Rätinnen stellen sich vor: Ayya Phalanyani Theri
27. Juli 2026 | _Alle | DBU | Frauen im Buddhismus | Klöster und Ordinierte

Den größten Teil meines Lebens habe ich zwar als Nichtordinierte verbracht, doch bin ich schon früh mit dem Buddhismus in Berührung gekommen, das erste Mal, als ich mit 15 Jahren begann, mich für Philosophie zu interessieren.
Mit 18 Jahren trat ich aus der Kirche aus, mit der Idee, „meine eigene“ Religion oder Philosophie zu finden. Etwa zur gleichen Zeit übte ich in einem Kurs, der der Auftakt zu meiner Schauspielausbildung war, die ersten Meditationen. Eine angeleitete Todeskontemplation überzeugte mich schließlich davon, dass Buddhismus das Richtige für mich ist. Kurz darauf kam der Dalai Lama erstmals nach Düsseldorf. Da er damals noch weitgehend unbekannt war, fand sein Vortrag in einem Saal der Stadtbücherei statt. Nach diesem Vortrag war mir klar, dass ich mehr wissen und verstehen wollte, und ich begann, die Sutten zu lesen und Meditation zu üben.
In Düsseldorf gab es auch damals schon eine große japanische Gemeinde, durch die ich mit dem Zen-Buddhismus in Kontakt kam. Zwei Jahre später, etwa 1982, hatte ich die Gelegenheit, nach Japan zu reisen. Dort nahm ich an meinem ersten Meditationsretreat teil, das im Kloster Sogenji stattfand und von Shodo Harada Roshi geleitet wurde. Es war das erste Mal, dass an einem Retreat von ihm auch Westler teilnehmen konnten.
Das Klosterleben sprach mich schon damals an, doch war ich noch nicht bereit, alles hinter mir zu lassen. Ich war etwa 22 Jahre alt, das Leben hatte viel zu bieten und meine Karriere als Schauspielerin und Comedienne – damals sagte man noch Clown oder Komikerin – begann sich gerade erst zu formen.
Als Comedienne stand ich eines Tages auf einem Kreuzfahrtschiff in der Rolle des Klempnerlehrlings Jupp auf einem Tisch und gab vor, ich müsse nun die Lampen überprüfen. Dazu versuchte ich, auf den Tisch zu klettern und spielte, dass ich mich dazu mit einem Pömpel – einer Saugglocke – auf der Glatze eines Mannes abstützen müsse, woraufhin sich der Pömpel dort festsaugte. Die Zuschauer:innen schrien vor Lachen.
Ich aber hatte zuvor Texte aus dem Palikanon gelesen – darunter eine Sutta und einen Text aus der Theragatha, den Versen der älteren Mönche, über Talaputa, einen Schauspieldirektor. Talaputa glaubte, nach dem Tod in den Himmel des Gelächters zu kommen. Der Buddha jedoch erklärte ihm, dass er eher in die Hölle des Gelächters komme. In jenem Moment, dort auf dem Tisch, umgeben von Menschen, die vor Lachen schrien und sich die Tränen aus den Augen wischten, habe ich verstanden, dass ich diesen Beruf aufgeben musste. Das war im Jahr 2003. Seitdem lebe ich nun schon viele Jahre als Buddhistin und Meditationspraktizierende, stets mit der Lehre des Buddha als Wegweiser, als Philosophie und als Religion.
In den darauffolgenden Jahren lebte ich in der Nähe mehrerer Familienmitglieder auf Mallorca. 2007 ging ich nach Thailand, um zu meditieren. Schnell wurde mir klar, dass ich ordiniert werden wollte. Im August 2010 war ich schließlich bereit, die volle Ordination als Bhikkhuni zu empfangen. Die Möglichkeit dazu erhielt ich durch Ayya Tathaloka, von der ich in der Aranya Bodhi Hermitage in Nordkalifornien, USA, sowohl die Novizinnen- als auch die volle Ordination erhielt.
Nach einigen Jahren im Retreat in Thailand – in den Klöstern Wat Rampoeng und Wat Chomtong –, einem Jahr in Australien und weiteren fünf Jahren im Wald in den Bergen Thailands, erreichte mich im Herbst 2017 eine E-Mail mit der Frage, ob ich mir vorstellen könne, nach Deutschland zurückzukehren und die Leitung des Nonnen-Trainingsklosters Anenja Vihara zu übernehmen. Am 27. März 2018 kam ich in Deutschland an und wenige Tage später begann der „Klosterbetrieb“. Schnell kamen die ersten Anwärterinnen. Inzwischen hat die Anenja Vihara elf Nonnen, von denen leider nicht alle vor Ort leben, die aber dennoch wichtige und geschätzte Mitglieder der Nonnengemeinschaft sind.

Seit dem Jahr 2025 bin ich Ratsmitglied der Deutschen Buddhistischen Union (DBU). Zunächst stand ich der Organisation skeptisch gegenüber, doch seit meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich nach und nach Mitglieder der DBU kennengelernt. So ist meine anfängliche Skepsis dem Eindruck gewichen, dass all diese Personen, wenn auch keine Arahants oder Bodhisattas, doch sehr feine Menschen sind. Sie alle kennen (mehr oder weniger) die Lehre, leben ihr Leben nach den Ethikregeln und setzen sich sichtbar und entschieden für den Dhamma ein. Im Dhamma haben sowohl Ordinierte als auch Nichtordinierte ihren Platz, und allen, die den Dhamma schützen, gebührt Respekt.
Ich finde es sehr wichtig, dass es Ordinierte in der DBU gibt. Eines der ersten und eines der letzten Dinge, die der Buddha gesagt hat, galt der catuparisa, der vierfachen Gemeinschaft aus Bhikkhus, Bhikkhunis, Upasakas und Upasikas (Mönchen und Nonnen, Laienmännern und Laienfrauen). Wenn diese vierfache Gemeinschaft fest gegründet ist, wird der Dhamma fortbestehen, so heißt es.
Es ist unglaublich inspirierend, dass es heute, weit vom Ursprung der Lehre entfernt, eine solche vierfache Gemeinschaft gibt. Sie stärkt die Lehre, insbesondere wenn sie in Harmonie besteht – oder diese würdevoll wiedererlangt, sollte sie einmal gestört sein. Diesen Prozess musste auch die DBU durchmachen. Gleichwohl bringt sie Wundervolles wie das Studienprogramm bhavana zustande, gibt eine großartige Zeitschrift heraus, verbindet buddhistische Gruppen und Schulen, tritt für Frieden ein und arbeitet vor allem daran, dass der Buddhismus in Deutschland offiziell anerkannt wird. Die DBU macht noch mehr, aber das sind die Dinge, die mich am meisten interessieren und für die es sich unbedingt lohnt, sich einzusetzen.
