45 Jahre Kamalashila Institut – Rückblick, Gegenwart und Zukunft

7. September 2026 | _Alle | Aktuell | Allgemein | Gemeinschaft | Mitgliedsgemeinschaft

In den 80er Jahren folgten immer mehr junge Menschen voller Enthusiasmus den großen Meistern des Tibetischen Buddhismus, die nach der Okkupation Tibets durch China auch in den Westen geflohen waren. Insbesondere hatte der XVI. Gyalwa Karmapa, Rangjung Rigpe Dorje, das kraftvolle Oberhaupt der Karma Kagyü Tradition, bei vielen Menschen einen tiefen Eindruck hinterlassen. In München wurde 1979 auf seinen Wunsch hin der Karma­ Kagyü­ Verein für die bereits in den 70er Jahren bestehenden Stadtzentren und als offizielle Vertretung der Karma Kagyü Linie in Deutschland gegründet. Schon zwei Jahre später, am 21. September 1981gründete eine Kölner Gruppe unter Shamar Rinpoche als Hauptsitz der Karma Kagyü Linie in Deutschland das Kamalashila Institut für buddhistische Studien im Schloss Wachendorf in der Eifel nahe Euskirchen.         

Schloss Wachendorf, Hauptsitz des Kamalashila Instituts von 1981 bus 1999 

Dem Wunsch des XVI. Karmapa entsprechend sollte das Institut als überregionale Bildungseinrichtung in der Tradition tibetisch-buddhistischer Klosteruniversitäten stehen mit dem Studium der buddhistischen Philosophie und der Praxis der Meditation im Mittelpunkt der Lehre. Das Institut pflegt zudem den Dialog zwischen den modernen Wissenschaften und der buddhistischen Wissenschaft des Geistes. So findet auf Seminaren, Workshops und Konferenzen über Philosophie, Psychologie, Medizin und der Sterbe- und Trauerbegleitung ein fruchtbarer Dialog statt.

Innerhalb weniger Jahre wurde das Institut zu dem Ort in Deutschland, an dem die bedeutendsten Lehrer der Karma Kagyü Linie, aber auch anderer tibetisch-buddhistischer Schulen, lehrten. Der Bau eines Stupas im Schlossgarten, der „Dharma Shop“, ein buddhistischer Buch- und Devotionalienladen, und die Gründung des „Kagyü Dharma Verlages“ für Buchpublikationen der Schriften tibetischer Meister waren weiter Meilensteine. Eine der Großveranstaltungen war die Kalachakra-Einweihung von Kalu Rinpoche 1984 mit über 1 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. 

Die Nachricht von der Auffindung der Wiedergeburt Karmapas am 12. Juni 1992 verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Die große Freude wurde allerdings getrübt durch einen Konflikt um die Anerkennung Karmapas. Shamarpa legte die spirituelle Leitung des Instituts nieder. Neuer spiritueller Leiter wurde für eine Übergangszeit Kyabgön Traleg Rinpoche aus Australien, ein Linienhalter der Karma Kagyü Tradition, der zu dieser Zeit gerade zu Gast im Kamalashila Institut weilte.

Schloss Wachendorf mit Park und teils schönen, repräsentativen Räumen war ein vorzüglicher Ort für das Institut. Doch steigende Instandhaltungskosten des denkmalgeschützten Gebäudes näherten sich der Grenze des Finanzierbaren. Nach Konsultation unserer Lehrer kündigte der Verein den Vertrag. Ende März 1999 schloss das Institut nach 17 ½ Jahren im Schloss Wachendorf.

Porträt Lama Kelzang
Acharya Lama Kelzang
Porträt Lama Sönam
Acharya Lama Sönam

Rasch fand der Vorstand ein neues Objekt, das leerstehende Eifelkloster in Langenfeld zwischen Mayen und Nürburgring, erbaut von dem Missionsorden der „Weißen Brüder“ 1948/1949. Der Verein kaufte das Anwesen. Inzwischen hatte Pönlop Rinpoche die spirituelle Leitung des Instituts übernommen. Er gehört zu den hervorragendsten Gelehrten der Kagyü- und Nyingma-Tradition und ist Begründer und Leiter von Nitartha International in Seattle, USA. Im Lauf der nächsten Monate trafen auch die neuen Residentlamas ein, Acharya Lama Sönam und Acharya Lama Kelzang, die bis heute das Institut spirituell betreuen. 

 

Am 12. August 1999 öffnete das Kamalashila Institut seine Pforten im Eifelkloster. Gefeiert wurde die Eröffnung im Garten des Instituts in Anwesenheit der Bürger Langenfelds, des damaligen Pfarrers Monsignore Schrupp, des Ortsbürgermeisters Alfred Schomisch und des Verbandsbürgermeisters Dr. Alexander Saftig. Von buddhistischer Seite kamen hochrangige Vertreter der Ordensgemeinschaft aus aller Welt, Lama Dramdul, der Gesandte Karmapas aus Tibet, sowie zahlreiche weitere Lamas. Eine große Attraktion waren die Tänze Shahrazads mit ihrem internationalen Tanz-Ensemble. Ein fulminanter Start in eine neue Epoche. 

Diese wurde geprägt durch den XVII. Karmapa, Ogyen Trinley Dorje, den der Vorstand jährlich in Tsurphu und ab 2000 im Gyuto Monastery in Dharamsala besuchte, um wesentliche Schritte mit ihm abzustimmen. Karmapa stimmte zu, das Kamalashila Institut zu seiner Residenz in Europa auszubauen und im Garten des Instituts einen Stupa zu errichten. Der Stupa wurde 2006 von Tenga Rinpoche eingeweiht, die Residenz war 2007 fertig.

Im Juli 2011 feierte das Kamalashila Institut das erste Kagyü Mönlam in Deutschland. Es ist der Wunsch Karmapas, dass das Mönlam in möglichst vielen Ländern gefeiert wird. Seine Heiligkeit sagte: „Das Kagyu Mönlam, das große Gebetsfest der Kagyü Schule, soll die Saat der liebenden Güte und der reinen Motivation verbreiten, ihre Kraft aktivieren und dadurch wahren Frieden, Liebe, Glück und Wohlbefinden in die Welt bringen.“ Seitdem feiert das Institut Mönlam jedes Jahr, seit einigen Jahren im Wechsel mit Ringu Tulkus Zentrum in Berlin, Bodhicharya Deutschland e.V. 

Zum Abschluss wurde am Sonntagmorgen am Stupa das 900-jährige Jubiläum der Linie der Karmapas unter Leitung von Sangye Nyenpa Rinpoche und der Teilnahme der Sangha, von Vertretern der Karma Kagyü Linie aus anderen Vereinen und den Nachbarländern, Repräsentanten der Öffentlichkeit, die Presse und Langenfelder Bürger gefeiert. 

Statue des I. Karmapa, Palden Düsum Khyenpa, zum Stupa getragen
Statue des I. Karmapa, Palden Düsum Khyenpa, wird zum Stupa getragen
2011, Ortsbürgermeister überreicht das Wappen von Langenfeld
2011, Ortsbürgermeister Alfred Schomisch überreicht Sangye Nyenpa Rinpoche das Wappen von Langenfeld

In einer feierlichen Zeremonie wurde die Statue des I. Karmapa, Palden Düsum Khyenpa, zum Stupa getragen und dort auf einen hohen Thron gestellt. Die Versammlung verfolgte die Videobotschaft des XVII. Karmapa Ogyen Trinley Dorje, der seiner Hoffnung Ausdruck gab, dass diese Feier des sich Erinnerns einen neuen, frischen Lernprozess anstoßen möge. Der Nutzen davon, sich des Gurus Wirken in Körper, Rede und Geist zu erinnern liegt darin, uns nach ihrem Vorbild auf gleiche Art zu schulen.

Der Ortsbürgermeister Alfred Schomisch überreichte zum Abschluss Sangye Nyenpa Rinpoche das Wappen der Gemeinde Langenfeld, in der das Kamalashila Institut und der Verein, die Karma Kagyü Gemeinschaft Deutschland, beheimatet sind. Dies ist ein Beispiel für die Verbundenheit zwischen der Gemeinde und ihren Bürgern mit unserem Institut und Verein, für das wir zutiefst dankbar sind.

 

Bürgertreffen am Stupa, 2014

2014 bekam Karmapa endlich die Genehmigung der indischen Regierung, zu seinem ersten Deutschlandbesuch. Langenfeld empfing Seine Heiligkeit voller Begeisterung. Und auch beim Bürgertreffen am Stupa war der Andrang groß. Vorträge und Einweihungen fanden in einer großen Halle am Nürburgring statt. Außerdem hatte das Institut ein Besuchsprogramm erstellt, z.B. zum Benediktiner Kloster am Laacher See. Von Langenfeld ging seine Reise weiter nach Berlin.

2015 kam Seine Heiligkeit zum zweiten Besuch ins Kamalashila Institut. Die Langenfelderinnen und Langenfelder haben das Bürgertreffen mit Karmapa in der Pfarrkirche unter Leitung von Monsignore Schrupp noch in guter Erinnerung. Alle anderen Veranstaltungen hatte das Institut aufgrund der hohen Teilnehmerzahlen ins Bonner Hotel Maritim verlegt. 

In all den 45 Jahren gab es stets ein volles Programm mit Kursen, Studienklassen und Retreats, geleitet von Lamas und Rinpoches der Karma-Kagyü und anderer buddhistischer Traditionen, aber auch ein breites Spektrum an Kursen, die in Verbindung zum Buddhismus stehen und in dem westliche Lehrende wirken. Ein Einschnitt verursachte die Corona-Pandemie. Das Institut schaffte es in kurzer Zeit auf Online-Kurse umzustellen. Auch wenn nach Corona wieder Life-Kurse im Programm aufgenommen wurden, hat sich deren Zahl verringert.

Für die Zukunft kommt es darauf an, ausreichend ehrenamtlicher Helfer und Mitarbeiter zu gewinnen und sich für die jüngeren Generationen thematisch zu öffnen, sie dort abzuholen, wo sie ihre Themen und Anliegen haben. 

Auch nach 45 Jahren sind Kurse und Retreats im Kamalashila im Umfeld der Eifelwälder eine Reise wert.

Horst-Günter Rauprich

Webseite: kamalashila.de