine Stuart-roshi, a Zen teacher based in Cambridge, Massachusetts, distinguished between sexuality and sexual abuse when she broke off contact with Eido Shimao­roshi of New York. “I wasn’t judgmental about sex, or about a teacher having sex with a student, but in this situation, it was an unloving act,” she told author Helen Tworkov, who profiled Stuart in Zen in America. “It was the misuse of sex—and of women and the manipulations that were so devastating.”

While the distinction between sexuality and sexual abuse is a valuable one, others argue that such relationships almost always turn out badly because of enormous differences in power, experience and hope between the people involved. Peter Rutter, M D., a San Francisco Jungian analyst, believes women are drawn into such relationships by psychological wounds: a background of incest, the desire to be deeply seen or the hope of spiritual and psychological healing.

But the promise of healing almost always goes unfulfilled, explained Rutter, author of Sex in the Forbidden Zone: When Therapists, Doctors, Clergy, Teachers and Other Men in Power Betray Women’s Trust. “The number of healthy relationships that emerge are minuscule,” he said in a recent interview “The damage is almost universal, and it is absolutely identical, whether the relationships take place within imported Eastern disciplines or Western psychotherapy.” Rutter says the relationships bear the hallmarks, and cause the damage, of incest relationships. “There’s the same difference in power, the built-in admiration for the symbolic father, and the inability to displease him or see that he is damaging her.”

“These relationships are mostly temporary, and the women are usually discarded,” Rutter said. “They break the student’s connection to his or her own spiritual source, and that connection can be forever lost.”

Katy Butler

Encountering the Shadow in Buddhist America“ first appeared in the May/June 1990 edition of Common Boundary Magazine. (c) 1990 Katy Butler. All rights reserved. Reprinted by kind permission of the author.

Scandals and Improprieties: a list from 1990

Abuses of power and silent collusion in sexual exploitation occur not only in Buddhist communities, but also in Western psychiatric settings and other religious communities as well. Here is a sampling:

The Zen Studies Society of New York: In 1975, 1979 and 1982, the married Japanese abbot, Eido Tai Shimano-roshi, was accused of seducing emotionally vulnerable women students—accusations he has repeatedly denied.

San Francisco Zen Center: In 1983, American abbot Richard Baker, successor to Shunryu Suzuki-roshi, resigned under pressure after affairs with women students—including his best friend’s wife—were acknowledged.

Zen Center of Los Angeles: In 1983 Hakuyu Taizan Maezumi-roshi, a married Japanese abbot, entered an alcoholism treatment program and openly apologized to his students for affairs with several women students, including a teen-aged girl.

Kwan Um Zen School (Rhode Island): In April 1987, it was revealed that the widely respected and supposedly celibate Korean Zen teacher, Soen Sa Nim, had had secret, long-tern sexual relationships with two women students.

Insight Meditation Society (Barre, Massachusetts): In the early 1980s, this American meditation community confronted sexual boundary violations before they became unmanageable.

Richard Ingrasci, M.D. (Watertown, Massachusetts): In 1989, The Boston Globe reported that three women patients accused lngrasci of fondling them during therapy sessions. Two of the women said they were molested while under the influence of psychotropic drugs, including MDMA, which Ingrasci, the former medical editor of New Age Journal and a holistic physician had earlier lobbied Congress to legalize. Ingrasci surrendered his medical license, ending state disciplinary proceedings.

The Catholic Church in America: By the end of 1988, the Church had reportedly paid $19 million to families who had accused priests of sexually molesting altar boys and other children. At issue was not the small number of pedophile priests, but the church’s failure to protect children once problems were known. In several archdioceses, priests accused of molesting were quietly transferred to other parishes, where more children reported sexual abuse.

SYDA Foundation, Oakland, California: Shortly before his death in 1982, Swami Muktananda was accused by close disciples of repeatedly molesting young female devotees, some of them in their early teens.

Katy Butler

© 1990, 2010 by Katy Butler. All Rights Reserved. Not to be reprinted or reposted without written permission.

Missbrauch im buddhistischen Kontext verstehen

Ursache und Wirkung, Leerheit und Ethik sind anspruchsvolle buddhistische Lehren, über die es jedoch zahlreiche Missverständnisse gibt. Diese Missverständnisse führen nicht selten dazu, dass Schülerinnen und Schüler meinen, missbräuchliche Situationen mit ihren Lehrern ertragen zu müssen. Alexander Berzin zeigt in seinem Beitrag: Kernlehren des Buddhismus helfen, korrekt verstanden, mit missbräuchlichen Situationen im buddhistischen Kontext umzugehen und Fehlverhalten zu verhindern.

Manche Menschen glauben fälschlicherweise, der Buddhismus lehre den Nihilismus und stelle sich vor, Leerheit bedeute, dass nichts existiert und dass es deshalb keine Ursache und Wirkung gibt. Sie verwenden dies als Rechtfertigung, jeder Mensch, einschließlich des spirituellen Lehrers, könne ohne Konsequenzen alles tun. Andere haben eine falsche Ansicht von Ursache und Wirkung und meinen, missbräuchliches Verhalten, insbesondere im Namen des Tantra, könne zu spirituellem Fortschritt führen. Diese Naivität öffnet die Tür zu einer spirituellen Katastrophe.

Es ist wichtig zu verstehen, wie diese Missverständnisse über grundlegende buddhistische Konzepte Schülerinnen und Schüler manchmal dazu bringen, missbräuchliche Situationen zu ertragen, obwohl die Lehren des Buddha niemals irgendwelche ungesunden Handlungen seitens spiritueller Lehrerinnen und Lehrer gegenüber ihren Schülerinnen und Schülern zulassen. In diesem Artikel werden wir uns Ursache und Wirkung, Leerheit und Ethik anschauen und Wege erkunden, wie man mit missbräuchlichen Situationen umgehen kann.

Leerheit und Ursache und Wirkung

Leerheit bedeutet Abwesenheit; sie bezieht sich auf die Tatsache, dass die Projektionen unseres Geistes nicht der Realität entsprechen. Was fehlt, ist eine Realität, die unseren Projektionen entspricht. Wenn Sie zum Beispiel eine Website auf Ihrem Computer oder Mobiltelefon anzeigen, scheint sie sich selbst aufgebaut zu haben: Da ist sie – von ganz allein erschienen! Aber das ist nicht die Realität. Wir sehen nicht die Tausenden von Arbeitsstunden, die für die Erstellung dieser Website erforderlich waren. Es scheint nur so, als hätte sich die Seite selbst aufgebaut. Aber obwohl sie nicht in der Weise existiert, wie sie erscheint, funktioniert sie trotzdem und taucht auf. Wir können sie tatsächlich anschauen und, aufgrund von Ursache und Wirkung, etwas davon lernen. Auf diese Weise bestätigt Leerheit das Funktionieren von Ursache und Wirkung. Weil nichts aus sich selbst heraus existiert – was bedeutet, dass nichts allein, durch seine eigene Kraft, unabhängig existiert – kann alles funktionieren und Wirkungen erzeugen.

Durch die Leerheit haben auch das Verhalten des spirituellen Lehrers und unser eigenes Verhalten Auswirkungen. Zu sagen: „Alles ist leer, der Lehrer ist leer, ich bin leer, was er oder sie tut, ist nichtig“ wird und kann das Prinzip von Ursache und Wirkung in Bezug auf unsere Verhaltensweisen weder entschuldigen noch außer Kraft setzen.

Ethik im Buddhismus

Ursache und Wirkung sind die Grundlage der buddhistischen Ethik. Es ist wichtig zu verstehen, dass die buddhistische Ethik nicht auf Gehorsam gegenüber Gesetzen und nicht auf moralischen Urteilen über gut oder schlecht beruht. Es ist nicht wie in den abrahamitischen Religionen oder unseren Zivilgesellschaften, in denen Menschen als gut gelten, wenn sie den Geboten oder den bürgerlichen Gesetzen gehorchen, und als schlecht beurteilen werden, wenn sie diese Gesetze brechen.

Stattdessen basiert die buddhistische Ethik auf unterscheidendem Bewusstsein, gewöhnlich als „Weisheit“ übersetzt. Wir müssen unterscheiden zwischen dem, was hilfreich ist, und dem, was schädlich ist, dem, was konstruktiv ist, und dem, was destruktiv ist. Der Buddhismus definiert destruktives Verhalten als gewohnheitsmäßige, zwanghafte Handlungs-, Sprech- und Denkweisen, die durch störende Emotionen wie Gier, Wut und Ignoranz oder Naivität motiviert sind. Mit ihnen einher geht ein Mangel an Selbstwertgefühl oder an Sorgfalt dafür, wie sich unser Verhalten auf uns selbst auswirkt oder auf andere, die wir respektieren.

Mit diesem Verständnis der buddhistischen Ethik müssen wir prüfen und erwägen, was in unserer Beziehung zu unserem spirituellen Lehrer geschieht. Wenn unser Lehrer mit Lust, Gier oder Wut handelt und wir mit Naivität reagieren, sind die Handlungen von uns beiden destruktiv und werden Leiden verursachen. Sie wirken sich negativ aus, sowohl auf unseren Lehrer und uns als auch auf unsere spirituelle Gemeinschaft und den Buddhismus als Ganzes. Wir können dieses Fehlverhalten nicht mit dem Vorwand entschuldigen, es sei leer von unabhängiger Existenz.

Realistisch sein in Bezug auf uns und unsere Lehrer

Weitere Probleme entstehen durch Missverständnisse über Tantra, tantrische Meister, die reine Sicht und „samaya“, die enge Bindung an den tantrischen Meister, weil viele Menschen tantrische Initiationen vorzeitig erhalten. Weil es an der stabilen Grundlage eines längeren Studiums und einer längeren Praxis der Sutra-Lehren fehlt, verstehen sie wenig vom tantrischen Pfad und haben den tantrischen Meister nicht ausreichend geprüft.

Es gibt bei Schülern und Lehrern viele verschiedene Ebenen, und es gibt lange Qualifikationslisten für beide. Wir befinden uns sicherlich nicht auf dem Niveau – und in den meisten Fällen auch keiner unser Lehrer – von Naropa und Tilopa oder Milarepa und Marpa. Diese Beispiele aus der buddhistischen Geschichte sind jetzt für uns irrelevant. Verhaltensmodelle der sogenannten „verrückten Weisheit“ gelten nicht für diejenigen, denen die entsprechenden Qualifikationen fehlen. Wenn ein Lehrer einen lebende Fische essen kann wie Tilopa, legt er die Knochen auf den Boden, schnippt mit den Fingern und bringt die Fische wieder zum Leben – okay! Aber kann unser missbräuchlicher tantrischer Meister das tatsächlich tun? Oder, wie vorgeschlagen auf dem Treffen westlicher Lehrender im Jahr 1993 mit Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama: Wenn der Lehrer einen Cocktail aus Durchfall, Urin, Eiter und Blut trinken kann, als ob es Nektar wäre – okay, testen Sie ihn! Wir müssen in dieser Hinsicht realistisch sein, was unser eigenes Niveau und das unseres Lehrers angeht.

Wie bei den meisten Dingen wollen wir die Dinge billig bekommen. Wir suchen nach einem Schnäppchen: Zugang zu Tantra ohne Vorbereitungen und ohne Gelübde. Und selbst wenn wir die Vorbereitungen für ngondro durchführen, neigen wir dazu zu denken, dass sie nur Niederwerfungen und so weiter beinhalten. Aber jeder Text besagt klar, dass wir zuerst die gemeinsamen Vorbereitungen vervollständigen müssen, wie intensives Lernen und Praktizieren der „vier Gedanken, die den Geist zum Dharma machen“. Ohne ein tiefes Verständnis der vier edlen Wahrheiten und der Buddhanatur und ohne Verzicht, ethische Selbstdisziplin, Konzentration, unterscheidendes Bewusstsein für Leerheit, Mitgefühl, Bodhichitta und so weiter, wird uns die vorzeitige Tantra-Praxis sehr viel Schaden zufügen. Dies gilt insbesondere für die Beziehungen zum tantrischen Meister, zur reinen Sicht und zum samaya.

Reine Sicht in der Praxis des Tantra

Mit reiner Sicht betrachten wir unseren tantrischen Meister, uns selbst und jeden Menschen als Buddhas in Form von yidams oder „tantrischen Gottheiten“. Das macht nur dann Sinn, wenn wir dies auf der Grundlage von Buddhanatur, Bodhichitta und einem Verständnis von Leerheit und abhängigem Entstehen tun. Mit Bodhichitta bleiben wir auf unsere eigene Erleuchtung konzentriert, die noch nicht geschehen ist, aber aufgrund der Faktoren der Buddhanatur geschehen kann. Wir tun dies mit dem Ziel, die Erleuchtung zu erreichen und allen anderen bestmöglich zu dienen. Wenn wir uns auf die Erleuchtung konzentrieren, die auf den Faktoren der Buddhanatur unseres tantrischen Meisters basiert, hilft es uns immer, uns auf unsere eigene zukünftige Erleuchtung zu konzentrieren und damit unser Bodhichitta zu verbessern.

Reine Sicht ist keine Entschuldigung, um missbräuchliches Verhalten zu leugnen und zu tolerieren, selbst wenn es von unserem trantrischen Meister kommt. Darüber hinaus bedeutet die enge samaya-Verbindung mit dem tantrischen Meister nicht, blind Befehle zu befolgen, als wäre man in der Armee, und die Verantwortung aufzugeben, ein unterscheidendes Bewusstsein beizubehalten. Die Hauptvoraussetzung der Beziehung zum tantrischen Meister ist, dass alles, was er oder sie sagt oder tut, als eine Methode gedacht ist, um uns zur Erleuchtung zu verhelfen. Ihr Zweck ist es, uns vom Leid zu befreien, nicht mehr Schmerzen zu verursachen. Um solch eine Beziehung eingehen zu können, müssen wir über einen langen Zeitraum ausführlich geprüft haben, ob der Lehrer das Mitgefühl und die Weisheit hat, auf diese wohlwollende Weise zu handeln. Wir müssen uns auch selbst prüfen lassen, ob wir bereit sind, niemals auf unseren Lehrer wütend zu werden, sondern zu versuchen, von dem zu lernen, was er oder sie sagt oder tut.

In tibetisch-buddhistischen Kreisen wird oft der Begriff „Guru-Hingabe“ verwendet und es scheint sehr viel Missverständnisse zu geben über die Beziehung zu einem spirituellen Lehrer aufgrund dieses speziellen Wortes „Hingabe“. Die Konnotation des tibetischen Begriffs ist, jemandem zu vertrauen und sich auf ihn zu verlassen. Es ist die Art von Beziehung, die Sie mit Ihrem Arzt hätten. Sie verlassen sich auf die Lehrer, weil Sie sie gut untersucht haben, und Sie wissen, dass sie qualifiziert sind. Sie vertrauen sich Ihrer Sorgfalt an, genauso wie Sie sich der Sorgfalt Ihres Arztes anvertrauen.

Was tun bei Missbrauch?

Es gibt Mitglieder spiritueller Gemeinschaften, die leugnen, irgendetwas sei falsch, selbst angesichts überwältigender Beweise für Missbrauch. Oft kommen sie zum Buddhismus als Flucht vor den Problemen der Welt und hoffen auf eine ideale Welt mit perfekten Lehrerinnen und Lehrern. Sie identifizieren sich mit den Projektionen ihres Wunschdenkens, und das macht sie blind dafür, die Realität zu sehen und zu akzeptieren. Ein korrektes Verständnis von Leerheit kann ihnen und uns helfen, den Zustand der Leugnung zu überwinden. Ein vorurteilsfreies, unterscheidendes Bewusstsein ist immer essentiell.

Wenn wir anerkennen, dass etwas in unserer spirituellen Gemeinschaft falsch ist – was ist dann der hilfreichste Weg, auf eine missbräuchliche Situation mit unserem spirituellen Lehrer zu reagieren? Mit Wut zu reagieren ist nie hilfreich. Als Störgefühl veranlasst uns Zorn, unsere Ruhe und Selbstbeherrschung zu verlieren. Nicht wütend zu sein bedeutet jedoch nicht, dass, wenn unser Lehrer unethisch handelt, wir das nicht ablehnen und zu stoppen versuchen. Die Vinaya-Lehren über klösterliches Verhalten besagen eindeutig, dass ein Mönch oder eine Nonne niemals kooperieren sollte, wenn ihr Lehrer sie auffordert, etwas zu tun, das nicht dem Dharma entspricht. Dies ist sogar im Tantra der Fall.

Zu Beginn einer tantrischen Initiation ist es üblich, denen, die eingeweiht werden, einen indischen Text aus dem fünften Jahrhundert vorzulesen, die „Fünfzig Verse der Guru-Hingabe“, wo Ashvaghosha erklärt, dass wir nicht einfach blindlings gehorchen sollten, wenn unser Lehrer uns bittet, etwas Unangebrachtes oder etwas außerhalb unserer Fähigkeit zu tun. Er schreibt: „Erklären Sie in (höflichen) Worten, warum Sie nicht kooperieren können.“ Das Kalachakra-Tantra sagt auch, dass man auf höfliche Distanz gehen sollte, wenn die Beziehung mit dem tantrischen Meister sich verschlechtert und man sieht, dass es zu viele Fehler in dieser Person gibt. Wir müssen unterscheiden, ob wir mit Wut handeln oder entschlossen mit klarem Verstand.

Umgang mit unethischen Lehrern

Wenn unser Lehrer auf unethische Weise handelt oder uns dazu auffordert, etwas Unethisches zu tun oder über unsere Fähigkeiten hinauszugehen, können wir, wie Ashvaghosha es empfohlen hat, höflich erklären, dass wir nicht in der Lage sind, die Aufforderung zu befolgen, und bitten um weitere Klärung. Wenn dies sogar dann das Procedere ist, wenn wir den Lehrer und uns selbst vor dem Eintritt in die Beziehung korrekt geprüft haben, um wie viel mehr muss es das Procedere sein, wenn wir tantrische Initiationen vorzeitig und ohne vorherige Prüfung oder Vorbereitung erhalten haben.

Wenn sich ein missbrauchender Lehrer nicht ändern, nachdem wir ihn höflich konfrontiert und um eine Erklärung gebeten haben, dürfen wir nicht aufgeben. Selbst wenn wir nicht verhindern können, dass Wut entsteht, müssen wir uns über die Situation Gedanken machen und dürfen nicht voreilig handeln. Handeln aus Wut macht unseren Geist unklar, und wir verlieren unsere Selbstbeherrschung, was uns dazu bringt, unkluge Dinge zu tun, die nicht nur uns selbst, sondern auch anderen in der spirituellen Gemeinschaft schaden. Wenn man in solchen Situationen starke Maßnahmen ergreift – zum Beispiel das Thema öffentlich macht, um den Lehrer zu beschämen – basiert dies nicht notwendigerweise auf Wut. Wir müssen das Problem mit einem mitfühlenden Geist angehen. Mit Mitgefühl wollen wir allen Beteiligten helfen, Leiden zu vermeiden, auch dem Lehrer. Selbst wenn wir starke Maßnahmen ergreifen müssen: Wenn wir aus Mitgefühl heraus handeln, sind unsere Gedanken klar, wir sind nicht verärgert und können klug entscheiden, was zu tun ist.

Schuld überwinden

Menschen, die missbräuchlichen Situationen begegnen, sehen sich häufig mit starken Schuldgefühlen konfrontiert. Wenn sie sich in einer missbräuchlichen Situation befinden, denken sie, dies liege daran, dass sie schlecht seien und das Heranreifen negativer karmischer Potenziale als eine Art Strafe verdient hätten. Dieses Missverständnis trägt den moralistischen westlichen Schuldbegriff in die buddhistischen Lehren und bringt uns nur mehr Leid.

Die Schuld entsteht durch die Identifikation, ich sei schlecht, der Lehrer sei schlecht und was ich getan habe und was der Lehrer getan hat, sei schlecht. Wir projizieren die Urteile als real und dauerhaft, halten an den Identifikationen fest und lassen sie nicht los. Aber wenn die Dinge auf diese unmögliche Weise existierten, wie wir imaginieren, könnte sich niemals etwas ändern. Die Situation könnte niemals von Ursache und Wirkung beeinflusst werden, und wir und unsere Gemeinschaft könnten niemals von dem Skandal heilen. Es wäre unmöglich, irgendwelche negativen karmischen Potentiale zu reinigen, und es wäre unmöglich, Befreiung und Erleuchtung zu erlangen. Wir existierten ewig als verdammt und schlecht, ebenso der Lehrer. Dies ist kein Buddhismus. Ursache und Wirkung sind immer gültig, und selbst der schmerzhafteste Fallout einer geistigen Katastrophe kann gereinigt werden, und wir können heilen.

Zwischen Person und Verhalten unterscheiden

Wie Seine Heiligkeit der Dalai Lama betont, ist es wichtig, zwischen der Person und dem Verhalten der Person zu unterscheiden. Wir lehnen das destruktive Verhalten der Person oder unser eigenes naives Verhalten ab, aber wir lehnen die Person niemals ab. Mit einem ruhigen, klaren Geist des unterscheidenden Bewusstseins bewahren wir Mitgefühl mit ihnen und uns selbst.

Wir tun dies abgestuft, wie es zum buddhistischen Weg passt: Persönliche Instruktionen von Manjushri, dem Fünften Dalai Lama, betonen, dass wir die Unzulänglichkeiten unseres spirituellen Lehrers nicht naiv leugnen sollten. Wie viele Sutras konstatieren, ist es fast unmöglich, eine Lehrerin oder einen Lehrer zu finden, die oder der sämtliche positiven Eigenschaften besitzt. Zumindest jedoch sollte die Person mehr positive als negative Eigenschaften haben. In diesem Sinne sollten wir niemals die positiven Eigenschaften eines missbrauchenden Lehrers leugnen. Wir werden viel mehr davon profitieren, wenn wir die positiven Eigenschaften und das, was wir von einer Person gelernt haben, schätzen und anerkennen, als wenn wir uns über ihr unethisches, destruktives Verhalten beklagen und beschweren.

Schlussfolgerung

Wenn wir eine schmerzhafte Beziehung zu einem missbrauchenden Lehrer haben, müssen wir sein Verhalten definitiv ablehnen und sogar starke Maßnahmen ergreifen, es zu beenden, falls sanftere versagen. Aber wir sollten nicht so stark daran festhalten, dass wir – indem wir denken, es sei „so schlecht“ gewesen und uns kontinuierlich beschweren – niemals loslassen. Mit anderen Worten: Wir gehen mit der Situation um und lassen sie dann los. Wir legen den Schwerpunkt darauf, den Nutzen zu erkennen, den wir von der Person und dem, was wir gelernt haben, gewinnen konnten. Das sollten sie nicht leugnen. Dieser Ansatz ist in Übereinstimmung mit dem tantrischen Rat im Kalachakra, respektvolle Distanz zu wahren, und öffnet die Tür hin zu einer spirituellen Gemeinschaft, in deren Rahmen man von solchen Störungen heilen kann. Ansonsten würde jeder in einem Trauma verharren und viele Menschen können entmutigt werden und ihren spirituellen Weg aufgeben. Wir müssen den Menschen helfen zu heilen. Deshalb ist Mitgefühl so wichtig; es ist der Schlüssel zu allem Glück.

Dr. Alexander Berzin

Drei Buddhisten gehen in eine Bar

In diesem Beitrag fasst Kiera van Gelder das Verhältnis westlicher Dharma-Praktizierender und ihrer Lehrer in eine ungewöhnliche und überraschende Metapher: von einer Bar, in der wir uns miteinander so betrinken, dass wir nicht mehr klar denken können – und dann nach Hause gehen mit dem ersten Meister, der uns Erwachen und Befreiung verspricht. Eines Tages passiert es: Die Heiligkeit bekommt Risse, unerleuchtetes Verhalten, Verwirrung und Enttäuschung sickern hindurch. Doch das stumme Mitansehen von Missbrauch ist keine spirituelle Praxis, sagt die Autorin. Missbrauch und Mitgefühl können nicht koexistieren.

Drei Buddhisten gehen in eine Bar. Ein Theravadin, ein Mahayana- und ein Vajrayana-Praktizierender. Der Vajrayana-Praktizierende fordert den höchsten Stuhl, der Mahayana-Praktizierende bietet seinen Körper als Stuhl an und der Theravadin sitzt, auf seinen Atem konzentriert, in der Ecke und ignoriert die abschätzigen Blicke, die auf ihn geworfen werden.

Drei weitere Buddhisten kommen durch die Tür. Und dann noch drei. Und noch mehr. Einer ist Kambodschaner, ein anderer Thai, eine Nepalesin, ein Tibeter, eine Chinesin, ein Japaner … bis die Bar mit flatternden Roben, rasierten Köpfen, Weihrauch, Gesängen und Gebeten in einer Kakophonie von Sprachen angefüllt ist.

Die Tür öffnet sich wieder und eine neue Gruppe von Praktizierenden tritt ein: die westliche Abteilung. Suchende, Therapeutinnen und Therapeuten, Physikerinnen und Physiker, Hippies, Gelehrte, Anthropologen, Ärztinnen und Ärzte, genesende Süchtige, Installateure, Künstlerinnen und Künstler. Die meisten sind enttäuscht von den vorgefertigten Produkten oder zwielichtigen Ladenbesitzern im Einkaufszentrum um die Ecke.

Stühle mit angenehmer Polsterung

Sie sortieren sich entsprechend den Lehrerinnen und Lehrern in ihren Roben, empfangen die ersehnten verschiedenen Ambrosia-Trünke. Einige der Therapeuten werfen sich vor den Rinpoches nieder, die genesenden Süchtigen sitzen im Schneidersitz, und die Gelehrten nehmen die Worte heiliger Texte auf und übersetzen sie. Einige Westlerinnen und Westler beginnen, neue Stühle zu bauen, mit angenehmerer Polsterung. Willkommen in der Bar der Buddhismen, wo Ost und West aufeinander treffen und alle nach Erleuchtung suchen.

Die Dinge scheinen gut zu laufen, bis unerleuchtetes Verhalten beginnt, durch die Risse der Heiligkeit zu sickern. Ein Lehrer häuft eine Flotte von Rolls Royce Wagen an, während seine Schülerinnen und Schüler in Armut leben. Ein anderer trinkt sich zu Tode, während seine Schülerinnen und Schüler seine Tugenden preisen. Zwischen Chanten und Stille entstehen Flüstern und Geheimnisse. Duftender Weihrauch trägt den Hauch verfaulender Heiligkeit.

Rinpoches verführen und erbitten hübsche junge Mädchen als Mittel zur Erleuchtung. Die Zen-Meister verlangen, dass Frauen ihre Brüste zeigen, um ihre Ego-Anhaftung zu vermindern. Mudras der Belästigung und Koans der sexuellen Unterordnung verwirren die aufrichtigen Absichten von Schülerinnen und Schülern. Kann ein buddhistischer Meister erleuchtet sein und anderen dennoch vorsätzlich schaden? Ethischen Fragen wird mit autoritären Vorwürfen entgegnet:
Diesen westlichen Schülerinnen und Schülern fehlt die Hingabe und der Glaube an die Authentizität des Buddhismus. Ihr relativistischer Verstand kann die Mittel zur Überschreitung des Ego nicht erfassen. Diese Schülerinnen und Schüler hätten wissen sollen, worauf sie sich eingelassen haben.

In dieser Bar betrinken wir uns

Als westliche Menschen, die in die traditionelle buddhistische Praxis eintreten, müssen wir alle in diese Bar gehen. Und unglücklicherweise betrinken sich die meisten von uns und gehen mit dem ersten Lehrer, den wir treffen, nach Hause. Wir hoffen, dass jemand in diesem Raum uns einen klaren Weg aus dem überwältigenden Leid und der Verwirrung des Lebens bieten kann. Wir hungern nach dem „Authentischen“ und dem „Legitimen“ in einer Welt, die sich zunehmend in eine Fassade verwandelt. Wenn wir uns entmachtet fühlen, empfangen wir „Ermächtigungen“ von Lehrerinnen und Lehrern, die eine Traditionslinie verkünden, die ungebrochen zurückgeht bis zu dem Erwachten.

Wenn wir in die Bar gehen, tragen wir eine tiefe, verletzliche Sehnsucht in uns: Wir wollen dieses Getränk, das reine Elixier einer Heilung, um uns selbst, unser Leben, die Welt, in der wir leben, zu reparieren. Wir wollen mit dem Menschen nach Hause gehen, der uns in Ordnung bringen wird. Und es ist überwältigend anziehend und verführerisch, wenn diese Buddhismen, die uns begrüßen, uns Freiheit, Befreiung, Seelenfrieden und Glück versprechen, sofern wir nur Übung und Vertrauen aufbringen und ihren Wegen bedingungslos folgen.

Wenn wir uns vorstellen würden, dass in diesem kritischen Moment der historische Buddha die Bar beträte – womit würde er sich in Beziehung setzen? Was wäre eine genaue Wiedergabe seiner Lehren und Erfahrungen?

Würde er den Status des tibetischen Rinpoche als erleuchtete Reinkarnation unterstützen? Würde er die Perfidie des gefeierten Meisters als „verrückte Weisheit“ bewundern? Würde er den völligen Rückzug einiger Praktizierender aus weltlichen Angelegenheiten zum Zwecke der Nichtanhaftung dulden? Und vielleicht die drängendste Frage: Werden irgendwelche der Wahrheiten, die er, allein unter dem berühmten Baum sitzend, erlebt hat, in der Bar der Buddhismen praktiziert?

Ist der Buddhismus immun gegen die Wahrheiten, die er offenbart?

Wenn man als Lernende oder Lernender tief in die historische Tradition des Lebens des Buddha und den ursprünglichen Pali-Kanon eintaucht, kann das Problem nicht so einfach gelöst werden. Die Buddhismen in der Bar enthalten alle die Grundlagen seiner Weisheit, aber gleichermaßen trifft zu, dass jeder Buddhismus in einer bestimmten Kultur gebraut wurde, eingerührt in eine bereits etablierte Weltanschauung und soziale Struktur. Der Buddhismus gärt mit fortschreitender Zeit.

Obwohl sie von vielen als unveränderlich betrachtet werden, können sich die Lehren des Buddha den Auswirkungen von Zeit und Ort nicht entziehen. Etwas anderes zu behaupten, negiert eine erfahrungsmäßige Grundlage des Dharma selbst: die Tatsache der Vergänglichkeit. Die buddhistische Praxis veranlasst uns, die Tatsache zu untersuchen und aus erster Hand zu wissen, dass sich alle Dinge ändern. Es muss also eine Frage gestellt werden: Ist der Buddhismus immun gegen die Wahrheiten, die er offenbart?

Was ist Teil des Dharma?

Wenn wir in die Bar gehen, auf der Suche nach einer wichtigen Beziehung und am Ende den ersten „Meister“, den wir treffen, mitnehmen, wäre es in unserem Interesse, mehr darüber zu erfahren, wo er (oder sehr selten: sie) herkommt. Welche kulturellen Gebräuche spiegeln sich in seinem Status und seiner Lehrstruktur wider? Schließt seine Weltanschauung ein, das Frauen Männern gleichwertig sind, geistig und in anderen Hinsichten? Wird der Achtfache Pfad des Buddha und ein ethisch verantwortliches Verhalten umgangen oder umarmt? Es wäre gut zu hinterfragen, ob all das Verbeugen, Singen, die Opfergaben, Visualisierungen, Rückzüge, Meditationen und die persönliche Preisgabe von Vernunft und Logik Teil des Dharma sind. Wir müssen anfangen zu fragen: Ehren diejenigen, die den Buddhismus praktizieren, tatsächlich ihre Gelübde, sich selbst und anderen keinen Schaden zuzufügen? Denn wir wissen, tief in unseren Herzen: Es gab keinen geheimen 9. Pfad, der Dharma-Lehrer legitimieren würde, denen zu schaden, die ihnen vertrauen. Wir wissen auch, trotz der vielen Direktiven, die dem Sangha auferlegt wurden, nicht zu „klatschen“ oder „schlecht über den Lehrer zu sprechen“, dass das stumme Mitansehen von Missbrauch keine spirituelle Praxis ist. Missbrauch zuzulassen und Mitgefühl auszuüben können nicht koexistieren.

Eine oft zitierte und ebenso oft angefochtene Lehre des Buddha findet sich im Kalâmer Sutra. Die Kâlâmer-Suchenden fragten den Buddha, wie sie die Wahrhaftigkeit der vielen Lehrer überprüfen könnten. Seine Antwort (unterschiedlich, aber im Kern doch ähnlich übersetzt) lautet so:

„Recht habt ihr, Kalâmer, dass ihr da im Unklaren seid und Zweifel habt. In einer Sache, bei der man wirklich im Unklaren sein kann, seid ihr es. Geht nicht nach Hörensagen oder Gerücht, Überlieferung oder Tradition, modischen Meinungen oder heiligen Schriften, nicht nach Vernünftelei, logischer oder rhetorischer Kunstfertigkeit, Gedankengebäuden oder scheinbar attraktiven Ideen; nicht nach dem scheinbaren Talent oder der Autorität eines spirituellen Meisters. Aber wenn ihr für euch selbst versteht: ‚Diese Dinge sind unheilsam, verwerflich, werden von Weisen kritisiert, und, wenn man sie annimmt und umsetzt, führen sie überall zu Schaden und Leiden‘, dann, o Kâlâmer, sollt ihr sie aufgeben.“

Habe ich, in meiner Praxis und Suche, diese Worte beachtet? Nein. Zu meinem eigenen Entsetzen habe ich das Verhalten meines Lehrers nicht in Frage gestellt, weil ich wollte, dass er mich zur Befreiung führt. Ich war betrunken von einer Verführung und nicht einfach nur von einem Lehrer. Mein Durst vernebelte meinen gesunden Menschenverstand. In der Bar gefangen, nach Antworten suchend, verließ ich selten den Raum, um mich unter einen Baum zu setzen und mich einer tiefgründigen Untersuchung jenseits aller menschlichen Konstruktionen zu öffnen. Meine Trunkenheit nährte sich von den Ritualen, den Verbeugungen, dem Sitzen zu Füßen eines Mannes, der „wusste“, und als der Rinpoche mich sexuell berührte und versprach, „Je näher du mir bist, desto näher bist du dem Erwachen“, wollte ich ihm glauben, auch wenn mein Körper und mein Geist rebellierten.

Es war eine schmerzhafte Entgiftung für mich. Und viele Jahre lang fühlte ich mich wie das Opfer eines grausamen Schwindels: dass Lehrer und Gemeinschaften, die Mitgefühl und Weisheit als ihr höchstes Ziel proklamieren, anderen Menschen solche Schmerzen zufügen können. Ich ging schließlich zur Tür hinaus. Oder besser gesagt, ich bin halb gestolpert, halb geflohen von jenen zusammengebastelten Stühlen, geschnitten aus Bäumen, unter denen wir eigentlich hätten sitzen sollen. Drinnen, hinter mir, griff mein Lehrer nach der nächsten jungen Schülerin.

Sein Erwachen trug ihn ins Leben

Die Lehren des Buddha basierten alle auf einem experimentierenden Bewusstsein. Bewusst sitzen, bewusst gehen, sich bewusst bewegen: Er hat diese Erkenntnis allein erreicht. Diese Handlung wird vielleicht die größte Herausforderung für alle Buddhismen sein.

So wie der Buddhismus der Tatsache der Unbeständigkeit nicht entkommen kann, zerstört der Kern seiner Praxis die Strukturen, die an ererbtem Wissen und Autorität festzuhalten versuchen.

Während einige sagen werden „Ich habe das authentischste Getränk“ und in der Bar bleiben, lerne ich, mich unter einen Baum zu setzen. „Ich habe gelernt, ganz normal zu sein“, erzählte mir eine andere Frau, die die Bar verließ. „Buddhanatur ist das, was ich bin. Niemand kann sie mir geben oder nehmen.“ Vielleicht ist das der Grund, warum der Buddha nach seinem Erwachen den Boden als Zeugen berührte. Seine Geste war nicht rituell. Sein Erwachen trug ihn ganz und gar ins Leben.

Kiera Van Gelder

Dieser Artikel wurde übersetzt von Susanne Billig und publiziert mit freundlicher Genehmigung der Autorin und des  Buddhism controversy Blog von Tenzin Peljor, wo er auf Englisch erschien.

Das Thema im Netz:

 

Sogyal Rinpoche: Fehlverhalten oder Vajrayana?

Sogyal Rinpoche ist der Gründer der buddhistischen Gemeinschaft Rigpa, die inzwischen in zahlreichen Ländern weltweit vertreten ist und sich in vielen Projekten engagiert. In einem Brief vom 14. Juli 2017 haben acht gegenwärtige und ehemalige Schülerinnen und Schüler – viele davon langjährig und in hohen Verantwortungspositionen bei Rigpa aktiv – ihrem buddhistischen Lama und Lehrer umfängliches missbräuchliches Verhalten vorgeworfen, bis hin zu routinemäßigen sexuellen Übergriffen und massiver körperlicher Gewalt. Daraufhin entstand eine Diskussion, die wir auf dieser Seite dokumentieren. Die Seite wurde Anfang 2018 das letzte Mal aktualisiert und präsentiert den Stand der Debatte zu der Zeit.

DOKUMENT 1: „Missbraucht, geschlagen, lächerlich gemacht“ – Schülerinnen und Schüler von Sogyal Rinpoche erheben schwere Vorwürfe, Brief vom 14. Juli 2017

Der Brief vom 14. Juli 2017 mit den schweren Vorwürfen von acht Rigpa-Schülerinnen und -Schüler sollte nach dem Willen der Briefautorinnen und -autoren zunächst nur an Sogyal Rinpoche selbst und ausgewählte Mitglieder der Gemeinschaft versandt werden. Doch bald schon kursierte er auch außerhalb von Rigpa und wurde rasch auch von der amerikanischen buddhistischen Zeitschrift „Lion’s Roar“ auf der Webseite des Magazins zur Verfügung gestellt. BUDDHISMUS aktuell dokumentiert den Brief im vollen Wortlaut.

Sogyal Lakar,

die Rigpa-Sangha befindet sich in einer Krise. Seit langem schwelende Probleme mit deinem Verhalten können nicht länger ignoriert oder geleugnet werden. Als Schülerinnen und Schüler, die dir seit langem verpflichtet und ergeben sind, sind wir davon überzeugt dass wir uns zu deinem gewalttätigen und missbrauchenden Verhalten äußern müssen. Dein Verhalten hat uns persönlich, unseren Brüdern und Schwestern in der Rigpa-Organisation und darüber hinaus dem Buddhismus im Westen geschadet. Wenn wir dir schreiben folgen wir dem Dalai Lama darin, dass Schülerinnen und Schüler tibetischer Lamas dazu verpflichtet sind, Bedenken über ihre Lehrerinnen und Lehrer zu teilen:
Wenn man die Lehren klar präsentiert, ist dies zum Wohle anderer. Aber wenn jemand den Dharma lehren soll und sein Verhalten ist schädlich, ist es unsere Verantwortung, dies mit einer guten Motivation zu kritisieren. Das ist konstruktive Kritik, und man braucht sich dabei nicht unwohl zu fühlen. In „Die zwanzig Verse über das Bodhisattva-Gelübde“ heißt es, dass Handlungen gleich welcher Art frei von Schuld bleiben, die Sie mit einer reinen Motivation ausüben. Buddhistische Lehrer, die Sex, Macht, Geld, Alkohol oder Drogen missbrauchen, und die ihr Verhalten nicht korrigieren, wenn ihre eigenen Schülerinnen und Schüler sie mit legitimen Beschwerden konfrontieren, sollten offen und namentlich kritisiert werden. Das kann sie beschämen und veranlassen, ihr missbräuchliches Verhalten zu bedauern und zu beenden. Das Negative herauszustellen schafft Raum dafür, dass die positive Seite zunimmt. Wenn man ein solches Fehlverhalten veröffentlicht, sollte klargestellt werden, dass solche Lehrer den Rat des Buddhas nicht beachtet haben. Allerdings ist es nur fair, auch deren gute Qualitäten zu erwähnen, wenn man das ethische Fehlverhalten eines buddhistischen Lehrers oder einer buddhistischen Lehrerin öffentlich macht.
Der Dalai Lama, Dharamsala, Indien, im März 1993

Dieser Brief bringt unsere Forderung zum Ausdruck, dein unethisches und unmoralisches Verhalten zu beenden. Dein öffentliches Auftreten ist das des Weisen, des Freundlichen, des Humorvollen, des Warmherzigen, voll des Mitgefühls; dein privates Verhalten aber, deine Art, wie du dich hinter der Bühne zeigst, sind zutiefst verstörend und verunsichernd. Einige von uns haben unsere Bedenken über dein Verhalten mit dir persönlich besprochen, aber das war für dich kein Anlass zur Veränderung.
Die von uns, die dir heute schreiben, haben deine missbrauchenden Verhaltensweisen und die großen Bemühungen, sie vor anderen zu verbergen, persönlich erlebt. Und unser Unmut in dieser Sache steigert sich noch, wenn wir anschauen, welche Organisationskultur du um dich herum erzeugt hast, um zu gewährleisten, dass absolute Verschwiegenheit in Bezug auf deine Handlungen herrscht. Dabei steht das alles im scharfen Kontrast zu deiner Weisung, in der Sangha für Offenheit und Transparenz zu sorgen. Wir wollen diese Verschleierung durch Geheimhaltung, Betrug und Falschheit beenden. Wir können nicht länger schweigen.
Unsere aufrichtige Hoffnung ist, dass dieses gemeinsame Schreiben konkretere Ergebnisse hervorbringt als unsere jeweiligen Einzelgespräche mit dir. Wir hoffen, dass sich nun statt oberflächlicher Versprechen langfristige und ehrliche Veränderungen ergeben.

Unsere wichtigsten Sorgen sind:

  1. Dein physischer, emotionaler und psychischer Missbrauch von Schülerinnen und Schülern.
  2. Deine sexuellen Vergehen an Schülerinnen und Schülern.
  3. Dein unersättlich verschwenderischer und genusssüchtiger Lebensstil.
  4. Handlungen von deiner Seite, die unsere Wertschätzung für die Dharmapraxis vergiftet haben.

1.    Physischer, emotionaler und psychischer Missbrauch

Wir haben persönlich durch dich viele verschiedene Formen der physischen Misshandlung erfahren bzw. haben diese bei anderen miterleben müssen. Du hast uns gehauen und getreten, an den Haaren und den Ohren gezogen, du hast uns mit verschiedensten Dingen geschlagen. Mit deinem Rückenkratzer, mit Kleiderbügeln, Telefonen, Tassen, mit was auch immer gerade zur Hand war. Wir haben über viele Jahre darauf vertraut, dass diese körperliche und emotionale Behandlung von Schülerinnen und Schülern – was du als deine „geschickten Mittel“ des „zornvollen Mitgefühls“ in der Tradition der „verrückten Weisheit“ geltend gemacht hast – dazu diente, uns in unserem eigenen tiefsten Interesse von unseren „Gewohnheitsmustern“ zu befreien. Wir glauben nicht länger, dass das so ist. Wir glauben, dass dein Verhalten nicht anteilnehmend war, sondern deinem eigenen Mangel an Disziplin und deinen eigenen Frustrationen entspringt. Deine körperlichen Misshandlungen – die unter der jeweiligen Rechtsprechung, unter der du sie begangen hast, einen Bruch des Gesetzes darstellen – haben deine Mönche, Nonnen sowie Laienschülerinnen und -schüler mit blutigen Verletzungen und Narben zurückgelassen. Das ist kein Wissen aus zweiter Hand, wir haben dein Verhalten über Jahre persönlich erfahren und können es bezeugen.

Warum bist du uns und unseren Freundinnen und Freunden im Dharma gegenüber so gewalttätig geworden? Warum hast du uns geschlagen, geohrfeigt, getreten, uns an den Haaren gezogen? Weil dein Essen nicht heiß genug war, weil du eine halbe Stunde zu spät aus deinem Nickerchen geweckt wurdest, weil in deiner Telefonliste ein Name fehlte oder eine Schrift die falsche Größe hatte, weil das Internet zu langsam war, dein Assistent nicht aufmerksam genug war (1), wir uns nicht richtig „auf deinen Geist einstellten“ und nicht vorhersehen konnten, was du wolltest, oder weil du schlechter Laune warst wegen einer Verstimmung mit einer deiner Liebhaberinnen. Es gibt Hunderte von Beispielen trivialer Vorfälle, die dich ausrasten ließen und dich dazu brachten, so brutal zu reagieren.

Deine psychischen und emotionalen Misshandlungen waren aber vielleicht verletzender als die körperlichen Narben, die du uns zugefügt hast. Während wir für dich gearbeitet haben, um die Infrastruktur für deine Lehrtätigkeit in verschiedenen Teilen der Welt zu organisieren (Europa, Nordamerika, Australien, Indien, Nepal), hast du einige deiner engsten Schülerinnen und Schüler so bloßgestellt und ihnen so gedroht, dass sie emotionale Zusammenbrüche erlitten. Du hast uns immer erzählt, wir sollten dankbar sein für deine persönliche Anteilnahme und dafür, dass du uns unsere versteckten charakterlichen Mängel „aufzeigst“ und uns von unserem „eigensüchtigen Ego“ befreist.

Wir glauben nicht länger, dass das so ist. Das alles hat uns verletzt, anstatt zu helfen. Das alles war eine Form der Kontrolle, es war eine massive Form der Unterwerfung und unangemessene Einflussnahme, die uns unsere Freiheit nahm. Du hast uns und anderen angedroht, dass wir „Blut spucken wie Ian Maxwell“ (2), wenn wir dir nicht gehorchen. Du hast uns erzählt, dass wir die Gesundheit unserer Liebsten riskieren oder dass sie gestorben sind, weil wir dir in irgend einer Form missfallen haben. (3) Bei öffentlichen Unterweisungen hast du regelmäßig uns und alle, die für deine Retreats gearbeitet haben, kritisiert, dir zum Vorteil beeinflusst oder bloßgestellt. Du hast uns über Jahre hinweg erzählt, das sei dein einzigartiger Stil, deine Schülerinnen und Schüler „auszubilden“ und dass öffentliche Beschämung Teil der Guru-Schüler-Beziehung sei. Wir glauben nicht länger, dass das so ist.

Als immer mehr Schülerinnen und Schüler auf Grund deiner „Ausbildung“ an den Rand des emotionalen Zusammenbruchs gerieten, hast du die „Ripa-Therapie“ für deine engsten Schülerinnen und Schüler eingeführt. Professionelle praktizierende Therapeuten (die auch deine Schüler sind) wurden damit beauftragt, an den Qualen derjenigen zu arbeiten, die du körperlich, emotional und psychisch misshandelt hattest. In Zweiersitzungen hörte der Therapeut von deinen Methoden der „verrückten Weisheit“ und sah die Traumata, die das in der Klientin und im dem Klienten verursacht hatten. Eine der Methoden dieser „Rigpa-Therapie“ zu Bearbeitung solcher Traumata bestand darin, die Einsicht für ungültig zu erklären, dass du als Lehrer und Verursacher die Quelle dieser Traumata warst. Stattdessen wurden wir angewiesen, alte Familienverhältnisse und -geschichten als das Problem anzusehen. Wir wurden daran gehindert, dich in unseren klaren, konkreten Einsichten als denjenigen zu erkennen, der tatsächlich Täter war, und stattdessen wurden wir beschuldigt und dazu gebracht, uns selbst als minderwertig zu betrachten. Falls eine „Therapie“ der Schülerin oder dem Schüler nicht dazu verhalf, ihre oder seine Ansicht zu ändern, wurde der Therapeut dazu gebracht zu glauben, er oder sie sei nicht qualifiziert genug für die Aufgabe.

2. Sexuelle Vergehen

Du nutzt deine Rolle als Lehrer, um Zugang zu jungen Frauen zu finden, um sie zu nötigen, einzuschüchtern und sie dazu zu bringen, dir sexuelle Gefälligkeiten zu erweisen. (4) Die andauernden Kontroversen um deine sexuellen Verfehlungen, über die wir im Internet erfahren, sind nur ein kleiner Ausschnitt aus deinem jahrzehntelangem Verhalten. Für manche von uns bestand die sexuelle Schikane darin, dass man angewiesen wurde, sich auszuziehen oder die eigenen Genitalien zu zeigen (Männer wie Frauen) oder dich mit oralen Sex zu beglücken oder dass man sich von dir begrapschen lassen musste, dass man angewiesen wurde, Fotos von den eigenen Genitalien zu machen, dass man Sex mit der eigenen Partnerin oder dem Partner in deinem Bett haben musste, dass man dir die sexuellen Beziehungen zum eigenen Partner beschreiben musste. Du hast Schüler damit beauftragt, deine Assistentinnen und Partnerinnen nackt zu fotografieren. Diese Fotos sollten dann von anderen Schülern zu Collagen verarbeiten werden, die du wiederum weiter herumzeigtest. Du hast eine deiner weiblichen Assistentinnen einem anderen (bei Rigpa wohlbekannten) Lama zum Sex angeboten. Du hattest und hast seit Jahrzehnten sexuelle Beziehungen mit einer Reihe deiner weiblichen Schülerinnen, die auch deine Assistentinnen sind. Manche von ihnen sind verheiratet. Du hast uns angewiesen zu lügen, um dich zu decken, um deine sexuellen Beziehungen vor deinen anderen Liebschaften zu verbergen. Öffentlich behauptest du, dass deine Beziehungen völlig normal seien, einvernehmlich und angemessen, da du kein Mönch seist. Du verneinst jedes Fehlverhalten und hast mitunter sogar behauptet, dass du verführt worden seist. (5) Du und andere in deiner Organisation behaupten, dass dies das Verhalten eines buddhistischen Meisters der „verrückten Weisheit“ sei, genau wie es tantrische Adepten der Vergangenheit taten. Wir glauben nicht, dass das so ist. Stattdessen gehen wir davon aus, dass solche Behauptungen Versuche sind, offenkundig empörendes Verhalten wegzuerklären.

3. Unersättlicher Lebensstil

Dein verschwenderischer Lebensstil wird vor Tausenden deiner Schülerinnen und Schüler versteckt. Es ist eine Sache, eine Spende vom Besten (was jemand zu bieten hat) als anerkennendes Zeichen unserer Dankbarkeit für spirituelle Belehrungen anzunehmen. Es ist etwas ganz anderes, dies von uns zu fordern. Viel von dem Geld, welches deine luxuriösen Bedürfnisse befriedigt, stammt aus Spenden von Schülerinnen und Schülern, die glauben, damit Weisheit und Mitgefühl in der Welt zu fördern.

Als Assistenten, Fahrer und Organisatorinnen entfällt der Großteil unserer Zeit und Energie darauf, einen steten Fluss sinnlicher Vergnügungen für dich bereit zu halten. Du verlangst jede erdenkliche Form von Essen – zu jeder Tages- und Nachtzeit – von deinen persönlichen Köchen und Bediensteten, (für die Rigpa bezahlt), die mit dir die Welt bereisen. Du verlangst alle möglichen Formen der Unterhaltung. Das beinhaltet zum Beispiel detaillierte TV-Programmführer für die Sendungen, die du oft endlose Stunden lang anschaust. Dazu kommen ausführliche Listen über Filmprogramme, damit du immer weißt, was es in den Kinos in deiner Nähe zu sehen gibt. Oder die kontinuierlichen Updates über Restaurants mit Take-away-Essen, 24 Stunden am Tag abrufbereite Fahrer und Masseurinnen, um dich zu bedienen oder dich und deine Freunde ins Kino, in teure Restaurants, zum Shoppen oder an verschwiegene Orte zu bringen, an denen du deine teuren Zigarren rauchen kannst.

Mit Ungeduld hast du stets nach solchen Vergnügungen und dekadenten sinnlichen Genüssen verlangt. Wenn diese nicht auf Fingerschnippen zur Verfügung standen oder nicht genau so, wie verlangt, wurden wir beleidigt, erniedrigt, als wertlos, dumm oder inkompetent bezeichnet und oft genug geschlagen oder geohrfeigt. Dein Verhalten hat nicht unsere Achtsamkeit und Aufmerksamkeit gefördert, sondern uns in Schrecken davor versetzt, einen Fehler zu machen. Du erzählst deinen Schülerinnen und Schülern, du würdest die meiste Zeit damit verbringen, buddhistische Studien und Praxis zu betreiben, doch diejenigen von uns, die dir über Jahre privat gedient haben, wissen, dass dies nicht der Wahrheit entspricht.

Wir denken, dass es unethisch ist, wenn unsere finanziellen Beiträge – die man dem Dharma zu geben meint – dazu genutzt werden, deinen verschwenderischen Lebensstil zu bezahlen. Wenn du dich deines Verhaltens nicht schämst, dann trage es offen zur Schau. Erlaube deinen Schülerinnen und Schülern zu sehen, wer du wirklich bist, und lass sie nach eigenem bestem Wissen ihre Entscheidung darüber treffen, ob du ihr Lehrer sein solltest.

4. Vergiftung unserer Wertschätzung der Dharmapraxis

Du solltest wissen, dass das Unglück, welches du über uns gebracht hast, auch unsere Wertschätzung des Dharma und seiner Praxis vergiftet hat. Während Jahrzehnten der Studien und der Praxis des tibetischen Buddhismus mit dir haben wir es uns zur Gewohnheit gemacht, dich als die „Verkörperung des Juwels“ zu sehen, als die „Quelle aller Lehren und des Segens“ des Buddhadharmas. Wir haben dir völlig vertraut. Trotzdem haben wir Jahre damit zurecht kommen müssen, dass dein Verhalten nicht mit deinen Lehren in Übereinstimmung zu bringen waren.
Heute, da viele von uns dich, die Lerab Ling-Gemeinschaft und die Rigpa-Organisation verlassen haben, ist die Basis unseres Vertrauens in den Buddhadharma in Frage gestellt. Manche von uns haben ihren gesamten Besitz zurückgelassen, als sie verzweifelt versuchten, so schnell wie möglich deinen Misshandlungen und der Gemeinschaft, die diese unterstütze, zu entkommen. Egal, ob wir plötzlich verschwanden oder allmählich von dir und Rigpa Abstand nahmen, wir ringen darum, die Anerkennung für eine transformative Lehre und ihre Lehrerinnen und Lehrer wieder zu gewinnen. Oft, wenn wir versuchen zu meditieren oder zu praktizieren, spüren wir das Gift, das wir durch unsere Erfahrungen mit dir aufgenommen haben. Einige von uns verbinden mit den Vajrayana tiefes Misstrauen. Andere von uns versuchen, die Basis für ihre Studien und Praxis von Grund auf zu erneuern und müssen dabei erkennen, dass deine Machenschaften sich mit allem vermischt haben, was sie gelehrt wurden. Manche versuchen das alles therapeutisch zu verarbeiten. Das alles ist das genaue Gegenteil deines Anspruchs, allen Menschen den Dharma zu bringen. Resultat deiner Methoden ist, dass unser Verhältnis zum Dharma korrumpiert wurde. Wir erkennen nun deutlich, wie du unser Vertrauen in vielfacher Weise ausgenutzt, wie du uns in deine Machenschaften verwickelt und uns und unsere Brüder und Schwestern im Dharma missbraucht hast.
Wir zeigen hier keinen Mangel an Vertrauen und Respekt, als seien wir „Störenfriede“, die „unrechte Rede“ führten, wie du so oft behauptet hast, wenn jemand es wagte, gegen deine Methoden aufzubegehren. Wir haben dir zu lange vertraut, wir haben wieder und wieder im Zweifel für den Angeklagten gestimmt. Bei dem Versuch, diese Bedenken zu äußern, hast du uns bloßgestellt und damit gedroht, die Lehre an niemanden mehr weiterzugeben, weil wir „Zweifel“ hegten. Du hast uns dazu ermutigt, andere zu diffamieren, besonders in Frankreich, wo besonders viele Menschen in den vergangen Jahren ihre Stimme gegen dich erhoben. Wir mussten mit ansehen, wie du die Lehren zur Geisel nahmst, um von Schülerinnen und Schülern zu fordern, dass sie ihre Verehrung immer wieder durch „Spenden“ in Form von Geld und unbezahlter Arbeit zeigten. Du erzählst uns, das sei die Art und Weise einer authentischen Praxis des Dharma. Wir glauben nicht, dass so der Weg des Dharma aussieht.
Was deinen Missbrauch angeht, deine sexuellen Verfehlungen und deinen verschwenderischen Lebensstil, so sehen wir keine klar erkenntlichen ethischen Standards oder Richtlinien, an die du dich halten würdest. Wir haben es mit einem Vakuum an Verantwortlichkeit zu tun. Wir hoffen, dass wir, indem wir diesen Brief an unsere Gefährten und die Rigpa-Dzogchen-Mandala-Schüler schicken, helfen, dieses Vakuum zu füllen.
Was du die letzten dreißig Jahre gelehrt hast, besonders „Das Tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“, hat vielen großen Nutzen gebracht, auch denjenigen, die dir dies heute schreiben. Falls wir das alles falsch sehen, berichtige unsere falsche Sichtweise. Wenn es tatsächlich das ethische und mitfühlende Verhalten eines buddhistischen Lehrers sein sollte, uns zu schlagen und zu treten, Sex mit Schülerinnen und verheirateten Frauen zu haben und deinen verschwenderischen Lebensstils aus den Spenden deiner Schülerinnen und Schüler zu finanzieren, dann bitte erkläre uns dies. Falls es aber so sein sollte, dass wir mit unserer Beurteilung richtig liegen, dann beende dein Verhalten, da es für andere verletzend ist.
Zum Schluss bestätigen wir, dass das meiste, was an öffentlicher Kritik im Internet zu finden ist, den Tatsachen entspricht. Einige von uns, die verantwortliche Positionen innerhalb von Rigpa innehatten, ringen schwer damit, dich gedeckt und deine Verhalten „wegerklärt“ zu haben, während sie sich nicht um die gekümmert haben, die traumatische Erfahrungen davontrugen. In der der Vergangenheit hat uns die Motivation geleitet, alle Handlungen unseres tantrischen Lehrers als rein anzusehen. Dies hat uns den Blick für den ganz realen Schaden verstellt, den du verursachst. Jeder von uns überdenkt sein eigenes Verhalten genau und versucht daraus seine Schlüsse zu ziehen, während wir uns gegenseitig auf dieser Reise unterstützen. Wir können nicht länger stillhalten, während du andere im Namen des Buddhismus verletzt. Unser ehrlicher Wunsch ist es, den Buddhismus im Westen blühen zu sehen. Wir wollen uns nicht länger an der Dummheit versündigen, den Guru um jeden Preis als perfekt anzusehen. Der Weg fordert nicht von uns, unsere Unterscheidungsfähigkeit zu unterscheiden, unsere Ethik und Moral oder unsere Integrität auf dem Altar des „Guru-Yoga“ zu opfern.
Unser aufrichtiger Wunsch ist es, dass du dir Orientierungshilfe beim Dalai Lama holst, bei anderen Lamas mit gutem Herzen oder bei wem auch immer, der es dir ermöglichen würde, auf den wahren Pfad des Dharma zurückzukehren.

Mit dem tiefsten Respekt für den Dharma,

Mark Standlee, Schüler sei 33 Jahren, Drei-Jahres-Retreat, ehemaliger Direktor von International Rigpa Online Courses & Rigpa US Teaching Services für 5 Jahre, International Senior Instructor
Sangye, Schüler seit 16 Jahren, Drei-Jahres-Retreat, buddhistischer Mönch seit 14 Jahren, Co-Direktor bei Technology for Rigpa International
Damcho, Schülerin seit 15 Jahren, Drei-Jahres-Retreat, buddhistische Nonne seit 10 Jahren, persönliche Begleiterin von Sogyal Lakar
Matteo Pistono, Schüler seit 19 Jahren, ehem. Rigpa US Board Member, Autor von Fearless In Tibet: The Life of the Mystic of Tertön Sogyal
Joanne Standlee, Schülerin seit 18 Jahren, Leitung von Sogyal Lakars Haushalt in den USA für 15 Jahre, National Director von Rigpa US für 7 Jahre, Director von ZAM America für 5 Jahre, Rigpa Instructor
Graham Price, Schüler seit 20 Jahren, Sogyal Lakars persönlicher Begleiter und Fahrer
Michael Condon, Schüler seit 21 Jahren, Rigpa Instructor, Sogyal Lakars persönlicher Begleiter und Fahrer in den USA
Gary Goldman, Schüler seit 23 Jahren

Anmerkungen:

  1. Im August 2016 boxte Sogyal Lakar einer Nonne vor einer Versammlung von über tausend Schülerinnen und Schülern in Lerab Ling in Frankreich in den Bauch.
  2. Während einer live übertragenen Unterweisung aus dem unvollendeten Tempel sagte Sogyal Lakar über Ian Maxwell, einen seiner ältesten Schüler, dass er „ein Arschloch“ sei. Ian lag zu dieser Zeit sterbend in einem Krankenhaus in Paris. Nach Ians Tod sagte Sogyal, das Ian „Blut spuckend starb“, da er ihm in der Vergangenheit Schwierigkeiten bereitet habe. Sogyal Lakar nutzte dieses Ereignis regelmäßig, indem er sagte: „Wollt ihr etwa Blut spuckend sterben wie Ian, weil ihr mir Schwierigkeiten gemacht habt?“. Er nutzte dies als Beispiel, um anderen Schülerinnen und Schülern mit den fatalen Konsequenzen zu drohen, die sie zu tragen hätten, falls sie seine Befehle nicht befolgten.
  3. Sogyal Lakar erklärte Graham Price, dass seine geliebte Partnerin Elena krank wurde (und ein Jahr später starb), weil Graham ihn angeschrien habe. Tatsächlich hatte Graham nicht einmal die Stimme erhoben.

Übersetzung: Susanne Billig, Online-Redaktion BUDDHISMUS aktuell

DOKUMENT 2: Brief von Sogyal Rinpoche an seine Sangha, Juli 2017

Dieser Brief war die erste Reaktion von Sogyal Rinpoche auf den Brief der acht Schülerinnen und Schüler. Geschrieben im Juli 2017 an eine einzelne Person, wurde er dennoch bald öffentlich.

Hallo (Name von der Redaktion entfernt),

ich schreibe dir, weil du ein Mitglied unserer Sangha bist und daher einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen hast. Wie du wahrscheinlich weißt, haben sich vor kurzem eine Reihe von Leuten sehr kritisch über mein Verhalten als buddhistischer Lehrer geäußert. Einige von ihnen, die meine Schüler gewesen sind und die ich liebe, haben gesagt, mir als ihrem Lehrer zu folgen, sei eine Erfahrung gewesen, die für sie verletzend war und Misstrauen in ihnen hat entstehen lassen. Ich weiß auch, dass diese Nachricht innerhalb unserer Gemeinschaft Schmerz und Verwirrung verursacht hat. Mir fehlen die Worte, um zum Ausdruck zu bringen, wie unendlich betrübt und traurig ich über all das bin.

Mein ganzes Leben habe ich mein Bestes versucht, um dem Buddhadharma zu dienen und diese Lehren in den Westen zu bringen, und es vergeht kein einziger Tag, an dem ich nicht darüber nachdenke, was ich für das Wohlergehen meiner Schüler tun kann, an dem ich sie nicht in meinem Herzen trage und Sorge und Verantwortung für ihren spirituellen Pfad empfinde. Nun ist jedoch klar, dass einige Menschen sich sehr enttäuscht und verletzt fühlen und nach Antworten und Veränderungen suchen. Bitte sei versichert, dass ich das sehr ernst nehme und nicht ignorieren werde. Ich selbst weiß ganz eindeutig, dass mein Verhalten anderen gegenüber niemals von eigennützigem Interesse oder schädlicher Absicht bestimmt war. Das wäre für mich undenkbar.

Gleichzeitig muss ich die Erfahrungen, die einige meiner Schüler angesprochen haben, hören und aufnehmen, und in den letzten Tagen habe ich sehr eingehend darüber reflektiert, welche Richtung ich einschlagen und auf welche Weise ich auf diese Punkte eingehen werde.

Ich habe mich bereits an Meister gewandt, die echtes Interesse an Rigpa und an unserem Wohlergehen haben, wie zum Beispiel Dzongsar Khyentse Rinpoche, Mingyur Rinpoche und andere, und habe sie um Rat gefragt, was wir tun sollen. Und ich werde ihre Hinweise befolgen.

Wie ich bei verschiedenen Gelegenheiten schon erwähnt habe, sind dieses Jahr und die folgenden beiden Jahre gemäß astrologischen Voraussagen eine Zeit, in der Hindernisse für meine Gesundheit und ganz allgemein für mein Leben auftreten können. Das wurde vor einigen Jahren von Kyabje Trulshik Rinpoche und später noch einmal von Orgyen Tobgyal Rinpoche bestätigt. Ich habe daher beschlossen, ihrem Ratschlag zu folgen und so bald wie möglich ins Retreat zu gehen. Schon seit vielen Jahren sehne ich mich danach, und ich habe das Gefühl, dass jetzt der richtige Augenblick dafür gekommen ist. Ich möchte während meines Retreats tiefgehend über mich selbst nachdenken, darüber, wie ich meine Schüler am besten unterstützen kann, und über die Zukunft von Rigpa.

Im Moment konzentriere ich mich ganz besonders auf die Lojong-Lehren – das Training des Geistes in Mitgefühl – und ein Vers, der mir speziell als Leitfaden dient und an den ich stets denke, ist:

„Möge ich meinen Geist in all meinen Handlungen untersuchen,
und wann immer ein negativer Gedanke oder eine negative Emotion entsteht,
werde ich ihnen, da sie mich und andere gefährden,
entschlossen entgegentreten und sie abwehren.”

 Ich beobachte meinen Geist fortwährend, mit Achtsamkeit und Gewahrsein, um in all meinen Worten und Handlungen wahrhaft mitfühlend zu sein. So stehen die Dzogchen- und Lojong-Lehren im Moment sehr stark im Mittelpunkt meiner eigenen Reflexion und Praxis. Man könnte in gewissem Sinne sagen, dass mein Retreat bereits begonnen hat.
Wenn ich im Retreat bin, wird das für andere Lehrer die Möglichkeit eröffnen, die Rigpa-Sangha in stärkerem Maße anzuleiten und zu beraten, und darum werde ich sie auch bitten. Gleichzeitig ist es der richtige Zeitpunkt, um die Rigpa-Arbeit an meine vertrauenswürdigen Schüler zu übertragen und selbst einen großen Schritt zurückzutreten.
Denke nur an die vielen außergewöhnlichen Belehrungen, die ich im Laufe der Jahre gegeben habe: was für ein unglaublicher Dharma-Reichtum. In gewissem Sinne brauchst du nicht viel mehr Belehrungen – es sind genug da für mindestens ein Leben! Also lass uns den Schwerpunkt darauf legen, diese Belehrungen in die Tat umzusetzen, durch Reflexion und Praxis.
Aber ich werde natürlich weiterhin für euch alle da sein und während meines Retreats Belehrungen mit euch teilen, euch anleiten und euch treffen, wann immer der Zeitpunkt dafür richtig ist. Ich werde das im Voraus planen, denke deshalb bitte nicht für einen einzigen Augenblick, dass du alleine oder im Stich gelassen würdest!
 In gewisser Hinsicht wird das Retreat tatsächlich eine Vorbereitung auf meinen Tod sein. Denn letztendlich müssen wir alle erkennen: Das Leben ist vergänglich. Wir alle müssen eines Tages sterben. Und wir wissen nicht wann. Wie ein großer Meister es einmal ausdrückte: „Das Dharma zu lehren und den Menschen zu helfen, ist wundervoll, aber denke daran: Du musst sterben.“ Wir alle müssen uns selbst gegenübertreten, wenn wir sterben; deshalb müssen wir wirklich vorbereitet sein.
 Ich bin euch allen so dankbar für euer Engagement und ganz besonders für die Liebe und Unterstützung, die ihr einander in dieser schwierigen Zeit gebt. Es ist äußerst wichtig, dass wir das tiefe Gefühl von Freundschaft, Offenheit und echter Fürsorge füreinander, das in unserer Sangha bereits besteht, weiter vertiefen.
Ich möchte euch alle ermutigen, aufeinander zuzugehen, gut füreinander zu sorgen, einander zuzuhören und füreinander da zu sein im liebevollen, mitfühlenden und offenen Geist von Buddhas Lehren.
 Ich weiß, dass viele von euch im Moment mit unangenehmen Fragen und Zweifeln zu kämpfen haben. Vergesst dabei aber bitte nicht all die guten Dinge und das große Ganze unserer Arbeit. Ich weiß, dass viele von euch den unglaublichen Segen der Lehren und die Transformation, die sie bewirken können, direkt erfahren haben, und dass viele von euch mir gegenüber Liebe und Dankbarkeit empfinden.
Vergesst niemals, was am allerwichtigsten ist: diese unglaublichen Lehren, die wir miteinander geteilt haben, und ganz besonders die unschätzbaren Lehren des Dzogpachenpo. Wir haben gemeinsam kostbare Momente erlebt, in denen wir alle den tiefgründigsten Aspekt unseres Bodhichitta, unsere Buddhanatur, die letztendliche Natur des Geistes erfahren haben. Wie könnten wir uns nicht daran erinnern? Wir müssen immer an diese Belehrungen denken und wir müssen sie halten, damit sie bis weit, weit in die Zukunft hinein Bestand haben. Sie dürfen nicht sterben. 

Ich werde auch beten und dafür praktizieren, dass Heilung und Verständnis vorherrschen, und ich werde, im Geiste der Kadampa-Meister der Vergangenheit, das Leid auf mich nehmen und das Glück und die Liebe den anderen geben. Ich möchte euch alle aus tiefstem Herzen bitten, die Lehren und einander niemals aufzugeben, sondern euch stattdessen einsgerichtet darauf zu konzentrieren, das wahre und unfehlbare Dharma zu praktizieren, angespornt von der unermesslichen Bodhichitta-Motivation, gehalten in der tiefgründigen und weiten Sicht der Nicht-Dualität und angeleitet vom Segen aller Meister unserer Linie.
Diese Gedanken wollte ich unbedingt sofort mit dir teilen. Ich werde weiter reflektieren und bald noch mehr zu sagen haben.

Mit Liebe und Segen

Sogyal Rinpoche

DOKUMENT 3: Pressemitteilung von Rigpa vom 21. Juli 2017

Am 21. Juli reagierte die Gemeinschaft Rigpa mit einer kurzen ersten Pressemitteilung, der später ausführlichere Stellungnahmen folgten.

Rigpa ist ein internationales Netzwerk buddhistischer Zentren, deren Ziel es ist, die buddhistischen Lehren über Meditation, Mitgefühl und Weisheit in der modernen Welt zur Verfügung zu stellen. Die Kurse und Programme, die von Rigpa angeboten werden, haben vielen Tausenden von Menschen überall auf der Welt geholfen, ihr Leid zu lindern und Sinn in ihrem Leben zu finden.

Es hat uns zutiefst erschüttert und betroffen gemacht, als wir von dem Brief erfahren haben, der von einer kleinen Schülergruppe an unseren spirituellen Leiter, Sogyal Rinpoche, gesandt wurde. Wir möchten klar und deutlich feststellen, dass Missbrauch in unserer Gemeinschaft keinen Platz hat und dass wir uns unserer Verantwortung bewusst sind, unseren Mitgliedern und der Öffentlichkeit eine sichere, einladende und unterstützende Umgebung zu bieten.

Wir respektieren Sogyal Rinpoches Entscheidung, in eine Phase des Retreats und der Reflexion einzutreten. In dieser Zeit werden sich Sogyal Rinpoche und Rigpa professionelle und spirituelle Beratung einholen und prüfen, welche weiteren Schritte eventuell notwendig sind. Wir haben bereits eine offene Diskussion über den Brief und die darin angesprochenen Punkte in unserer Gemeinschaft begonnen.

(Aus dem Englischen in Deutsche übersetzt von Rigpa Deutschland)

DOKUMENT 4: Antwortbrief der acht Rigpa-Schülerinnen und Schüler an Sogyal Rinpoche vom 25. Juli 2017

Am 25. Juli schrieben die acht Rigpa-Schülerinnen und -Schüler einen Antwortbrief an Sogyal Rinpoche. Er bezieht sich auf einen Brief von Sogyal Rinpoche an die acht, der nicht öffentlich wurde.

SL,

Thank you for your response to our letter of July 14. We have since met and are of one mind in what follows.

We are encouraged by your willingness to engage in a dialogue with us and that you are taking very seriously the harm your actions have caused. We agree with you that you should seek advice and guidance from the masters who have a genuine care and concern for R, such as DKR and MR. We too have confidence in a number of well respected lamas, whose support and concern have been extended to us.

We are confused that you did not mention that you will seek advice from HHDL, your eldest and senior most teacher. You have always spoken of him with such deep devotion. Certainly at this critical moment his guidance would be precious. Will you seek counsel from HH?

As you know, it was out of deep concern for our companions on the path, and the Buddha Dharma in general, that we felt compelled to write to you. Over the last two decades many close students have voiced their concerns to you about your behavior, but their efforts have been to no avail.In your response to us, you wrote, “… it was never, ever, my intention to hurt you or any other person, and if this is how it appears, then I am deeply shocked.” We did not question your motivation, nor did we write about the “appearance” of harm. What we said is that we clearly observe your actions and the consequences. You also repeatedly mentioned the manner in which your actions have been “perceived.” Again, the critical issue here is not about our and others’ perception; it is about how your actions have caused actual harm to many people.

The few examples in our first letter provided a small glimpse behind your public persona and represent just a fraction of the harm caused. You have not, in your response to us, nor has anyone within R, denied that you have done the things that we asserted.

While we have brought to light your actions, in accordance with HHs’ advice, we also want to say that we do not deny that you have benefited us and many other students with your teachings, and that you are a very skilled communicator. Still, at the same time, you have created very deep pain for many students. Knowing what we know, we could not remain silent any longer or else we would be complicit in any future harm you cause.

You said in your letter that we should all keep in mind “the greater vision” of R’s work and that Buddha Dharma should not be affected negatively. We could not agree more. If anything we said in our first letter, or this communication, is untrue, then, being one of the most prominent Tibetan Buddhist lamas in the world, you are obliged to clearly and compellingly refute our assertions. If you do not refute them, are you not risking the Buddha Dharma being harmed? If, however, our assertions are true, they must be acknowledged and fundamental corrections of behavior must be made.

Or, there is another way. You could say to the entire Sangha, “This is who I am and how I act. I can use violence how I want. I can coerce students to have sex. I will have sex with any young woman I meet, even your daughters who you proudly offer to me in service. I can live and act as I wish. You make the choice if you want to study with me or not.” We consulted with a number of CT students and it seems he was 100% out in the open with his less than conventional behavior; students could then make their own choice after knowing this behavior.

We have been heartened in recent days by the support from and discussion with senior Dharma teachers around the world, including Tibetan lamas. We will continue to follow their counsel in our communication with you and in our actions. We are following the advice of HHDL in bringing the behavior of our teacher into the light of day. We harbor no ill-will toward you. And, we want to be clear; we do not feel that we have broken samaya, trust, or our heart connection with you and others. We are clear that it is your actions towards us that have broken that trust. In your response to us, we had hoped that you would take responsibility and begin to try to repair this. However, instead of moving towards repairing, you ask for forgiveness for our misunderstanding, not for your actions. What kind of forgiveness is this?

We have not made public your response to us, or any of our communication with other Tibetan Buddhist lamas, or senior Western Dharma teachers. We have also received many requests for media interviews and we have not spoken to anyone yet. We have considered this an internal matter from the outset and because of the gravity of the situation, we hope that you will act with a sense of urgency in the coming days and either explain to everybody how your behavior, that we elucidated in the first letter, is acceptable, or else immediately refrain from such harmful actions.

The letter that was sent to you a few days ago by a group of Australian Ngöndro and Dzogchen mandala students offered specific suggestions to you, and a way forward for the R leadership and Sangha. We support their suggestions completely.

We look forward to hearing from you.

In the Dharma

Glossar:
SL: Sogyal Lakar, Name von Sogyal Rinpoche
R: Rigpa
DKR: Dzongsar Khyentse Rinpoche
HHDL und HH: Dalai Lama
CT: Chögyam Trungpa Rinpoche
MR: Mingyur Rinpoche

DOKUMENT 5: Behandle jeden wie den Buddha, Artikel von Yongey Mingyur Rinpoche, 9. August 2017

Yongey Mingyur Rinpoche, geboren 1975, kommt aus Nepal und ist Lehrer und Meister in den Karma-Kagyü- und Nyingma-Linien des Tibetischen Buddhismus. Er hat bekannte Bücher geschrieben und die Tergar Meditationsgemeinschaft gegründet, ein Netzwerk verschiedener Tergar Praxis Gruppen unter seiner Leitung. Wir publizieren den folgenden Beitrag mit freundlicher Genehmigung der Online-Ausgabe des Magazins „Lion‘s Roar“, wo der Artikel erstmals erschien. Die Übersetzung aus dem Englischen stammt von Frank C. Hofmann.

Wir publizieren den folgenden Beitrag mit freundlicher Genehmigung con Tom Olmstedt, der in hoher Verantwortungsposition für die Meditationsgemeinschaft Tergar tätig ist, die von Yongey Mingyur Rinpoche gründet wurde. Auf Englisch erschien der Artikel bereits in der Online-Ausgabe des Magazins „Lion‘s Roar“.

Als buddhistischem Lehrer stellt man mir oft Fragen über Meditation und tiefgründige buddhistische Prinzipien wie Abhängiges Entstehen und Leerheit. Ich teile gern, was ich über diese Themen weiß. Aber mir ist aufgefallen, dass mich Leute selten nach Ethik fragen und danach, wie man ein tugendhaftes Leben führt.

Es ist richtig, dass Meditation in der buddhistischen Tradition eine wichtige Rolle spielt. Da gibt es keinen Zweifel. Dasselbe kann über das Studium buddhistischer Ideen und Philosophien gesagt werden. Aber in vielerlei Hinsicht sind Ethik und Tugend das Fundament des buddhistischen Weges.

Der Buddha selbst lebte ein Leben der Güte, der Bescheidenheit und des Mitgefühls. Er verkörperte vollständig das, was er lehrte und die Sangha, die um ihn wuchs, folgte seinem Beispiel. Es gab viele Gelegenheiten, bei denen Schüler vom Weg abkamen und sich unangemessen benahmen – manchmal in urkomischer Art und Weise – aber diese Vorfälle wurden als Gelegenheiten genutzt, um wichtige Werte zu verdeutlichen und der Gemeinschaft zu demonstrieren, wie ein tugendhaftes Leben zu führen sei. Seit den frühen Tagen des Buddhismus war ethisches Verhalten ein ebenso zentraler Bestandteil des buddhistischen Weges wie Meditation, Studium und Kontemplation.

Heutzutage stellen mir Leute Fragen über Ethik nur, wenn es zu Skandalen oder Streit in buddhistischen Gemeinschaften kommt. Trotz des klaren Stellenwerts von Gewaltlosigkeit und Mitgefühl in der buddhistischen Tradition sind sich viele Schüler nicht sicher, wie sie mit diesen Situationen umgehen sollen. Ich kann verstehen, warum sie verwirrt sind. Es gibt viele verschiedene buddhistische Überlieferungslinien und Lehrmeinungen und es ist schwer, über alle verschiedenen Lehrinhalte, Praktiken und ethischen Rahmenkonzepte die Übersicht zu behalten.

Das gilt besonders für die tibetische Tradition, in der wir drei verschiedene Ansätze haben – wir nennen sie yanas oder Fahrzeuge – die in einem Pfad buddhistischer Praxis miteinander verwoben sind. Diese sind das Grundlagen-Fahrzeug der individuellen Befreiung, das Mahayana-Fahrzeug des Großen Mitgefühls und das Vajrayana-Fahrzeug des unerschütterlichen Gewahrseins. Diese Kombination ist einer der einzigartigen und schönen Aspekte des tibetischen Buddhismus‘, aber sie macht Dinge nicht immer einfach.

Ethik im tibetischen Buddhismus

Im tibetischen Buddhismus praktizieren wir die drei yanas zusammen und das schließt die Praxis der Ethik mit ein. Lassen Sie mich das genauer ausführen.
Das grundlegendste ethische Prinzip im yana der individuellen Befreiung ist die Gewaltlosigkeit, die Verpflichtung, es unter allen Umständen zu vermeiden, anderen zu schaden.
Wenn wir das Mahayana mit dazu nehmen, vergessen wir die Gewaltlosigkeit nicht, sondern führen sie mit der Praxis von Bodhicitta einen Schritt weiter. Dies ist die Verpflichtung, allen Lebewesen zu helfen, die vollkommene Erleuchtung zu erlangen.
Das Vajrayana schließlich führt die Idee der reinen Wahrnehmung ein. Unsere Praxis des Vajrayana basiert fest auf der Gewaltlosigkeit und der altruistischen Motivation von Bodhicitta, nimmt aber den Blickwinkel des Resultats ein. Wir behandeln jeden und alles als die Verkörperung des Erwachens. Wir verpflichten uns, uns selbst, andere und die Welt um uns herum als grundlegend rein, vollständig und perfekt anzusehen.
Das Ideal der reinen Sicht ist im Prinzip von samaya verkörpert, den formalen Verpflichtungen, die ein Praktizierender des Vajrayana wahren muss. Es gibt viele Einzelheiten bzgl. samaya, aber einfach ausgedrückt ist ihre Essenz, die reine Sicht nach besten Kräften zu praktizieren.
Viele Leute missverstehen die samaya und denken, es bezöge sich nur darauf, den Lehrer als Buddha, als vollständig erwachtes Wesen zu sehen. Auch das ist Teil von samaya, aber es geht am Wesentlichen vorbei. Samaya bedeutet, jeden und alles durch die Linse der reinen Sicht wahrzunehmen. Der einzige Grund, den Lehrer als Buddha zu sehen, besteht darin, die gleichen erleuchteten Qualitäten in uns selbst, in anderen und in unserer Umwelt erkennen zu können. Es ist ein Werkzeug, das uns helfen soll, Vertrauen in die Reinheit unserer eigenen endgültigen Natur zu entwickeln.
Die Praxis des Vajrayana wurzelt in den Idealen von Gewaltlosigkeit und Großem Mitgefühl. Ohne sie gibt es kein Vajrayana. Wie also wenden wir diese Prinzipien an, um uns bei wichtigen Themen zu helfen, wie einen authentischen Lehrer zu finden oder mit den unvermeidbaren Herausforderungen umzugehen, die mit dem Leben in einer Gemeinschaft einhergehen?

Das Wesentliche der Praxis

Der erste Punkt, dem ich mich zuwenden möchte, ist wahrscheinlich der offensichtlichste. Unsere Praxis sollte das besten unserer menschlichen Qualitäten zutage fördern. Sie sollte unsere innere Weisheit wecken, unsere grundlegende Vernunft und den moralischen Kompass, über den wir alle verfügen (ob wir ihm nun folgen oder nicht).
Die grundlegendste Art und Weise, den Erfolg unserer Praxis einzuschätzen, ist also, in welchem Maße wir uns den einfachen Idealen von Güte, Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Weisheit annähern. Wenn wir – als Einzelpersonen oder als Gemeinschaft – feststellen, dass wir uns in die entgegengesetzte Richtung bewegen, stimmt etwas nicht. Niemand von uns wird sich in jeder Situation perfekt verhalten, aber mit der Zeit sollte es eine klare Entwicklung hin zu grundlegenden und allgemeingültigen menschlichen Werten geben.
Das gilt besonders für spirituelle Lehrer. Buddhistische Lehrer sind Vorbilder und Wegführer für die Gemeinschaften, denen sie vorstehen und sie repräsentieren die buddhistische Tradition gegenüber der nicht-buddhistischen Welt. Wenn wir als Schüler von Buddhas Lehren danach streben, freundlich, bescheiden und hingebungsvoll in unserer Praxis zu sein, macht es nur Sinn, dass unsere Wegführer diese Qualitäten auch verkörpern sollten. Sie sollten uns zu Güte und Hingabe inspirieren. Sie sollten sich durch die Hilfe und die Sorge, die sie für andere zeigen, als vertrauenswürdig erweisen. Wir sollten natürlich keine Perfektion erwarten, aber es versteht sich von selbst, dass Leute, die andere anleiten, auch das leben sollten, was sie lehren.

Einen authentischen Lehrer finden

Wenn es darum geht, einen authentischen Lehrer zu finden, sind vier Dinge von besonderer Bedeutung.
Das erste ist, dass der Lehrer einer authentischen Überlieferungslinie angehören sollte. Echte Lehrer machen nicht Werbung für sich selbst, sie setzen sich für ihre Überlieferungslinie ein. Wenn ein Lehrer mit seinen Qualitäten und Verwirklichungen angibt, wenn er aus seiner Praxis einen Show macht, dann ist das vermutlich ein Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt. Aber wenn ein Lehrer unter der Anleitung anderer respektabler Lehrer studiert und praktiziert hat und ihre Überlieferung durch die Aufrechterhaltung ihrer Werte und Traditionen ehrt, dann ist das ein gutes Zeichen. Die Übertragungslinie allein macht noch keinen authentischen Lehrer, aber sie ist wichtig.
Die zweite Eigenschaft, nach der man Ausschau halten sollte, ist die Hingabe an Studium und Praxis. Das ist ziemlich offensichtlich. Sie würden auch keine Klavierstunden bei jemandem nehmen, der selbst nicht besonders gut spielt, oder? Natürlich nicht. Dasselbe gilt hier. Wenn man jemandem sein spirituelles Wohlergehen anvertraut, sollte man sicher sein, dass diese Person den Pfad aus erster Hand kennt. Dafür sollte sie klare Hingabe an die eigene Praxis und weitere Schulung haben.
Die dritte wesentliche Eigenschaft ist Mitgefühl. Als Schüler müssen wir darauf vertrauen können, dass unser Lehrer auf unserer Seite ist – dass wir ein Herzensanliegen für ihn sind und dass wir und unser Fortschritt auf dem Pfad von tiefster Wichtigkeit für ihn sind.
Vertrauen ist hier entscheidend. Ein authentischer Lehrer ist vertrauenswürdig und stellt die Bedürfnisse des Schüler an erste Stelle. Ein Zeichen dafür, dass ein Lehrer diese Eigenschaft hat, ist, dass sich Schüler in seiner Obhut sicher und beschützt fühlen. Sie wissen, dass ihr Lehrer immer für sie da sein und sie unterstützten wird, egal, was in ihrem Leben passiert.
Die vierte und letzte Eigenschaft ist diejenige, die sich direkt auf die Ethik bezieht. Ein authentischer Lehrer sollte seine Gelübde und Verhaltensregeln einhalten. In der tibetischen Tradition bedeutet das, dass er je nachdem die genommenen Ordinations- oder Laiengelübde einhält, die Bodhisattva-Gelübde des Mahayana wahrt und die samaya-Gelübde des Vajrayana einhält.
Das ist keine kleine Verpflichtung, aber es ist sehr wichtig. Es gibt hierin sehr viele Einzelheiten und als Schüler wissen wir vielleicht nicht genau, was für Gelübde eine Person hält. Aber wir können uns erkundigen und herausfinden, ob etwas am Verhalten oder Benehmen des Lehrers fragwürdig ist. Das ist ein guter Anfang.
Heutzutage ist es nicht einfach, einen vollkommenen Lehrer zu finden. Die Zeit des Buddha, in der es für Leute offenbar schon ausreichte, zu ihm zu kommen, um erleuchtet zu werden, ist lange vorbei. Vielleicht finden wir keinen Lehrer, der alle diese vier Eigenschaften vollständig verkörpert, aber er sollte über alle vier bis zu einem bestimmten Grad verfügen. Fehlt einem Lehrer eine oder mehrere dieser Eigenschaften vollständig, ist es vermutlich das beste, weiter zu suchen.

Den Lehrer verlassen

Diese vier Qualitäten sind eine gute allgemeine Richtlinie, wenn man nach einem Lehrer sucht. Aber selbst wenn wir unser bestes tun, um einen Lehrer vorab zu prüfen, lernen wir ihn doch oft erst richtig kennen, wenn wir schon sein Schüler sind. In der modernen Welt haben wir nicht ein Kloster oder einen buddhistischen Fachmann in jeder Straße. Wir kennen nicht notwendigerweise jede Einzelheit über einen Lehrer oder haben niemanden, den wir fragen können. Was tun wir also, wenn wir herausfinden, dass ein Lehrer nicht ganz so ist, wie wir es erhofft hatten?
Viele Schüler des tibetischen Buddhismus‘ glauben fälschlicherweise, dass sie einen Lehrer nicht verlassen können oder sollten, wenn sie sich ihm erst einmal verpflichtet haben. Das ist nicht der Fall. Der Dreh- und Angelpunkt der Lehrer-Schüler-Beziehung ist, dass sie zum Nutzen des Schülers sein sollte. Sie ist nicht für den Gewinn oder die Bereicherung des Lehrers da. Wenn man sein bestes versucht und festgestellt hat, dass es einfach nicht passt, kann man sich einen anderen Lehrer suchen. Das ist kein Problem oder persönliches Versagen. Es beweist gutes Urteilsvermögen.
Die beste Art und Weise zu gehen, ist ohne über den Lehrer zu schimpfen oder jenen Schwierigkeiten zu machen, denen der Lehrer und die Gemeinschaft nützlich ist. Gehen Sie im guten oder gehen Sie wenigstens nicht im Streit. Gehen Sie einfach bescheiden Ihren Weg weiter und fühlen Sie sich nicht schlecht, weil es nicht geklappt hat.
Den einzigen Vorbehalt, den ich hier anfügen würde ist, dass es wichtig ist, mit sich selbst ehrlich zu sein. Einen Lehrer oder eine Gemeinschaft zu verlassen, die nicht zu einem passen, ist verständlich, aber wenn Sie feststellen, dass sich jeder Lehrer als Ihrer Zeit unwürdig erweist, sollten Sie vielleicht einen genaueren Blick auf Ihre Verhaltensmuster werfen, um herauszufinden, was da vorgeht. Es könnte sich als schwierig erweisen, Fortschritte auf dem Pfad zu machen, wenn man nach Vollkommeneit sucht.

Ernste ethische Verstöße

Es ist aber etwas ganz anderes, wenn der Lehrer ernste ethische Verstöße begeht. Den Lehrer im Guten zu verlassen ist nur etwas, was Sinn macht, wenn es nur um die Frage geht, ob Lehrer und Schüler zusammenpassen. Wenn Menschen verletzt oder Gesetze gebrochen wurden, ist die Situation eine andere.
In diesem Fall müssen die ethischen Verfehlungen angesprochen werden. Egal, ob es zu körperlichem oder sexuellem Missbrauch gekommen ist, ob es finanzielle Unregelmäßigkeiten oder andere ethische Verfehlungen gegeben haben – es ist im besten Interesse der Schüler, der Gemeinschaft und letztendlich auch des Lehrers, wenn diese Probleme angesprochen werden. Wurde jemand geschädigt, hat die Sicherheit des Opfers absoluten Vorrang. Das ist keine buddhistische Regel. Das ist grundlegende Menschlichkeit und sollte niemals übergangen werden.
Die angemessene Reaktion richtet sich nach der Situation. In manchen Fällen, wenn der Lehrer sich unangemessen oder schädigend verhalten hat, sein Fehlverhalten aber bekannt und sich verpflichtet hat, dieses in Zukunft zu unterlassen, kann es angemessen sein, die Angelegenheit intern zu regeln. Gibt es aber ein langfristiges Muster ethischer Verfehlungen oder handelt es sich um extremen Missbrauch oder ist der Lehrer nicht gewillt, Verantwortung zu übernehmen, ist es angemessen, das Verhalten öffentlich zu machen.
Unter solchen Umständen ist es kein Bruch der samaya, diese schmerzlichen Informationen ans Licht zu bringen. Das zerstörerische Verhalten zu benennen ist ein notwendiger Schritt, jene zu beschützen, die geschädigt wurden oder die in Gefahr sind, in der Zukunft geschädigt zu werden und um das Wohlergehen der Gemeinschaft zu bewahren.

Verrückte Weisheit

Die Tradition des Vajrayana hat eine Geschichte von exzentrischen Yogis und Yoginis und Lehrern, die extreme Methoden nutzten, um ihre Schüler anzuleiten. Die Geschichte von Marpa, der von Milarepa verlangte, eine Reihe von Steintürmen zu errichten und dann wieder abzureißen, ist vielleicht das bekannteste Beispiel hiervon. Diese Tradition der „verrückten Weisheit“ kann echt sein, aber leider wird sie often benutzt, um unethisches Verhalten zu rechtfertigen, das nichts mit Weisheit und Mitgefühl zu tun hat.
Das Wichtigste, was man über diese ungewöhnlichen Lehrmethoden wissen muss, ist, dass sie zum Nutzen des Schülers sein sollen. Wenn sie nicht in Mitgefühl und Weisheit wurzeln, sind sie nicht authentisch. Handlungen, die auf Mitgefühl und Weisheit basieren – selbst wenn sie seltsam, exzentrisch oder sogar zornvoll erscheinen – rufen weder Angst noch Beklemmung hervor. Sie bringen Mitgefühl und Weisheit im Schüler zum Erblühen.
Anders ausgedrückt, die Auswirkungen echter „verrückter Weisheit“ sind immer positiv und sichtbar. Wenn ein Lehrer aus Mitgefühl eine extreme Lehrmethode nutzt, ist das Ergebnis spirituelles Wachstum, nicht Traumatisierung. Traumatisierung ist ein sicheres Anzeichen dafür, dass dem Verhalten aus „verrückter Weisheit“ die Weisheit fehlte zu erkennen, was dem Schüler wirklich genützt hätte oder das Mitgefühl, das Wohl des Schülers an erste Stelle zu setzen, oder beides.
Es sollte angemerkt werden, dass diese extremen Lehrmethoden, die wir aus der Geschichte des Vajrayana kennen, vor dem Hintergrund einer sehr ausgereiften spirituellen Verbindung zwischen Lehrer und Schüler stattfanden. Sie waren alles andere als üblich. Marpa ließ nicht alle seine Schüler Steintürme errichten. Tatsächlich zeigte er anderen Schülern gegenüber ein ganz anderes Verhalten als Milarepa gegenüber. Aber er erkannte Milarepas Potential und welche Lehrmethode ihm am meisten nützen würde. Der Rest ist Geschichte. Milarepa wurde erleuchtet und einer von Tibets größten Meistern.
Diese extremen Lehrmethoden werden nicht nur bei sehr fortgeschrittenen Schülern angewandt und vor dem Hintergrund einer stabilen, auf Vertrauen und Hingabe begründeten Beziehung, sie sind auch die Ultima ratio. Es wird von vier Arten erleuchteter Aktivitäten gesprochen: friedvoll, anziehend, vermehrend und zornvoll. Zornvolle Aktivität wird nur bei jenen angewandt, die durch subtilere Methoden nicht erreichbar sind. Also nochmal, diese Art und Weise ist nicht die Norm, sondern etwas, das nur unter bestimmten Umständen angewandt wird.
Wir müssen also zwischen Lehrern unterscheiden, die zwar einerseits exzentrisch und provokativ, aber letztendlich mitfühlend und geschickt sind – und solchen, die ihren Schülern tatsächlich Schaden zufügen und traumatisieren. Dies sind zwei sehr verschiedene Dinge und es ist wichtig, sie nicht zusammen zu werfen. Es gibt viele Lehrer, die ihre Schüler anschubsen und provozieren, um ihnen zu helfen, mehr über ihren Geist zu lernen, aber das ist kein Missbrauch. Körperlicher, sexueller oder psychologischer Missbrauch sind keine Lehrmethoden.

Vajrayana in der modernen Welt

In dieser so vernetzten Welt, ist Ethik wichtiger als je zuvor. Auf gewisse Weise repräsentieren wir alle als Schüler des Buddha seine Lehren in der Welt. Jeder kann über diesen Lehrer oder jene Sangha durch wenige Mausklicks oder eine Google-Suche etwas erfahren. Das es gut, weil es die ganze Tradition transparenter macht. Ethisches Verhalten – oder Fehl-Verhalten – ist sichtbarer als früher.
Es sollte selbstverständlich sein, dass wenn von Schulen, Unternehmen und öfffentliche Einrichtungen erwartet wird, sich gemäß eines ethischen Kodex‘ und der Gesetze eines Landes zu verhalten, spirituelle Organisationen vorbildlich in ihrem ethischen Verhalten sein sollten. Die Lehrer sogar noch mehr. Durch die ganze Geschichte war genau das eine der wichtigsten Rollen für buddhischte Lehrer und die buddhistische Sangha. Sie vermittelten durch ihr Vorbild das ethische Verhalten genau den Gemeinden, denen sie dienten.
Der Vajrayana-Buddhismus gilt Tibetern als kostbarer Schatz. Er ist unser spirituelles Erbe und unser Geschenk an die Welt. Nun, da sich die Lehren und Praktiken dieser Tradition über die ganze Welt verbreiten, ist es wichtig, diese Tradition und ihre machtvollen Lehren zu verstehen.
Wie schon gesagt, ist der Kern der Vajrayana-Tradition, die reine Sicht zu verkörpern. Wir betrachten unsere Gedanken und Emotionen – sogar die schwierigen – als Manifestationen des zeitlosen Gewahrseins. Wir sehen jede Person als Buddha und wir behandeln sie auch so. Wir sehen die Welt, in der wir leben, als reinen Bereich, erleuchtet, so wie sie ist.
Die Tradition, jeden und alles so zu behandeln, als würden wir dem Buddha von Angesicht zu Angesicht begegnen, ist die Hauptpraxis des Vajrayana. Sie ist das Herzblut unserer Tradition und der höchste ethische Standard, den man anstreben kann. In diesen Tagen und in dieser Zeit, in der wir von Verwirrung und Streit umgeben sind, braucht die Welt dies mehr als je zuvor.

Rinpoche Yongey Mingyur

DOKUMENT 6: Pressemitteilung von Rigpa in Deutschland, 10. August 2017

Am 10. August 2017 reagierte die deutsche Rigpa-Gemeinschaft mit einer Pressemitteilung und betonte, dass die Vorstände und Management-Teams von Rigpa überall auf der Welt die Diskussion um die Lehrmethoden von Sogyal Rinpoche sehr ernst nähmen und entschlossen seien, die Situation verantwortungsvoll zu klären. Dazu werden erste konkrete Schritte skizziert.

Rigpa ist ein internationales Netzwerk buddhistischer Zentren, deren Ziel es ist, die buddhistischen Lehren über Meditation, Mitgefühl und Weisheit in der modernen Welt zur Verfügung zu stellen. Die Kurse und Programme, die von Rigpa angeboten werden, haben vielen Tausenden von Menschen überall auf der Welt geholfen, ihr Leid zu lindern und Sinn in ihrem Leben zu finden.

Vor Kurzem wurden eine Reihe von Anschuldigungen gegen Sogyal Rinpoche, den spirituellen Leiter von Rigpa, vorgebracht, die in den Medien und im Internet umfassend verbreitet wurden. Die Vorstände und Management-Teams von Rigpa überall auf der Welt nehmen diese Angelegenheit sehr ernst und sind entschlossen, die Situation verantwortungsvoll und auf eine Weise anzugehen/zu klären, die vollständig im Einklang mit den buddhistischen Werten steht.

Nach internen Beratungen hat Sogyal Rinpoche entschieden, mit sofortiger Wirkung als spiritueller Leiter aller Organisationen, die in verschiedenen Ländern weltweit den Namen Rigpa tragen, zurückzutreten.
Die Vorstände und Management-Teams von Rigpa werden, nachdem sie professionelle und spirituelle Beratung in Anspruch genommen haben, sicherstellen, dass folgende Schritte eingeleitet werden:

  1. Eine unabhängige Ermittlung durch einen neutralen Dritten bezüglich der verschiedenen Anschuldigungen, die vorgebracht wurden.
  2. Ingangsetzung eines internationalen Beratungsprozesses, um für Rigpa einen Verhaltenskodex aufzustellen und ein Beschwerdeverfahren einzurichten.
  3. Einrichtung eines neuen spirituellen Beratungsgremiums, das die Rigpa-Organisation leitet.

Diese Schritte werden von den Direktoren und Management-Teams von Rigpa auf der ganzen Welt eingeleitet, im Geiste echter Zusammenarbeit. Es wurden auch bereits Anlaufstellen eingerichtet, damit jedes Mitglied unserer Gemeinschaft die Möglichkeit hat, seine Wünsche, Sichtweisen und Anliegen zum Ausdruck zu bringen.

DOKUMENT 7: Ganzseitiger Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 11. August 2017

Am 11. August 2017 publizierte die „Süddeutsche Zeitung“ auf ihrer Seite 3 (mit großer Ankündigung auf der Titelseite) einen ganzseitigen Artikel unter dem Titel „Betreff: Missbrauch“. Autorin Michaela Haas berichtet darin über den Brief der acht ehemaligen und gegenwärtigen Schülerinnen und Schüler von Sogyal Rinpoche.

Am 11. August 2017 publizierte die „Süddeutsche Zeitung“ auf ihrer Seite 3 (mit großer Ankündigung auf der Titelseite) einen ganzseitigen Artikel unter dem Titel „Betreff: Missbrauch“. Autorin Michaela Haas berichtet darin über den Brief der acht ehemaligen und gegenwärtigen Schülerinnen und Schüler von Sogyal Rinpoche. Die beschreibt die darin enthaltenen Vorwürfe und berichtet über die Klage einer US-Amerikanerinnen gegen den tibetischen Lehrer in den 1990er Jahren wegen sexueller Belästigung und die Vorwürfe einer Französin von 2011, ebenfalls wegen sexueller Belästigung. Sie zitiert neben anderen ehemaligen Ripga-Mitgliedern auch Olivier Raurich, den langjährigen französischen Direktor Rigpas, der die Organisation 2016 aus Protest verließ. Außerdem beklagt die Autorin, dass ihre detaillierten Anfragen etwa zum Ausbildungshintergrund von Sogyal Rinpoche von Rigpa unbeantwortet geblieben seien.

Der Artikel ist hier nachzulesen – allerdings nur als „SZ Plus“-Angebot, also zahlungspflichtig.

DOKUMENT 8: Brief von Sogyal Rinpoche an seine Schülerinnen und Schüler, 11. August 2017

In einem Brief vom 11. August 2017 die gesamte Ripga-Gemeinschaft betont Sogyal Rinpoche seine Bestürzung über die an ihn gerichteten Vorwürfe und seine Sorge um den Zusammenhalt der Gemeinschaft. Er kündigt an, sich in ein Retreat zurückzuziehen und erklärt seinen offiziellen Rücktritt als Rigpas spiritueller Leiter, damit die Zukunft von Rigpa aufgrund der Diskussionen um seine Person nicht in Gefahr gerät.

Liebe Rigpa-Sangha,
ich schreibe diesen Brief an all meine Schüler und besonders an diejenigen unter euch, die in den weltweiten Rigpa-Organisationen als Vorstandsmitglieder eine verantwortungsvolle Stellung innehaben.
Ihr seid euch natürlich der Vorwürfe bewusst, die mir gemacht wurden und die inzwischen überall im Internet verbreitet werden. Dies hat nicht nur in mir, sondern in vielen von euch, die ihr meine Schüler seid und die ihr für Rigpa und seine Vision arbeitet, Bestürzung ausgelöst.
Ich habe euch bereits mitgeteilt, dass ich in Anbetracht der Turbulenzen, die diese Beschuldigungen ausgelöst haben, beschlossen habe, ins Retreat zu gehen und mich aus der Rigpa-Arbeit zurückzuziehen. Das instinktive Gefühl, dass dies das Richtige ist, wurde von vielen der Meister, die ich um ihren spirituellen Rat gefragt habe, bestätigt, und auch von den Schülern, in die ich mein größtes Vertrauen setze. Ich habe das Gefühl, dass dadurch ein gewisser Abstand entstehen wird, in dem sich die richtige Art von Klarheit herauskristallisieren kann.
Angesichts meiner tiefen Sorge um euch alle und um Rigpas Arbeit, zu der ihr alle einen immensen Beitrag geleistet habt, habe ich das Gefühl, dass das beste, was ich jetzt tun kann, ist, offiziell meinen Rücktritt als Rigpas spiritueller Leiter zu erklären. Ich möchte nicht, dass die Kritik an mir alles in Gefahr bringt.
Mit diesem Brief erkläre ich damit klar und deutlich, dass ich mit sofortiger Wirkung als spiritueller Leiter aller Organisationen, die den Namen Rigpa tragen und die in verschiedenen Ländern der Welt entstanden und gewachsen sind, zurücktrete.
Von Rigpas Anfängen an haben wir die Besuche, Belehrungen und den Segen einiger der größten tibetisch-buddhistischen Meister unserer Zeit genossen. Ich denke an Dudjom Rinpoche, Dilgo Khyentse Rinpoche, Penor Rinpoche, Trulshik Rinpoche, Khenchen Jigmey Phuntsok, Nyoshul Khen Rinpoche und viele, viele andere, die die tiefgründige Nyingma- und Dzogchen-Linie halten.
Gleichermaßen, und im Sinne der Ri-me-Bewegung, hatten wir die große Ehre, die angesehensten Meister der anderen bedeutenden tibetisch-buddhistischen Traditionen zu Gast zu haben, ganz besonders Seine Heiligkeit den Dalai Lama, Sakya Trizin und Gyalwang Karmapa. Dies liegt daran, dass ich Rigpa immer als ein Fahrzeug der erleuchteten Intention all dieser großartigen Wesen verstanden habe. Ich spüre ihre Präsenz als ein konstantes Licht, das uns in unserer Arbeit leitet, und ich bete jetzt zu ihnen und bitte um ihren Segen. Ob ich als Rigpas spiritueller Direktor fungiere oder nicht: Ihre Vision, die letztendliche Weisheit des Buddha in die Welt zu tragen, muss stabil und beständig bleiben und weiterhin Früchte tragen.
Wie es schon immer meine Absicht war, werde ich nun die Leitung Rigpas einer Gruppe von Schülern übergeben, denen ich am meisten vertraue und die unsere wunderbare Sangha vertreten werden, sowie einer Gruppe von Lamas, denen Rigpas Interesse immer am Herzen gelegen hat.
Bitte versteht, dass ich euch nicht im Stich lasse und es nie tun werde! Ich werde weiterhin Belehrungen mit euch teilen und euch anleiten, während ich in meinem Retreat bin und darüber hinaus. Ich werde euch jeden einzelnen Tag in meinem Herzen und in meinen Gebeten halten. Ich habe eine tiefe Verpflichtung, dazu beizutragen, euch zur Erleuchtung zu bringen, und ich werde dieses Versprechen nie brechen!
Ich vertraue darauf, dass ihr alle als Sangha stabil bleibt, nie vom wahren Pfad des Dharma abweicht und allezeit Mitgefühl in eurem Herzen wahrt. Wie ich euch in meinem vorigen Brief gesagt habe: Wir müssen alle eines Tages sterben, einschließlich meiner selbst. Wenn dieser Moment kommt, muss Rigpas Arbeit unvermindert weitergehen. Ich sehe die Schritte, die ich nun einleite, als eine Vorbereitung auf diesen Tag. Es ist nichts, wovor wir uns fürchten sollten, sondern etwas, dem wir mit Mut, positiver Einstellung und Offenheit entgegentreten sollten.
Ich danke euch allen für all das Vertrauen und die Unterstützung, die ihr mir erwiesen habt, und eure liebevollen und von Herzen kommenden Botschaften. Ich spüre, dass unsere spirituelle Verbindung unerschütterlich ist. Dies erfüllt mich mit tiefem Vertrauen in unsere gemeinsame Zukunft.

Mit meiner Liebe und meinem Segen, Sogyal Rinpoche

DOKUMENT 9: Brief der Rigpa-Vorstände verschiedener Länder an die Sangha, 11. August 2017

Am 11. August erklären mehrere Landesvorstände von Rigpa, die Verantwortung dafür zu übernehmen, die Situation auf bestmögliche Weise für alle Beteiligten zu lösen. Sie verpflichten sich, alle notwendigen Schritte einzuleiten und betonen ihre Zuversicht, dass die Rigpa-Sangha „aufrichtig, authentisch, offen, entschlossen und unerschrocken“ mit der Lage umgehen kann.

Liebe/r Sangha-Freund/in,
die letzten Wochen waren eine sehr schmerzliche und erschütternde Zeit für unsere gesamte Sangha. Die Vorwürfe, die Sogyal Rinpoche von Mitgliedern unserer eigenen Gemeinschaft gemacht wurden und die in den Medien und im Internet umfassend verbreitet wurden, sind für uns alle Anlass zu größter Besorgnis.
Inzwischen habt ihr alle den Brief von Sogyal Rinpoche erhalten, in dem er seinen offiziellen Rücktritt als Rigpas spiritueller Leiter erklärt. Seine Entscheidung, deren Ausmaß sich kaum in Worte fassen lässt, ist für viele von uns ein Schock. Rinpoche hat deutlich gemacht, dass er nach tiefer persönlicher Reflexion und aufgrund der Ratschläge vieler seiner Meister zu dieser Entscheidung gekommen ist, mit der besten Intention für die Zukunft unserer Gemeinschaft.
Für diejenigen unter uns, die verantwortungsvolle Stellungen innerhalb von Rigpa innehaben, ist und bleibt dies eine schwierige Zeit. Wir müssen nicht nur unseren eigenen Schock aufgrund der jetzigen Situation und unsere damit verbundenen Emotionen verarbeiten, wir anerkennen auch unsere unmittelbare Verantwortung, uns um so viele Menschen wie möglich zu kümmern und ihnen unsere Unterstützung anzubieten. In den letzten Wochen haben viele von uns unser Bestes getan, allen in unserer vielfältigen Gemeinschaft zuzuhören und über die weitreichenden Auswirkungen dieser Vorwürfe nachzudenken, sowie über Rinpoche’s Entscheidung, ins Retreat zu gehen und sich aus Rigpas Arbeit zurückzuziehen.
Bitte seid versichert, dass wir fest entschlossen sind, dieser schwierigen Situation verantwortungsbewusst ins Auge zu sehen, mit Feingefühl, Offenheit und Direktheit und auf eine Weise, die vollständig im Einklang mit den Lehren und den Werten steht, für die wir eintreten.
In seinem Brief hat Sogyal Rinpoche deutlich seinen Wunsch bekundet, die Verantwortung für Rigpas Zukunft an die Sangha zu übergeben. Es ist daher an uns, die Situation in die Hand zu nehmen und zu versuchen, sie auf bestmögliche Weise für alle Beteiligten zu lösen, auch für jene, die sich verletzt fühlen. Wir übernehmen diese Verantwortung und verpflichten uns, alle notwendigen Schritte einzuleiten. Auch wenn einige von uns niedergedrückt und traurig sein mögen, oder sich dünnhäutig und unsicher fühlen mögen, sind wir zuversichtlich, dass unsere Sangha in einer Zeit wie jetzt auf eine Art reagieren kann, die wahrhaft aufrichtig, authentisch, offen, entschlossen und unerschrocken ist.
Zu diesem Zweck, und nach sorgfältigen Erwägungen und Ratschlägen haben jene von uns, die für die Leitung und Geschäftsführung von Rigpa verantwortlich sind, einmütig beschlossen, folgende Schritte einzuleiten:

  1. Wir werden eine unabhängige Ermittlung bezüglich der Missbrauchsvorwürfe vornehmen, einschließlich derer, die im Brief vom 14. Juli 2017 an Sogyal Rinpoche aufgeführt wurden. Wir glauben, dass eine Überprüfung durch einen neutralen Dritten notwendig ist, um vollständig auf die angesprochenen Vorwürfe einzugehen und eine Basis zu schaffen, um das Vertrauen und die Zuversicht innerhalb der Rigpa-Sangha wieder herzustellen. Wir lassen uns professionell beraten, damit die Untersuchung auf internationaler Ebene stattfinden und auf die notwendigen Bedürfnisse eingegangen werden kann.
  2. Wir werden unverzüglich einen internationalen Beratungsprozess in Gang setzen, um einen Verhaltenskodex aufzustellen und eine Anlaufstelle einzurichten, bei der Menschen ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck bringen können. Wir erkennen unsere volle Verantwortung an, allen, die zu Rigpa kommen, eine sichere und unterstützende Umgebung zu bieten, und glauben, dass diese Strategien ein wesentlicher Schritt in diese Richtung sein werden. Wir werden Beispiele bewährter Verfahren studieren und uns auf all unsere Erfahrung und Kenntnisse stützen sowie auf die Ratschläge anderer buddhistischer Lehrer und Gemeinschaften, um Richtlinien und Verfahren zu entwickeln, die für Rigpa angemessen sind. Da die Verhaltensrichtlinien vielfältig sein werden und in Zukunft ausnahmslos für alle gelten werden, für sämtliche Schüler, Angestellte, ehrenamtliche Helfer genauso wie für Lehrer, ist es wichtig, dass auch ihr gefragt werdet und die Möglichkeit habt, euer Feedback zu geben.
  3. Wir werden so schnell wie möglich ein neues spirituelles Gremium einrichten, um Rigpa zu leiten und zu beraten, wie Sogyal Rinpoche es in seinem Brief angedeutet hat.

Diese Schritte werden von den Direktoren und Management-Teams von Rigpa auf der ganzen Welt eingeleitet, im Geiste echter Zusammenarbeit. Es wurden auch bereits Anlaufstellen einrichten, damit jedes Sangha-Mitglied seine/ihre Wünsche, Sichtweisen und Anliegen zum Ausdruck bringen kann.
Wir stehen natürlich – sowohl von außerhalb als auch innerhalb unserer Gemeinschaft – unter großem Druck, schnell zu handeln. Natürlich anerkennen wir den Ernst und die Dringlichkeit der Lage vollständig, trotzdem ist es sehr wichtig, dass wir uns die angemessene Zeit nehmen, um uns von unseren Ratgebern professionell und spirituell beraten zu lassen und uns gründlich mit unseren weltweiten Direktoren, Angestellten und Sangha-Mitgliedern auszutauschen. Wir glauben fest daran, dass das Endergebnis für alle Betroffenen wesentlich befriedigender und vollständiger sein wird, wenn wir diesen Prozessen die nötige Zeit und Sorgfalt geben.
Die Verantwortung, unseren Weg durch diese schwierigen Zeiten hindurch zu finden, liegt jetzt bei uns – der Rigpa-Sangha. Bitte beteilige dich so gut, wie du nur kannst, so dass wir unserer Gemeinschaft und allen Betroffenen gemeinsam Frieden, Heilung und Lösungen bringen können. Lasst uns weiträumig und urteilsfrei sein, so dass wir einander wirklich zuhören können, mit unserem ganzen Wesen und mit Mitgefühl und Verständnis.
Wir haben das starke Gefühl, dass wir, wenn wir als Sangha offen und unterstützend bleiben und unseren Dharma-Wurzeln und der Praxis treu bleiben, stärker und weiser aus dieser Situation hervorgehen werden. Wir werden vielleicht feststellen, dass Rigpa durch diesen Lernprozess letztlich zu einem noch großartigeren Gefährt für die tiefgründigen Lehren und die Praxis des Dharma heranwächst. Das sollte unser Ziel sein.
Lasst uns bitte zusammenhalten – und unsere Kommunikation offenhalten und uns weiter austauschen.

Alles Liebe,
die Rigpa-Vorstände aus den folgenden Ländern:
(Anmerkung der BA-Redaktion: Derzeit liegt uns die genaue Aufstellung der Länder-Vorstände noch nicht vor; wir tragen dies nach)

DOKUMENT 10: Beitrag von Dzongsar Jamyang Khyentse zum Thema Meister-Schüler-Beziehung im Vajrayana vor dem Hintergrund der Debatte um Sogyal Rinpoche, August 2017

Dzongsar Jamyang Khyentse, als Khyentse Norbu geboren 1961 in Bhutan, ist ein bhutanischer Filmregisseur und Autor. Er wurde unter dem Titel Dzongsar Jamyang Khyentse Rinpoche als Hauptinkarnation der tibetischen Khyentse-Stammlinie anerkannt. Neben einer Ausbildung in allen Hauptschulen des tibetischen Buddhismus studierte er in den USA Politik und Filmwissenschaft. Er war Berater des italienischen Regisseurs Bernardo Bertolucci, als dieser den Film „Little Buddha“ drehte, in dem auch Sogyal Rinpoche auftrat. 1999 debütierte Dzongsar Jamyang Khyentse als Regisseur mit dem Film „Spiel der Götter“, dem ersten bhutanischen Spielfilm. 2003 erschien sein zweiter Film, „Von Reisenden und Magiern“. Der unten stehende Text wurde von ihm im August 2017 in Reaktion auf die Debatte um Sogyal Rinpoche publiziert.

Guru and Student in the Vajrayana

I have written the following in response to a number of requests, including some from the press, for my take on the present situation in the Rigpa Sangha over Sogyal Rinpoche’s behaviour.
I have not responded to any of the questions put to me by the press before now, because what I want to say can’t be edited or altered in anyway. Unfortunately, journalists always cut up texts, then pick and choose the bits and pieces that fit in with their own preconceived ideas. If you don’t believe me, just spend five minutes looking at CNN, Fox News, al-Jazeera, The New York Times, The Guardian newspaper or Breitbart News Network. You’ll soon see what the nature of ‘freedom of speech’ is like in our modern society. Sadly, most ‘Buddhist’ magazines and bulletins are no different.
So here’s what I want to say, uncut and unedited. Please summon up all your patience and read the whole thing from beginning to end; this text is meant to be read all the way through, not in bits.
First, though, I feel I must point out that what I want to say concerns the relationship between a guru and a student that is specific to the Vajrayana. As this kind of guru-student relationship is a Vajrayana phenomenon, I wish I could say that if you are not a Vajrayana student, you don’t need to worry or care about any of what follows. But I can’t. Why? Because like it or not, the Vajrayana is associated with Buddhism, and so in the process of addressing a Vajrayana situation, I can’t avoid talking about Buddhism and its future.
Having said that, I’m sure that the Theravada and Mahayana Buddhists who have been dragged into this public debate by mere association, must be pulling their hair out with frustration. I empathize; if I were in your shoes, I would feel the same.
But there is one thing we must all be clear about. There is a clear difference between Sogyal Rinpoche’s role as a Vajrayana master and his role as a very public Buddhist teacher and head of a non-profit organization. Vajrayana masters are not necessarily public figures. Many aren’t even known to be Buddhist teachers – in the past, some Vajrayana masters earned their livings as prostitutes and fishermen. But unlike the teacher-student relationship in other traditions, in the Vajrayana, the connection between the guru and the student is sometimes more personal and constant than family.
More often than not, the opposite is true for teachers who present Buddhism more generally. These teachers are often public figures. In many cases, they have a many followers, and they and their teachings are widely available. They may also be at the helm of any number of monasteries or non-profit organizations.
So ‘Vajrayana guru’ and ‘Buddhist teacher’ are, in fact, totally different roles – even when both roles are fulfilled by one person. What I want to discuss here is the role of Vajrayana master generally and Sogyal Rinpoche’s role as Vajrayana master in particular, not Sogyal Rinpoche’s role as spiritual director of Rigpa and public Buddhist teacher.
This distinction is important because many Buddhists students are wondering how to explain this kind of scandal to their friends and loved ones. How can you talk about it with your little sister who goes to a Christian high school? Or to your new non-Buddhist boyfriend, who you really want to impress but who already thinks your eagerness to do anything this guru asks of you is really strange. So this is an issue that should be contemplated and addressed separately, especially in light of the increased media coverage Sogyal Rinpoche’s behaviour is bound to elicit.
None of what I have to say here about the Vajrayana in particular is easy to explain. In fact, I am a bit concerned that I might end up raising more questions than answers. And I’m also sure that my words will be misinterpreted. But I have decided to try to write this piece anyway, because there are many genuine Vajrayana practitioners out there who are struggling with how to view the present situation and who might want to consider the issues I wish to raise.

The Guru-Disciple Relationship

Nalanda University in India was one of the oldest universities in the world. It was at Nalanda that one thousand four hundred years ago, scholars confirmed that there is no such thing as an atom, or a ‘smallest particle’, or a god that inherently exists; and these scholars would have laughed heartily at today’s theories about the Big Bang and democracy. My point here is that at Nalanda University there was absolutely no room for sentiment or blind devotion or blind belief.
Naropa was Dean of that great university. His scholarly achievements were remarkable, but left him unsatisfied. So he relinquished his prestigious position and set out to find a teacher whose wisdom transcended his own great scholarship and all he knew. Eventually, he met Tilopa, a fisherman, and that meeting marked the beginning of an adventurous and highly unpredictable journey.
Among many other inexplicable tasks, Tilopa told Naropa to pinch a princess’s bottom in public and to steal some soup, as the result of which Naropa was badly beaten. Yet Naropa – a fully trained sceptic – wholeheartedly did everything Tilopa asked of him without asking a single question. His reward was the teaching on Mahamudra, which he passed on to his own students, who also passed it on. Over the centuries, Naropa’s lineage of Mahamudra teachings went on to liberate countless human beings.
People who treasure Mahamudra are not stupid; they are neither sycophants, nor are they prone to cultism. Naropa’s Mahamudra lineage has spread far and wide – not just to jobless hippies, dropouts, social misfits and rebels, but to some of the world’s greatest emperors. And the story of how Tilopa taught Naropa has been cited again and again. Not as some kind of legend, but as a teaching and an example – an example that most budding Vajrayana practitioners long to emulate.
Naropa’s Mahamudra lineage continues to the present day thanks to great Mahamudra merchants from the Far East, like Chogyam Trungpa Rinpoche, who even transported it to the wild west of America.
More than thirty years ago, Trungpa Rinpoche commanded his students, including successful lawyers and dentists from Boulder, Colorado, to move to the gloomiest place on the planet: Halifax, Nova Scotia. And they did. In modern times, such a command is the equivalent of ordering Naropa to steal soup. Amazingly, decades after Trungpa Rinpoche’s passing, those obedient dentists and lawyers are still living in Halifax, and have gone on to spawn a third generation of practitioners.
By the way, if you’re ever surrounded by a few of these practitioners, they’ll talk about the glories of Trungpa Rinpoche until your ears fall off!
This kind of story – from the time of Naropa to Trungpa Rinpoche in the 20th century – exemplifies the guru-disciple relationship on which the Mahamudra transmission entirely depends.

Did Sogyal Rinpoche Do ‘Wrong’?

Recently, it was alleged by some of Sogyal Rinpoche’s students, who also consider themselves to be practitioners in the Vajrayana tradition, that Sogyal Rinpoche regarded abusive behaviour as the ‘skilful means’ of ‘wrathful compassion’ in the tradition of ‘crazy wisdom.’
However you describe Sogyal Rinpoche’s style of teaching, the key point here is that if his students had received a Vajrayana initiation, if at the time they received it they were fully aware that it was a Vajrayana initiation, and if Sogyal Rinpoche had made sure that all the necessary prerequisites has been adhered to and fulfilled, then from the Vajrayana point of view, there is nothing wrong with Sogyal Rinpoche’s subsequent actions. (By the way, ‘initiation’ includes the pointing out instruction which is the highest Vajrayana initiation, known as the fourth abhisheka.)
Frankly, for a student of Sogyal Rinpoche who has consciously received abhisheka and therefore entered or stepped onto the Vajrayana path, to think of labelling Sogyal Rinpoche’s actions as ‘abusive’, or to criticize a Vajrayana master even privately, let alone publicly and in print, or simply to reveal that such methods exist, is a breakage of samaya.
This is not to say, as has been suggested, that tantra provides teachers with a list of ways they can abuse students sexually, emotionally and financially – you will not find such a list in any of the tantras. At the same time, a Vajrayana guru will use anything he can to challenge and go against each individual student’s ego, pride, self-cherishing and dualistic mind, and might well end up telling a sexually voracious, horny man to become a monk.
I’m sorry, but we can’t bend the rules on this point. When both the giver and receiver of a Vajrayana initiation are fully aware and clear about what has happened, they must then both accept that pure perception is the main view and practice on the Vajrayana path. There is no room whatsoever for even a glimmer of an impure perception.
But what is ‘pure perception’? Ultimately, according to the Vajrayana, the practice of pure perception doesn’t mean just seeing the guru as a god, or even as a tantric deity. Although the Vajrayana does famously include techniques for visualizing not only the guru but every being on this planet and in the universe as a deity, the main point of pure perception is to go beyond dualistic perception altogether and realize the union of emptiness and appearance.
To put it simply, pure perception is the highest form of mind training – dag nang byang in Tibetan. Dag means ‘pure’; nang means ‘perception’, and byang means ‘train’ or ‘get used to.’
So, how does pure perception work? As a Vajrayana student, if you look at Sogyal Rinpoche and think he’s overweight, that is an impure perception. To try to correct your impure perception you might then try visualizing him with the body of Tom Cruise, but that is still not pure perception. One of the Vajrayana’s infinite number of skilful methods that are used to deconstruct and dismantle impure perception, is to visualize Sogyal Rinpoche with a horse’s head, a thousand arms and four legs. But even this technique must ultimately be transcended in order fully to realize pure perception.
Basically, while the student’s perception remains impure, the guru they see will be a projection based on their own impure projection, and so it can only ever be imperfect. The only way we can change our impure perception and see the guru as an enlightened being is by training our minds, using the visualization practises provided by the Vajrayana path.
No Vajrayana teaching or qualified Vajrayana teacher would ever expect a student’s perceptions to be completely pure from the moment they step onto the Vajrayana path. This is why the techniques we apply are called ‘training’ – and even the English word ‘training’ implies that mistakes are inevitable. But there’s a very simple way of checking your progress with this practice. In the Vajrayana, you are supposed to see not only the guru but yourself as a deity. So if, having just been taught that you are a deity, you skip lunch and feel hungry, it means your training is not complete. You will only be perfectly trained in pure perception once you have finally actualized the union of appearance and emptiness.
So if a student of Sogyal Rinpoche were to see him floundering in the middle of a lake and based on their impure perception, project onto him the idea that he seems to be drowning, it would probably not be a good idea for that student to think, “Rinpoche is an enlightened being and should be able to walk on water.” A much better thought would be, “This is my impure perception! Rinpoche is manifesting as a drowning man so that I can accumulate the merit of rescuing him.”
As your practise improves, your perception of the guru will no longer be bound or limited by the causes, conditions and effects that once made you think he was drowning. This is the point in your spiritual development when you will truly see the outer guru as the Buddha and will also be able to see your own inner guru.
Until then, when your guru chairs a board meeting and it becomes obvious that he has no clue about an issue, as a prudent member of that board you shouldn’t hesitate to supply him with the information he needs. At the same time, as a Vajrayana student, you must skilfully remind yourself the guru only looks clueless to you because of your own impure perception, and that by appearing to need your assistance the guru is actually giving you the chance to accumulate merit.
We all have habits, and it’s habit that makes impure perception inevitable. The moment we step onto the Vajrayana path, we start breaking ‘samayas’ – which are our commitment to maintaining pure perception. This is why the assumption that all Vajrayana practitioners will make mistakes is built into the Vajrayana path. A practitioner’s path is then to immediately confess, expose and fix any impure perceptions the moment they arise, and to continually aspire to make fewer and fewer mistakes.
This is what is meant by keeping the samaya vows. In fact, Vajrayana practice cannot be separated from keeping samaya. There is no such thing as: “Let’s keep samaya and then practice.”
Ultimately, once we transcend all possibility of making errors or breaching samaya, even thinking that there is something to confess or such a thing as a confessor is a breakage of samaya. In Buddhadharma, not just the Vajrayana, the only way any of us can keep all the samayas, is by fully realizing a perfect understanding of shunyata.
If an impure perception – such as criticism of one’s guru – is made deliberately and consciously, and if it then goes on to become a well-organized, choreographed public discussion with no room for amendment or correction, it constitutes a total breakage of samaya.
Once an initiation has been given and received, neither the guru nor the student can continue to analyze each other – the guru cannot analyze the student and the student cannot analyze the guru. Having given someone an initiation, no matter how irritating, stubborn, neurotic or even criminal they may be, the guru must accept that person as his student and look after him or her as if they were his own child – even more so, actually. I know that many of you don’t want to hear it, but this is the Vajrayana view and this is what is taught in all the tantras.
It’s a big mistake to speculate about the possibility of continuing to analyze and criticize the guru after having received a major initiation – actually it’s totally wrong. We cannot modify Vajrayana’s fundamental view just because it doesn’t suit the minds of a few liberal, puritanical, Abrahamic, or individualistic activists.
If you find this view doesn’t suit you, but you still want to follow the Buddha’s path, you can always try the Mahayana and Sravakayana paths instead. If neither of those paths work for you – if you are uncomfortable with the non-dual groundlessness of Buddhism – you might just as well follow one of the Abrahamic religions. These are the religions that follow a clearly grounded dualistic path and say things like “don’t eat pork, do eat fish, and women must wear burqas”. If the label ‘religion’ is altogether too embarrassing for your elitist so-called progressive minds, you might try some kind of quasi-atheistic secularism, coated with moralistic ethics and bloated with dogmatic liberal self-righteousness. Or you could blindly allow yourself to be swallowed up by existentialist angst, then get annoyed with those who get blissed out on hope.
And yet, there may be some among you who long for tantric teachings because you quickly want to gain all the spiritual accomplishments you can, but without suffering any of the pain; or because you’re the kind of person who has a strong sense of entitlement and love to bypass preliminary practices. Or you might be very smart and want to follow the simplest path that gets the quickest results, so you might try outwitting the system by cutting corners to get at the highest Dzogchen and Mahamudra teachings more quickly. Or you might be one of those who whine bitterly when the guru says it’s not the right time to give such teachings and then apply intense emotional blackmail to get what you want. If you fall into any of these categories, the all-or-nothing guru-disciple relationship is what you will get. I’m sorry, but that’s the way it is and there’s nothing I can do about it.
We can’t change the Vajrayana view or invent some ‘moderate’ version of Vajrayana Buddhism just to suit the 21st century western mind-set. If we did, it would be like saying that in these modern times, we should say that certain compounded phenomena are permanent and some phenomena do exist inherently – but we can’t do that either. The view is fundamental to Buddhadharma and therefore to the Vajrayana path.
In Buddhism, the general idea is that we train our minds to actualize non-duality. Tantra offers us the most profound way of achieving that non-duality through the practice of pure perception; and in the Vajrayana we essentialize that practice by maintaining a pure perception of the guru.
Ultimately, as Vajrayana practitioners, we must apply pure perception to everyone and everything without exception, which means we must also apply it to Donald Trump and even Hitler. But we will only manage to achieve a pure perception of everyone and everything if we can first maintain a pure perception of our guru. If you try to retain the option of questioning, criticizing and analyzing – in other words if you retain some kind of selective impure perception as an insurance policy that allows you to question your very path – then how will you achieve the cessation of the dualistic mind? How will ‘one taste’ be actualized? How will you realize the union of samsara and nirvana?
One of Buddhism’s fundamental practices is that of working with our own projections. It’s a practice that is particularly emphasized in the Vajrayana. I know many of you will roll your eyes and accuse me of copping out when I say this, but everything Sogyal Rinpoche’s critical students are accusing him of is based on their projection. I know it’s hard to accept, I know it seems very real, but even so, it is a projection.
The bottom line here is: if both student and guru are consciously aware of Vajrayana theory and practice, I can’t see anything wrong in what Sogyal Rinpoche then does to his so-called Vajrayana students – especially those who have been with him for many years. Those students stepped onto the Vajrayana path voluntarily; it’s a journey that they chose to make. At least, I assume they did.
Do aspects of this journey go against commonly-accepted laws? Possibly. Do they contradict the way 21st century modern human beings usually think? Yes. From a worldly point of view, much of the Vajrayana seems unthinkable, perhaps even criminal. If Tilopa were alive today, he would have been locked up long ago. Come to think of it, which western country or culture would actually brag in its great literature about Marpa beating up Milarepa? Yet the Tibetans celebrate this story, holding it up as one of the most glorious examples of a true guru-disciple relationship.
I also assume that these critical close students of Sogyal Rinpoche didn’t originally go to him for advice about how to achieve worldly success or for therapy, but to find out how to transcend this ordinary world – which necessarily involves going beyond all kinds of worldly values like morality, the rule of law, accountability, transparency and so on. You can’t leave one foot firmly grounded in your worldly comfort zones and ambitions, then expect to be able to transcend them.
This is the very reason the Vajrayana is said to be exclusively for disciples of ‘superior faculties’ – which in this context, has nothing to do with being clever enough to qualify for a Rhodes scholarship or graduate from Stanford. A person with ‘superior faculties’ is totally disgusted with the dualism of samsara and nirvana, repulsed by ideas of fundamentalism and moderation, revolted by anarchism and morality, and single-minded and sincere in their devotion to the transcendence of duality. And this is why students are given so many warnings before they receive Vajrayana teachings.

Were Sogyal Rinpoche’s Students Warned? Were the Necessary Foundations for Entry into the Vajrayana Laid?

Anyone with even a modicum of common sense knows that a warning must come before, not after the event. So it’s a Vajrayana master’s duty to warn aspiring students repeatedly and in advance about what they are letting themselves in for. Students must be warned about what they are about to undertake – the full picture, not just the highlights.
If Sogyal Rinpoche had given these warnings, if he had laid proper foundations by teaching the fundamentals of Buddhism, if he had made sure his students had established a strong foundation through study and practice, and if he had told them before they received initiation and teaching about the nature of the Vajrayana path and the consequences they would face if they broke samaya, the chances are that this current situation would never have arisen.
But I suspect that’s not quite what happened. What are my suspicions based on? Partly my knowledge of Tibetan teaching habits, and also what little I know of Sogyal Rinpoche’s teaching methods.
First of all, many Tibetan teachers are still in the habit of teaching non-Tibetans as if they were Tibetan. In Tibet, the Vajrayana wasn’t taught nearly as secretly as it was in India, where the necessity for maintaining absolute secrecy about the nature of the teachings and even the identity of the teacher was emphasized again and again. Even initiations were given in secret, often in uninhabitable places like cemeteries and mountain tops. This is quite the opposite of how Tibetan lamas – who usually sit on huge thrones in front of thousands of people – give initiations.
In India, our tantric predecessors were already extremely well-informed – Naropa, for example, knew exactly what he was getting himself into. That was not the case in most of Tibetan Buddhist history.
It’s ironic that today’s western students are so eager to emulate the Tibetan way of doing things – habits which, by and large, really aren’t worth cherishing. Two millennia before the European Renaissance brought a new culture of inquiry and investigation into the modern world, the Buddha had already pointed out and emphasized the vital part analysis plays in the discovery of the nature of reality. More than two millennia before the downfall of authoritarianism in the west, the Buddha taught, “You are your own master. No one else is your master.” Neither of these pieces of advice has ever been taken seriously in Tibet. Not taking such teachings seriously is a very bad habit and certainly nothing to be proud of.
Tibetan lamas often use tantric rituals as part of local public events, which means that Vajrayana initiations take place alongside flag hoisting and ribbon cutting. This use of tantra was unheard of among the Tibetans’ Buddhist predecessors in India, where not even a trace of sacred Vajrayana transmission or ritual could be seen before, during or after its discrete performance. Tibetan lamas also openly boast about their gurus, as if they are unveiling a commemorative plaque. But I would be extremely surprised to learn that Naropa put any effort at all into building up his CV, or that he ever announced publicly that his tantric guru was Tilopa.
It might be possible to give Vajrayana initiations and teachings openly and publicly in places where the initiates are completely devoted, largely illiterate and have no academic training or custom of analysis. But it’s difficult to find that kind of person in a world that’s full to overflowing with smart-arses. So nowadays, when Tibetan lamas apply their habit of openly giving Vajrayana teachings to non-Tibetans – particularly westerners – but forget that they are presenting these disciplines to people who read The New York Times, are groomed in critical thinking, trained to cherish analysis and contemplation, and applauded for rebelling against convention, isn’t it inevitable that things fall apart?
In stark contrast to the characteristics that mark out modern western Dharma students, the majority of Tibetan disciples were culturally obliged to receive initiations and teachings as part of their traditional life. Very few Tibetans approached the Vajrayana with any thought of applying the proper, recommended analysis, and instead relied on blind devotion. To this day, many of us Tibetan lamas, not just Sogyal Rinpoche, stick closely to our traditional habits and therefore devote very little time to giving students the appropriate warnings and laying the necessary foundations prior to giving initiations and teachings.
I know a little about Sogyal Rinpoche because I have visited several Rigpa centres and have witnessed the Rigpa set-up first hand. To be frank, I didn’t see enough evidence to convince me that the appropriate warnings had been given, or that adequate foundations had been laid, or that the fundamental teachings were properly given. On several occasions it seemed to me that some of the students had been Christians until perhaps the day before they attended the teaching, then suddenly, 24-hours later, they were hearing about guru devotion, receiving pointing out instructions and practising Guru Yoga – it was as extreme as that.
If that’s how it happened – if no proper warnings and no fundamental training were given prior to the Vajrayana teachings¬ ¬– then Sogyal Rinpoche is even more in the wrong than his critical students. Why? Because it is his responsibility to prepare the ground in accordance with the Vajrayana’s prescribed and well-established foundation teachings and practice. There is no question that the person with the greater knowledge, power and therefore responsibility is also more culpable when those obligations are not fulfilled.

How Western Students Respond

But there are things about all this that puzzle me. The students criticizing Sogyal Rinpoche seem to be highly intelligent. Why, then, weren’t they smart enough to examine and analyze the teacher before signing up? How did they allow themselves to get so carried away by the Rigpa experience, those glossy, well-crafted pamphlets and all the other hoo-ha? And I really don’t understand why they waited ten or even thirty years before saying anything? How come they didn’t see all these problems in the first or second year of their relationship with Sogyal Rinpoche?
I should also say that my puzzlement is mixed with sympathy, because we human beings are not only subject to our intellects, we get stirred up by our feelings. I can only speculate, but perhaps these students were moved and even awed by everything they encountered at Rigpa? Perhaps the glossy pamphlets, the incense, thrones and chanting did their job? And of course, Rigpa has hosted many very highly respected, illustrious lamas, including the highest of them all, which must have cemented the veneration and respect these students felt not only for the whole tradition, but for Sogyal Rinpoche himself. As a result of the unexpected eruption of pious feelings they then experienced, there must have been very little room left in their minds for further analysis, because emotionally they just wanted to ‘jump!’ From what I have seen in Rigpa, this may well have been what happened.
Alas, karma does also seem to play a role in all this, doesn’t it? And now that I’ve brought up karma, I’m sure some of you will accuse me falling back on another cop-out. Nevertheless, the reality is that falling for glossy advertising and Tibetan paraphernalia, feeling inspired and touched by Tibetan exoticism and the endangered Tibetan species, and everything else that pops into our minds, all arise from the causes and conditions that are the essence of karma.
That’s the way it is and all I can do is encourage each one of us to accumulate more good karma so that we won’t be faced with this kind of situation again in our lifetimes. Feelings are karmic. And I am afraid this situation won’t be settled until that karma is exhausted.

If a Vajrayana Teacher and Student Fall Out, What are the Consequences?

If the teacher and student have reached a genuine understanding about the path being practised, and if all the necessary and appropriate foundations have been laid and a clear idea of possible consequences conveyed, but the student still has a wrong view and acts on it by slandering and criticizing the teacher, then, according to tantra, that student will face grave and unimaginable consequences.
But the same also applies to the teacher. In fact, if the teacher hasn’t laid the proper foundations, if the teacher takes advantage of a student physically, emotionally or financially, and if the teacher gives the highest yoga tantric teachings to those who have not established a proper foundation and as a result an immature student breaks the most fundamental root samayas, then the teacher will also suffer extremely grave consequences – consequences even more serious and terrible than those faced by the student.
If the proper foundations have been laid, but the guru’s actions – physical, verbal, emotional etc. – do not bring the student a centimetre closer to enlightenment, and if the teacher’s actions are aimed at personal gain, sex, money, power or selfish indulgence, it’s clear he doesn’t know what he’s doing. He is therefore obviously not a great Vajrayana master, let alone a mahasiddha. And he will therefore experience extremely grave consequences.
When I say ‘grave consequences’, I don’t mean exposure in social media, or having his image ruined by scandal, or even that he is arrested and imprisoned. That’s nothing! The consequences for the teacher are far worse than mere worldly humiliation: he would end up in vajra hell. What is vajra hell? It isn’t merely being boiled in molten iron or fried by hell guardians – which actually sound quite comfortable by comparison. The unbearably awful characteristic of vajra hell is that once you’re there, you will not hear a word about the teachings on cause and condition, dependent arising, shunyata and the rest, for aeons and aeons and aeons. A thousand buddhas might come and go, but in vajra hell, you will hear absolutely nothing about them or their teachings.
If a teacher’s actions ruin the image of the Buddhadharma, or spoil an aspiring student’s appetite for the Dharma, or if the seed of inspiration that leads just one person to follow Buddhadharma is burnt irrevocably, the consequences are so terrible that they are, in fact, inexpressible.
Few people seem to know how difficult it is to be a Vajrayana student, but almost no one knows that it is far more difficult to be a Vajrayana master. I think the widespread woeful ignorance of these consequences is why so many people today fall over themselves to get a job as a guru – even the non-religious secularists. But given the opportunity, these so-called gurus dish out abuse in exactly the same way ordinary people do. If people knew how precarious and dangerous a guru’s job really is, I doubt anyone would want it.
A guru’s very prestige and all the perks he or she appears to enjoy, signify just how much greater the guru’s opportunities to deceive and be deceived are, in comparison with the student’s opportunities. As Patrul Rinpoche stated in The Words of My Perfect Teacher, when a student offers a single penny or makes any kind of effort, however small, to show respect for the teacher – by standing when the teacher enters a room, or bowing to the teacher, or letting the teacher go first – there are consequences; and if the so-called Vajrayana master is not enlightened, he or she is not above the karmic debts these offerings create.
Of course, ideally, a Vajrayana master should be an enlightened being. But the reality is that many Vajrayana masters may not be, yet for reasons that have nothing to do with personal gain, fame and power, they take on that role. Some assume it out of necessity. Or when the teachings need to be upheld or the lineage is at risk of being broken, they accept the role of Vajrayana master out of love for the teachings themselves. Basically, if they find themselves in the position of having no choice but to pass on these precious teachings, then very reluctantly, they become Vajrayana masters.
So an unenlightened master should be under no illusions. He must know in himself that he isn’t enlightened, and he should never deceive himself by claiming that he is. As his student, though, you must see your Vajrayana master as an enlightened being. This is the choice you must make. But doesn’t that contradict the Buddha when he said, “You are your own master. No one else is your master”? No, it doesn’t, because you are the one who is making that choice.
A Vajrayana master is definitely not a mahasiddha if he is affected by scandal, afraid of being publicly shamed and terrified of being thrown into jail. Neither is he a mahasiddha if he worries about losing disciples. A genuine mahasiddha, like Marpa or Tilopa, wouldn’t give a damn about any of that, nor would he give a second thought to being thrown into prison. And a mahasiddha would certainly never feel the need to apologize for any of his actions, because everything he does is done out of compassion.
On the other hand, if your Vajrayana master is not a mahasiddha and not only beats up his own students but also random people in the street, prefers shit to gourmet food, tears up $100 notes, carries around a suitcase full of footballs or sand, gets equally turned on by a rock and sexy man or woman, talks gibberish, and doesn’t guide you onto a path that has a view, meditation and action, or a ground, path and fruition, then he is simply mad and belongs in a lunatic asylum.
But what if a Vajrayana master is neither a mahasiddha nor mad, what should he do? He should behave ‘decently’.
Whether he’s enlightened or not, a Vajrayana master will have studied many precious, profound teachings and techniques. Now that he’s a teacher, he can share what he’s learned with sincere and devoted students. He knows that by using these teachings and the methods his masters used to teach him, there is every possibility that his disciples will get enlightened before him. So he has very good reason for being decent and for not taking advantage of those who have surrendered everything to him. Whatever his students have sacrificed and offered – time, money, offerings, respect, whatever – he must use it to help them. If he lights one candle and puts it in front of a statue of a Buddha with genuine aspirations for his students’ enlightenment, that will do.
Being decent also means that the Vajrayana master must know his students’ limits – what they can and can’t take. To do that, he simply has to use his common sense and ask himself what his own limits might be. What, for example, wouldn’t he have done even if his own Vajrayana master had told him to do it? If Sogyal Rinpoche’s Vajrayana master had told him to become celibate, would he have?
To always obey the guru’s orders is difficult. Fortunately, none of my Vajrayana masters ever told me to do anything that I would have found impossible to attempt – I’m quite certain they knew that I lacked the capacity to do absolutely anything they asked of me.
At the very least, an unenlightened Vajrayana master must always consider the consequences of his actions. In particular, he should ask himself if his actions might turn people away from the Buddhadharma in general and the Vajrayana in particular. And an unenlightened but decent Vajrayana master must always remind himself to distinguish between the fearlessness of ‘crazy wisdom’ and the stupidity of ‘I will never get caught!’

Lost in Translation: Misreading Cultural Cues

From my own very limited point of view, and after the experience of having western friends for several decades, I would say that only one lama has really understood western culture and acted on it appropriately, Chogyam Trungpa Rinpoche.
Most Tibetan lamas, as I said earlier, teach non-Tibetans in exactly the same way they teach Tibetans. In the process, they try to do the impossible by transforming their western students into Tibetans. Believe it or not, I have met people who genuinely believe that the only way they can study and practice the Dharma is by learning Tibetan, chanting Tibetan-style, saying prayers in Tibetan, and even wearing Tibetan traditional dress.
I’ve also noticed that Tibetan lamas spend a great deal of time teaching their students Tibetan traditions that have nothing at all to do with the Dharma. I wouldn’t be surprised if, by so doing, some lamas have led their western students to believe that it’s only possible to attain enlightenment as a Tibetan.
If Buddhadharma in general and Vajrayana in particular are to be passed on and taught to non-Tibetans, it is so important that there is a proper cultural understanding between teacher and student that allows the genuine Dharma to be transmitted properly and accurately. This is really difficult, but absolutely necessary.
Culture, after all, is a habit, and habits are the fundamental manifestation of ignorance. So it is totally unfair to blame the Vajrayana system when lamas and students don’t follow Vajrayana procedures because they prefer to rely on their cultural assumptions and habits – which I’m afraid most lamas like to do.
The Vajrayana system itself lays out all the necessary procedures very clearly. Almost all major initiations – even the very first of the usual four initiations – are preceded by at least six warnings. These warnings include instructions about the lama showing the vajra, giving the oath water, and more. But how many of us lamas really emphasize these warnings?
When Tibetan lamas give initiations to Tibetans and Bhutanese, most recipients have no clue about what’s going on, and very few even care to know. By and large, Tibetan lamas take for granted that western students have the same attitude. These lamas sometimes give initiations to thousands of students at a time, but too often students don’t know what they received, let alone what the ritual meant, because the Vajrayana’s warnings were simply read out loud and left unexplained.
To be fair, some responsibility must also rest with the western students, who are sometimes more interested in looking and speaking like Tibetans than actually practising the Dharma. If they are Tibetologists, activists who yearn to be the saviours of Tibetan culture, then that’s the way to go – and I assume there might be some benefit in it.
But here we are talking about Buddhadharma, and Buddhadharma is way beyond ‘culture’ and ‘country’. So if you are interested in attaining so-called enlightenment, if you want to be ‘awakened’ and liberated from all defilements and the effects of defilements, then obviously you have to go beyond culture altogether – even the curry-eating, tsampa-chewing and coffee-drinking cultures.
Clear distinctions between Dharma and culture must be made if we are ever to sort out the current confusions – which, as I’ve said, will probably continue for a while longer. Looking at the next generation of lamas and how they are currently manifesting, I must say, I can’t see a glimmer of awareness of this issue amongst any of them.
I’ve been told that Chogyam Trungpa Rinpoche made his students do sitting practice – shamatha – for several years. He also made them study the Sravakayana and Mahayana teachings in detail, putting them through years of preparation before they were granted any Vajrayana initiations or pointing out instructions. Trungpa Rinpoche went so far as to create the Shambhala phenomenon – Shambhala training and sitting practice – to ensure that his students were really well prepared for the Buddhadharma.
All the prescribed preparatory procedures are important. Remember, Naropa was already a celebrated scholar and the Dean of Nalanda University before he even tried to find his guru – in other words, he was fully prepared.

Direct Warnings that were Misinterpreted

Another factor that adds to the complexity of the current situation is that however familiar students are with the advice that they should analyze and test the guru before becoming his student – and even when they are given direct warnings – part of being human is that there are some things we simply don’t want to hear, especially when we have been hit by the arrow of inspiration. This means that in practice, on the rare occasions when the proper warnings are given, many people simply don’t listen. Some don’t even hear the words of the warning. For many of us human beings, the skill of being able to listen and actually hear isn’t easy to pick up.
Sadly, warning people of potential danger or trouble can itself end up causing even more problems. Recently, I was very frank with a young woman who was new to the Dharma and suggested that she stay away from a particular young lama because of a few things I knew about him. My advice was heartfelt and disinterested. I wasn’t only concerned for her, but also for the young Rinpoche and for the Buddhadharma. But she didn’t take my advice well – actually, she took it completely the wrong way. To her I was being controlling, possessive and jealous. Of course, many young people have rebellious natures and often do the opposite of what you suggest. But in this case, she repeated everything that I’d told her confidentially to the young lama, and the upshot was that a rift opened up between the lama and me. This was very unfortunate.
Something similar happened when a student complained to me about how her guru was constantly asking her to buy him things – expensive Rolex watches, cars, antiques etc. By the time she came to me, she had already bought him many things, but now, she said, she couldn’t keep it up because she also had financial obligations to her family. I replied that generally speaking, if she, as a student, really wanted to make expensive offerings to her teacher, she should make as many as she could, for as long as she could. But, if she felt the slightest awkwardness about what she was doing, she should express her concern directly to her guru instead of to me. So she spoke to her teacher. Unfortunately, she also told him that I was the one who had told her to address him directly, and from that day to this, he and I have not been on speaking terms. Giving advice can be hazardous.
What if, years ago, I’d warned the Rigpa students who wrote the letter critical of Sogyal Rinpoche, to examine and analyze their teacher carefully before they became his students. Would they have listened to me? I doubt it. At worst, an overt warning could have resulted in major misunderstandings and serious conflict – which as a human being I certainly want to avoid. I also remember some very defensive reactions from Rigpa students after a joke I made about the excessive Tibetan paraphernalia I saw in Rigpa centres.
But what if I had taken on the role of devil’s advocate? What if I had not only advised these students to check and analyze their guru, but gone further and said: “Sogyal Rinpoche has introduced you to so many truly great Vajrayana teachers. Why did you choose to continue following him rather than one of those great masters?”
What if I’d raised the question: “Apart from what Sogyal Rinpoche himself tells you, what proof do you have that he was fully and properly trained? He was only a child when he received teachings from Jamyang Khyentse Chökyi Lodrö – did you know that? Did you know he was just ten or twelve years old when Khyentse Chökyi Lodrö passed away? Did you know that he went to a Catholic school in Kalimpong and then to Delhi University? So when did he do his training?”
What if I’d asked: “Do you see Tibetans flocking to Sogyal Rinpoche for teachings? Tibetans are always very polite to each others’ faces, but do you know what they really think? Maybe, in spite of the fact they know he hasn’t been well-trained, they are polite to Sogyal Rinpoche because they are following Tibetan custom.”
What if I had raised such questions? Would any of the students who are now being so critical have listened to me? I’m not just talking about Sogyal Rinpoche here. What if I raised such questions about all our present lamas, rinpoches and khenpos?
Karma so often undercuts analysis and bypasses warnings. And of course, karmic links and karmic debts always play out, including the continual misreading of cultural cues – for example, whatever they think of each other, Tibetans are always publicly polite to each other, which many westerners misinterpret as a confirmation of high regard.
The Tibetans and the Bhutanese – and I myself am a Tibetan-Bhutanese hybrid – have been thoroughly marinated in umpteen cultural habits. I must admit that more often than not, when it comes to talking frankly and honestly about these important issues, these habits really get in the way. People like me think we should always act humbly and often misunderstand the difference between being humble and not being upfront. But the habit of humility often serves a purpose, and can, for example, prevent unnecessary arguments from breaking out. Personally, I would still opt for this approach, partly out of habit and partly to stay out of trouble – and as human beings, most of us usually try to stay out of trouble if we can.
Of course, lamas often don’t say certain things openly because their words have, in the past, been misreported, misquoted and cut and edited to mean something else entirely –lamas are too often misrepresented in all kinds of ways. So, being able to say what they really think can become problematic.
Basically, as I said earlier, warning people about how to choose their guru is one of the most difficult things a lama can do. But if we hold back from warning students openly, how can consequences be avoided?

Different Times, Different Challenges

I have received abhishekas from about thirty lamas, but I cannot claim to have properly analyzed all of them. To be perfectly honest, I’m one of those Tibetans who mostly jumps into initiations without taking the time to examine the preceptor much at all. But before I decided to receive a particular initiation or teaching from a lama, I did usually remember to use my common sense.
One method you can use to choose which lamas to receive initiations from is very similar to the way you can, for example, find out where to get good pasta in Italy. We assume that the places local Italians eat will be pretty good, because Italians know about pasta. Based on that common sense principle, I have myself avoided receiving teachings from certain lamas.
Orgyen Tobgyal Rinpoche once told me that when Kyabje Dilgo Khyentse Rinpoche first visited France, hardly anyone attended his teachings, but as soon as it was known that Sogyal Rinpoche would teach, everyone would go to hear him. Of course, I understand why people flock to hear Sogyal Rinpoche; he speaks English and is humorous, so students can relate to him ¬– they feel connected. We human beings do tend to opt for accessibility when we can, so that may also have been a factor.
I have to say that none of the gurus from whom I received initiations and teachings ever abused me financially, sexually, physically or emotionally. But I must admit, I also assumed that they would never do such a thing – which was wrong of me. Once you decide to take a teacher as your guru, you are not supposed to make any assumptions about whether you will be treated well or not, because the point is to have the courage to surrender completely before you embark on the completely unknown and unpredictable Vajrayana journey. And as a Vajrayana student, I like to aspire that in future lifetimes I really will be able to maintain pure perception of my guru and have the ability to do whatever he or she asks of me, no questions asked.
However, the common sense method for choosing a guru that I spoke of using the pasta example has its limitations. I am quite sure that many people fall for a guru because he or she happens to be the student of a great master, or because he or she has been publicly lovey-dovey with many other great gurus. My own experience has taught me that this approach doesn’t always work.
Kyabje Dilgo Khyentse Rinpoche so venerated and respected Jamyang Khyentse Chökyi Lodrö, Shechen Gyaltsab and Khandro Tsering Chödrön that anyone connected with them also became very precious to him – even their pet dogs. I couldn’t see much greatness in several of the people for whom Kyabje Dilgo Khyentse Rinpoche showed such great affection. When I mentioned how I felt to my personal tutor, he replied that Kyabje Dilgo Khyentse Rinpoche had perfectly pure perception of everyone and everything, especially those connected with his own guru. Then he scolded me, “This is something you need to learn.” Now I realize just how priceless that advice was.
In a nutshell, for those of us who set out on a spiritual journey, judging a guru by his own CV and the illustrious masters he knows is not always a reliable method. In fact, on this path the very existence of that type of CV is fishy. Naropa didn’t go to Tilopa because he had a great CV. On the contrary, Naropa had to seek Tilopa out. No one knew Tilopa because he was a common fisherman, so just finding him was extremely difficult.

Checks and Balances

To institute checks and balances in the spiritual world isn’t easy. As the Buddha himself said a couple of millennia before it was recognized in the American constitution, no system is perfect. Buddhism is, nevertheless, a system, but a system that itself doesn’t actually believe in system; and its ultimate checks and balances are karmic causes and conditions. Buddhism also recognizes that only an enlightened being can tell if another person is perfect or not.
Some of you are currently trying to do everything you can to ensure that lamas who misbehave are not left unpunished. Your motivation may well be good: you may want to spare more innocent people the suffering caused by that kind of bad behaviour, and you may not want to see anyone else driven away from the Dharma because of it.
My personal feeling is that, these days, there are very few morally decent, compassionate, kind, caring and uncorrupted human beings in the world – the kind of person for whom we instantly feel a sense of awe when we meet them. And as the mentality of ‘each man for himself’ grows stronger every day, the few decent human beings left on this planet are disappearing fast. Perhaps exposing people’s faults publicly like this, in social media and elsewhere, will make others afraid to act badly? Maybe this is the best we can do in this degenerate day and age. At least some lamas, especially the younger generation, are being sent a powerful message that they can’t get away with this kind of behaviour. So at a time when power and prestige are so intoxicating that some lamas consider themselves untouchable and forget that they could well be held to account, perhaps it is necessary? But I really don’t believe that public shaming or legal punishment is the answer, or that it will actually solve the whole problem.
Many people seem to be so disillusioned by this current situation that they think we have reached a turning point that signifies the beginning of the final decline and demise of Buddhadharma. Sadly, some students may be so disillusioned that for them, there is no turning back.
I’m afraid there is no doubt about it: Buddhism is declining in this world. I am certain that the misgivings people have about the key stakeholders in Buddhadharma – like the Tibetan rinpoches who should have a vested interest in the survival of Buddhism – is one of the reasons why so many feel so discouraged.
While Buddhism has always faced outer obstacles – like invasions, forced conversion by Islam, cunning conversion by Christianity, patronizing assimilation by Hinduism, and so on – its main obstacle is internal and stems from sectarian attitudes. Today, most of us are barely aware of this, even though it’s the greatest of all the threats Buddhism is facing.
There are many factors contributing towards the degeneration of Buddhadharma. Under the banner of rational objectivity as opposed to superstition, and clothed in a supposedly undogmatic liberalism, many among the European and American Buddhist elite are currently promoting a version of Buddhism that completely does away with reincarnation. Their campaign has the potential to destroy Buddhism far more surely than any of its internal scandals. After all, the current scandal is about just one person, whereas the pernicious and apparently contagious trend of misrepresenting the Dharma – which is being perpetrated by many and affecting even more – is spreading so fast that it is far more insidious and destructive.
In addition, there’s a large group of ‘respectable’ life-style teachers who cherry-pick and plagiarize Buddhist ideas without compunction. They market their approaches as ‘mindfulness’ and ‘secular ethics’, but are careful to leave out any terms, expressions or jargon that sound even remotely religious, on the pretext of making the Buddha’s ideas accessible to modern people. They lack the decency even to acknowledge the original author of the ideas and practices they peddle, and instead often try to insinuate or even baldly claim that they have discovered it all for themselves. To me that’s theft, plain and simple. I would have thought that westerners, who so cherish notions about intellectual property and whose countries enforce strict copyright rules for the protection of writers and institutions, would behave better.
Even more dangerous are the self-made gurus who use mindfulness and other Buddhist practices to turn the essence of the Buddhist path into techniques for increasing our love of samsara. By doing so, they utterly destroy the entire purpose of the Buddhadharma, which is to liberate suffering beings from samsara. If this perversion of the Buddha’s teachings is not demonic – the ‘devil incarnate’, as Christians might say – what is?
At the other extreme, Buddhism is also being undermined by the pervasive tendency in Sikkim, Nepal and Bhutan to preserve so-called ‘precious culture’ and ‘age-old tradition’ at any cost. In the process of trying to embalm their traditions, they are effectively hijacking Buddhism and stripping it of all meaning and relevance for this modern age.
Sogyal Rinpoche’s misbehaviour may be his ruin and, sadly, it may be the ruin of some of his students. But the other far more destructive trends within Buddhadharma have the power to affect millions and will ultimately destroy Buddhism far more completely than this present scandal. Frankly, they are even more deadly than the decimation wreaked on Buddhadharma by the Cultural Revolution and other external forces.

What Now?

The present situation is difficult and unfortunate, there’s no doubt about it. But at the same time it’s nothing new. In the course of Buddhist history many such scandals have blown up – and some were much worse. I think that this particular situation is giving us all the opportunity to show how resilient we are. It’s also our chance to think about Buddhism’s big picture rather than just one small corner.
For followers of the Buddha, particularly Vajrayana students and especially students of Sogyal Rinpoche and those who are asking very hard questions, I firmly believe that the current discussion about how gurus behave is rooted in a sincere desire to sort things out and to help the Rigpa sangha and larger Buddhist world. This is the positive aspect of the kind of questioning we are seeing today, and it’s an aspect that really must be recognized and appreciated.
Like it or not, as members of the wider Buddhist sangha and specifically as vajra brothers and sisters, we have created a bond between us that is far more important than family. But in our close relationships, we human beings often suffer as a result of miscommunication. What is the antidote for miscommunication? Communication! So now’s the time to clear a space in which genuine, wholehearted communication can take place. In fact, I’ve already seen a number of letters and on-line postings by people who are making a big effort to find a good solution.
Above all, though, we really must look at the big picture – this is most important. We must not make outcasts of the Rigpa sangha or of any of its individual members. It’s also vital that we remember and acknowledge just how much goodness Sogyal Rinpoche has brought to Europe and to America. The fact that he introduced so many people to such truly great teachers alone is a contribution to the Dharma that can’t be repaid, because those outstanding masters were not just authentic Dharma teachers, they were some of the greatest living beings of the century.
On balance, I would argue that Sogyal Rinpoche has contributed far more benefit to this world and Buddhadharma than harm. We must remember this. It’s far too easy to view this current situation simplistically, then take sides and gang up on those with opposing views – especially where devotion is involved.
For myself, what’s been happening recently amongst the Rigpa sangha has really enhanced my appreciation of many of Rigpa’s students – those that some might label as blind sycophants. I myself know many who are diligent, kind, eager to learn, and who really care about the continuity of the Buddhadharma and lineage – which is rare in this world. In this day and age, for anyone even to attempt the practice of pure perception and maintain devotion for their teacher and the teachings is truly admirable. It is so encouraging to see so many first or second generation western practitioners dedicating themselves to Buddhist practice in this way. While it is tempting to focus entirely on the scandal and the disgrace, what we should really try to do is view it through a much larger and more positive lens. From what I can see, most Rigpa students recognize that there is something incredibly good in the teachings they have heard and in their lineage. And of all the western Vajrayana students I’ve come across, Rigpa students are among the best and humblest.
Tibetans should also recognize that these westerners, unlike Tibetans themselves, were born and grew up in countries that lacked any form of Dharma influence. Yet many of these western students go to great lengths to seek out the Buddhist teachings. Without any historical Buddhist roots and absolutely no Buddhist culture in their countries of birth, they have nevertheless tried to do everything the Tibetans, who were their teachers, have asked of them. They have always tried to do their best. Many have even done things like turn their living rooms into small gathering places where people can practice. And most of them are not rich – many can barely make ends meet.
In this extreme, fanatical age, when so many are lost and desperately looking for some meaning in their lives, these westerners’ pursuit of Buddhadharma is remarkable and worthy of lavish praise. This is especially so at a time when so many people in the world voluntarily opt to follow the most extreme of all views and paths which glorifies harming themselves and others. Yet our so-called liberal, free, intellectual society tries so hard to justify this kind of extreme outlook and action. Some even label it ‘moderation’, laying the blame for its violence on an errant few, rather than recognizing that it’s the view and the path that are mistaken.
I would go as far as to say that there seems to be a trend amongst liberals and intellectuals – all those who pride themselves on being objective and love to criticize – for finding fault in things that are obviously good, and finding good in things that are obviously very bad. As a result, they put a remarkable amount of time and energy into deriding a path that’s based on love and compassion, has virtually no historical record of violence, and that teaches the most profound wisdom of dependent arising. And they put even more time and energy into justifying a path that glorifies violence and dualism.
The present upheaval caused by the very public criticisms of Sogyal Rinpoche is distressing for many genuine Buddhist practitioners, especially now that the western media are seizing on it with such enthusiasm. I suspect that many liberals, atheists and much of the western media would be delighted if news of a Jain suicide bomber now hit the headlines, because it would prove their point that all religions have a dark side and harbour extremists. How can we not be discouraged when Germany’s largest daily newspaper, the Süddeutsche Zeitung with a daily readership of more than one million, publishes a lead article about the Sogyal Rinpoche scandal under the section heading ‘Buddhism’, and entitled “Abuse.” Imagine the outcry if the western press were to report every Muslim bombing and massacre under the heading ‘Islam!’
So in this hypocritical age, followers of the Buddha must be braver and more courageous than ever before. At a time when there is almost no support or encouragement for those who follow a genuine path, and when doubt is sown at every turn, it’s more important than ever that we – as individual practitioners and sanghas – don’t get swallowed up by scandal and factional conflicts. In an era when wrong views and murderous actions not only prevail, but are celebrated and even justified by respected liberal intellectuals, we must redouble our efforts to study the authentic view of Buddhadharma. By focusing on the big picture and the long-term future of Buddhism, this present crisis could be the perfect opportunity for us all to renew, for the sake of all suffering beings, our commitment and dedication to the study and practice of the Buddha’s authentic path to enlightenment.

Weitere Informationen

Eine Vortragsserie mit fünf Vorträgen von Dzongsar Khyentse Rinpoche, die er zur Anfangszeit der Debatten um Sogyal Rinpoche in Europa hielt, ist auf Youtube zu sehen, darunter beispielsweise hier sein Vortrag im Rigpa-Zentrum in Berlin: https://www.youtube.com/watch?v=NWcjJzmOKQk.

DOKUMENT 11: Öffentliche Stellungnahme eines älteren Rigpa-Schülers zum Rücktritt von Sogyal Rinpoche, 14. August 2017

Auf dem Blog „What Now?“, der sich mit den aktuellen Missbrauchsvorwürfen und der Debatte um Sogyal Rinpoche auseinandersetzt, zeigt sich ein langjähriger Schüler von Sogyal Rinpoche erfreut über die Reformen, die das Rigpa-Management angekündigt hat, formuliert aber auch seine Zweifel an der Fähigkeit der Leitungsgremien, die notwendigen Reformen tatsächlich in Gang zu setzen.

I was extremely pleased with the two letters received by the Rigpa Sangha on April 11, one announcing Sogyal Rinpoche’s resignation as spiritual director of the organisation, and the other explaining the position of the Rigpa management and how they intended to proceed.
After His Holiness the Dalai Lama said that Sogyal Rinpoche had been disgraced and that his students had done the right thing in publicising his unethical behaviour, stepping down was the only way to give Rigpa, the organisation, a chance to continue without continuing to be tainted by Sogyal Rinpoche’s unethical actions into the future. Now that he has done this, it is clearly the students’ responsibility to clean up the organisation. Rinpoche suggested that Rigpa could continue by bringing a range of teachers to the West from all the Tibetan traditions, a direction I always saw as the way forward for the organisation. So I feel this is very good.
I know that some are disappointed that there is still no admission of harm from Rinpoche, but the legal implications of doing so make any public apology not a wise move for him. I think we need to understand this. I hope that personally, however, for his sake as well as for those harmed, that he will come to understand that he has caused harm. I would be very happy should I ever hear that he was doing a Vajrasattva retreat, for that would indicate that he has realised and was undertaking purification practice, which includes the practice of regret, reparation, and a vow never to repeat the harmful actions. Such a move would be very good for his health and for those who need some acknowledgement that he feels regret, not regret that this had been exposed (which is all that has been said so far), but regret that he acted improperly.
Some will be disturbed by Sogyal Rinpoche’s statement that “I will continue to share teachings with you and to guide you, while on my retreat, and beyond.” They are concerned that he should not be near students, at least until the code of ethics is in place. However, I understand that others would be devastated to think that he may not teach again. Video teachings are probably fine. Saying that he will still guide the sangha, however, could be seen as a contradiction to the point of his resignation as spiritual director. It also casts doubt on the authenticity of his ‘retreat.’
As for the letter from the Rigpa Management: it is wonderful to finally have some definite directions. They tell us that they “are fully resolved to meet this difficult situation responsibly, sensitively, head-on, and in a way that is completely consistent with the teachings and the spiritual values that we uphold.” Wonderful. It would be nice to see that same resolve from everyone in the sangha, because one of the reasons I’m no longer part of Rigpa is the vicious behaviour I have been subjected to by some members of the sangha, and the blatant misuse of teachings with the sole purpose of defending the indefensible.
It is a pity that ethics wasn’t specifically mentioned because some members of the sangha seem to believe that ‘spiritual values’ in Rigpa do not include ethics. However, Mingyur Rinpoche makes it clear in his article in The Lion’s Roar that ethics are the foundation of the path, and I hope that the Rigpa management will make sure that all students have access to this article so that those who are presently unclear on this will give his clear teaching on the matter the respect it deserves.
They also say they must “seek to resolve it in the best way possible for all concerned, including those who feel aggrieved.” For those who do feel wounded or hurt (don’t we all?) to feel that it has been resolved in the best possible way, they will need to talk to some people who have already left the organisation. I am heartened that I actually did receive the communication through a Rigpa source. This and their later statement that “it is important that you, too, are consulted and have the opportunity to give feedback” indicates that everyone has a role in making sure that this is dealt with in a satisfactory manner.
People will be waiting, but they will also be watching. Rigpa must be totally transparent as they move forward on this. Unfortunately, recent reports of Sogyal Rinpoche’s most senior student delivering only partial information, and therefore a distorted view, to the sangha at Lerab Ling does not give one faith that those who have been running the organisation for years, have known about the abuse, and have covered it up are about to change their ways. His Holiness said on the 1st August 2017 “Sogyal Rinpoche, my friend, but he disgraced.” All that was quoted during a retreat at Lerab Ling was “Sogyal Rinpoche, my friend.” Some students need to consider whether it might be best for the future of Rigpa that they also resign.
I was hearted to hear that management intends to “establish an independent investigation of the allegations of abuse … a neutral third party is needed to fully respond to the concerns raised and to lay a foundation for restoring trust and confidence in the Rigpa community.” This is a very good move. An outside perspective will be very helpful. I look forward to finding out who this organisation will be. The word ‘investigation’ is a bit of a concern; ‘examination’ would have avoided legal connotations. I hope there is no hidden intention to try to prove the allegations aren’t true. We are beyond that now. All that would do is cause further suffering and more conflict in the sangha. I know through having had a conversation with one such person that there are students willing to outright lie about abuse that they have witnessed. I hope that whatever this organisation is that they will be able to adequately ascertain the cultural aspects that allowed the abuse to happen and help institute the kind of cultural change required to prevent a reoccurrence.
At last we have a commitment to “a code of conduct and a grievance process for Rigpa … the codes of conduct will be multiple and apply to students, staff and volunteers, as well as teachers, without exception.” Excellent.
The institution of ‘a new ‘spiritual body’ to guide an advise Rigpa is also a necessary move. I look forward to finding out who is on it. I hope the management team will ask Mingyur Rinpoche whose clarity and understanding of the issues is impressive, and I hope they will have the wisdom not to ask Orgyan Tobyal, whose advice is contrary to that given by His Holiness the Dalia Lama, and who people have reason to believe has his own reasons for squashing criticism of abusive behaviour.
Now I am content to sit back and wait and see. I wish Rigpa well, and hope that this clear direction from the management team will set about the basis for healing the rift in the sangha. I’m truly sorry that it happened in the first place and I apologise for anything I may have said that was perceived as hurtful. I will always love and honour Soygyal Rinpoche for the benefit he has brought me and others, but I remain committed to ensuring that no student is ever in a position to be abused again. I take this stance because I believe it is in the best interests all concerned, including Rinpoche.

Written by a senior Rigpa student.

Der Originaltext mit vielen weiterführenden Links ist hier zu lesen.

DOKUMENT 12: Stellungnahme des Rates der DBU zu den Anschuldigungen gegen Sogyal Rinpoche

Gegen Sogyal Lakar, besser bekannt als Sogyal Rinpoche, wurden in einem offenen Brief schwerwiegende Vorwürfe erhoben, u. a. wegen körperlicher Gewalt und sexuellen Missbrauchs in einer Vielzahl von Fällen und über Jahrzehnte hinweg. Darüber hinaus wird Sogyal Rinpoche ein verschwenderischer Lebensstil vorgeworfen, der mit den Spenden seiner Schülerinnen und Schüler finanziert wurde. Die Verfasser des offenen Briefes sind acht langjährige Schüler aus dem nächsten Umfeld von Sogyal Rinpoche, mehrere davon in leitenden Positionen von Rigpa, einer internationalen buddhistischen Gemeinschaft, die durch Sogyal Rinpoche begründet wurde.
Rigpa – Verein für tibetischen Buddhismus e.V. ist ordentliches Mitglied der DBU.
In Folge der Vorwürfe hat Sogyal Rinpoche inzwischen alle Ämter und Funktionen bei Rigpa niedergelegt, insbesondere auch als spiritueller Leiter der Organisation, und hat sich für unbestimmte Zeit ins Retreat begeben.
Rigpa Deutschland hat am 10. August in einer Pressemitteilung erklärt:
„Die Vorstände und Management-Teams von Rigpa überall auf der Welt nehmen diese Angelegenheit sehr ernst und sind entschlossen, die Situation verantwortungsvoll und auf eine Weise anzugehen/zu klären, die vollständig im Einklang mit den buddhistischen Werten steht.“
Insbesondere sollen die nachfolgenden Schritte eingeleitet werden:

  1. „Eine unabhängige Ermittlung durch einen neutralen Dritten bezüglich der verschiedenen Anschuldigungen, die vorgebracht wurden.
  2. Ingangsetzung eines internationalen Beratungsprozesses, um für Rigpa einen Verhaltenskodex aufzustellen und ein Beschwerdeverfahren einzurichten.
  3. Einrichtung eines neuen spirituellen Beratungsgremiums, das die Rigpa-Organisation leitet.“

Buddhismus aktuell, die Zeitschrift der Deutschen Buddhistischen Union, dokumentiert seit Bekanntwerden der Vorwürfe den aktuellen Sachstand zu diesen Vorwürfen auf ihrer Webseite.

Wir sind schockiert über Art und Umfang der schwerwiegenden Anschuldigungen die gegen Sogyal Rinpoche von langjährigen Schülerinnen und Schülern aus seinem nächsten Umfeld gemeinsam vorgebracht wurden. Sogyal Rinpoche ist weltweit einer der bekanntesten Vertreter des tibetischen Buddhismus und sollte daher in besonderer Weise ein positives Beispiel geben, für ein Verhalten in Übereinstimmung mit der buddhistischen Ethik.
Sollten sich die Anschuldigungen als richtig erweisen, dann hätte sich Sogyal Rinpoche vielfach in erschreckender Weise schuldig gemacht. Bisher wurden diese Anschuldigungen noch nicht in einem Gerichtsverfahren überprüft. Doch unabhängig von der noch ausstehenden gerichtlichen Überprüfung der Vorwürfe gegen Sogyal Rinpoche gilt klar und unmissverständlich: Sexueller Missbrauch, körperliche Gewalt sowie der Missbrauch von Spenden an die Drei Juwelen für einen verschwenderischen Lebensstil sind in keiner Weise mit den buddhistischen Lehren vereinbar.
In ihrem offenen Brief schildern die Verfasser und Verfasserinnen ihre innere Zerrissenheit zwischen dem tiefen Vertrauen und der Loyalität, die sie ihrem Lehrer Sogyal Rinpoche über viele Jahre entgegengebracht haben, und einem immer stärkeren Bewusstsein für sein verletzendes und missbräuchliches Verhalten, das sie immer weniger in Übereinstimmung mit den buddhistischen Lehren bringen konnten.
Aus unserer Sicht ist es erschreckend, wie lange sie nach ihrer Darstellung Handlungen, wie Demütigung, körperliche Gewalt und sexuellen Missbrauch, hingenommen und gerechtfertigt haben, obwohl sie diese nicht nur beobachtet, sondern teilweise auch selbst erfahren haben. Denn darin wird deutlich, wie tief verwurzelt und irreführend das falsche Verständnis der Beziehung zwischen Lehrer und Schülerinnen und Schüler war, wie es nach ihrer Aussage von Sogyal Rinpoche an sie vermittelt wurde.
Umso mehr anerkennen und begrüßen wir den Mut, schließlich gemeinsam Sogyal Rinpoche mit seinem Verhalten zu konfrontieren.
Durch den offenen Brief stehen nun jedoch Anschuldigungen gegen Sogyal Rinpoche wegen gravierender Vergehen im Raum, die nicht nur schwerwiegende Verstöße gegen die buddhistische Ethik darstellen, sondern die darüber hinaus in vielen Ländern auch als Straftaten einzuschätzen sind.
In Anbetracht der Tragweite der Anschuldigungen sollten diese nicht ungeprüft im Raum stehen bleiben. Die Verfasser des offenen Briefes sollten geeignete Rechtsmittel ergreifen, die zu einer gerichtlichen Beurteilung der Vorwürfe führen.
Seit dem Bekanntwerden der Vorwürfe steht der Vorstand der DBU in stetigem Kontakt mit der Leitung von Rigpa Deutschland.
Die Vorwürfe gegen Sogyal Rinpoche haben vor allem auch die vielen Mitglieder von Rigpa schockiert und das Vertrauen in ihren spirituellen Lehrer erschüttert.
Als Rat der DBU halten wir es daher für wichtig, dass die Mitglieder der buddhistischen Gemeinschaften in der DBU auf der Basis der Werte, die wir als buddhistisch Praktizierende in der DBU teilen, mit den Mitgliedern von Rigpa in einen intensiven und freundschaftlichen Austausch eintreten. Wir hoffen, dass sich die spirituelle Gemeinschaft in der DBU als wertvoll und hilfreich erweisen kann, um die aktuelle Situation tiefgreifender Verunsicherung zu überwinden und Rigpa als Gemeinschaft ernsthaft buddhistischer Praktizierender bei der notwendigen Aufarbeitung der Vorwürfe zu unterstützen.
Die Anschuldigungen gegen Sogyal Rinpoche und der dadurch ausgelöste Diskurs haben aber auch deutlich gemacht, dass es zahlreiche und ernst zu nehmende Missverständnisse bezüglich des Verhältnisses von buddhistischen Lehrern und Lehrerinnen zu ihren Schülerinnen und Schülern gibt.
Dieses Verhältnis gestaltet sich in den verschiedenen buddhistischen Traditionen unterschiedlich, doch stimmen diese alle darin überein, dass missbräuchliches und schädliches Verhalten der buddhistischen Lehre und Praxis widerspricht und keinesfalls damit gerechtfertigt werden kann, wie Sogyal Rinpoche es seinen Schülerinnen und Schülern gegenüber angeblich getan hat.
Aus der traditionsübergreifenden Perspektive der DBU wollen wir vor diesem Hintergrund eine Informationsschrift zu diesem Thema herausgeben, welche die Besonderheiten des Verhältnisses von buddhistischen Lehrern und Lehrerinnen zu ihren Schülerinnen und Schülern in den verschiedenen Traditionen darstellt und über bekannte Missverständnisse aufklärt.
Diese Informationsschrift soll die Informationsschrift „Heilsame und unheilsame Strukturen in Gruppen“ der DBU ergänzen, welche schon 2007 durch die DBU-Mitgliederversammlung verabschiedet und anschließend herausgegeben wurde und die immer noch uneingeschränkt gültig ist.
Auch im vorliegenden Fall bietet sie eine klare Orientierungshilfe.
Darüber hinaus beabsichtigen wir, die früheren Bemühungen der Arbeitsgemeinschaft Ethik der DBU zur Einrichtung eines Ethikrates und der Formulierung ethischer Richtlinien wieder aufzugreifen und fortzuführen.

Der Rat der DBU, August 2017

DOKUMENT 13: True Teachers are Kind: A Second Letter to Sogyal Lakar

Am 12. Januar 2018 wandten sich sieben der acht Schülerinnen und Schüler, die mit ihrem ersten Brief die Debatte um Sogyal Lakar ins Rollen gebracht hatte, erneut mit einem Brief an ihren ehemaligen Lehrer. Darin beschreiben sie die mangelnde Aufarbeitung ihrer Vorwürfe und erneuern ihre Aufforderung, Erklärungen zu erhalten.

“…true teachers are kind, compassionate, and tireless in their desire to share whatever wisdom they have acquired from their masters, never abuse or manipulate their students under any circumstances, never under any circumstances abandon them, serve not their own ends but the greatness of the teachings, and always remain humble. Real trust can and should only grow toward someone who you come to know, over time, embodies all these qualities.”
–The Tibetan Book of Living and Dying, page 134

January 11, 2018
Dear Sogyal Lakar,
We join with many members of the Rigpa sangha, and the greater Buddhist world, who wish that you would explain your actions that we attested to in our July 14, 2017 letter, so that reconciliation and healing can begin.
Our original letter six months ago was to you, our Buddhist teacher, asking for clarification on a number of matters. First, are your sexual relations with many of your female students in accordance with the Dharma? Second, are your physical beatings and emotional abuse of us and other students in accordance with the Dharma? And third, is financing your sybaritic lifestyle by using donations from students in accordance with the Dharma? If those actions are not in accordance with the Dharma, we asked you to refrain from them now and in the future. We expected answers to our questions.
The teachings you have shared in the past thirty years, including writing the Tibetan Book of Living and Dying, have benefitted us and so many people around the world. We do not believe that this benefit is an excuse for you to abuse students sexually, emotionally, physically, and financially. Should you choose to explain your actions to us, we will listen to you intently—not through your proxies or other Buddhist teachers. If you concur that your actions have harmed students, we believe the first step towards healing is for you to publicly admit, and apologize, to the many who you have harmed. We are waiting.
Instead of responding to our original questions, it seems that you and Rigpa are engaging in a massive public relations effort to deflect attention from your actions. First you replied to our letter by saying that you were very sorry for our having misunderstood your intentions. You did not deny your actions but deflected blame by implying it was due to our own ignorance. Rigpa has continued in this vein by promoting Orgyen Topgyal’s comments made in Lerab Ling, Rigpa Paris, and online that our attestations of your behavior guaranteed that we were samaya breakers and bound for the hell realms. Rigpa also released on September 23, 2017 the video of Khenpo Namdrol telling the gathering at Lerab Ling that the eight of us are agents of demonic forces, accused us of the heinous crime of causing schism in the sangha, which is morally equivalent to killing one’s parents, killing an arhat, or drawing the blood of a Buddha.
Then, on December 19, 2017 we received a packet of communication from Rigpa US, Rigpa UK, Rigpa’s law firm Lewis Silkin, and An Olive Branch, requesting our participation in an investigation into the veracity of our attestations, and to respond within 10 days (over the Christmas holiday). In our original letter to you, which is a matter between a teacher and students, we did not include our views on Rigpa, nor on the enablers who supported your abusive behavior. In fact, we took responsibility and apologized in our letter for our own support of you and how it may have harmed others. Our intention with the letter was solely focused on the issue of your behavior that harmed others. We did not expect, nor need any communication from Rigpa or their lawyers because you can speak for yourself.
Three days after we received the packet of communication, Rigpa announced publicly to the greater Rigpa Sangha that we would participate in the so-called investigation and speak to Rigpa’s lawyers. We were neither consulted as to whether we wished to participate with Rigpa’s law firm, nor did we give our consent to said participation. This suggested to us that Rigpa was not intent on truly listening, but instead, managing their public image and in fact saving themselves from scrutiny by legal authorities. Despite all of that, some of us still considered speaking to Rigpa’s lawyers with a hope that it might bring about some kind of healing for Sangha members.

Then, on January 2, 2018 you and Rigpa announced the establishment of a Vision Board to guide Rigpa’s future activity. You said that Orgyen Topgyal guided the decision making, and that Khenpo Namdrol was named as a principal advisor. Relying upon Orgyen Topgyal and Khenpo Namdrol, following their defamatory remarks about the eight of us, indicates what you and Rigpa think about our motivation and character and the content of the July 14th letter.
Our July 14, 2017 letter stands as an attestation to your sexual, mental, and physical abuse of students and misuse of donations for the Dharma.
We regret that neither you, nor Rigpa’s leaders, have acknowledged the abuse and trauma that you have caused, so that deep healing can begin. We hope that you and Rigpa will reconsider your approach and be truthful and act in accordance with the Buddha’s teachings.
In the spirit of transparency and to avoid confusion and misinformation, we will share this letter with various people who have expressed an interest regarding these matters. Regarding our communication with Rigpa, Lewis Silkin, and An Olive Branch, they will be receiving a letter shortly.

We deeply regret the necessity of our letters. We, like so many others, have seen greatness in you. We pray that you can live up to the level of integrity of which we know you are capable. Please take responsibility for your actions and begin the path to healing. Please seek the counsel of His Holiness the Dalai Lama and mend this stain on your reputation that is causing so many to lose faith in you, the lineage, and the noble Dharma.
We were sad to hear of your ill health and hope you recover completely so that you can fully enter your retreat.

Signed, Michael Condon, Gary Goldman, Matteo Pistono, Graham Price, Sangye, Joanne Standlee, Mark Standlee