Das erste Treffen der AG Buddhismus unter dem Regenbogen

24. August 2020

Am 22. Februar 2020 fand unser erstes Treffen im Vorfeld des überregionalen DBU-Einzelmitgliedertreffens in Berlin statt. Als queere Buddhist*innen, deren sexuelle oder geschlechtliche Identität nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, wollten wir uns vernetzen und innerhalb der DBU als Arbeitsgemeinschaft organisieren. Wir gehören verschiedenen Richtungen und Traditionen an; manche kamen erst vor kurzer Zeit zum Buddhismus, andere sind schon sehr lange dabei oder sind Dharmalehrende. 

Da weitere Treffen wegen der Coronakrise nicht stattfinden konnten, gründeten wir einen Online-Sangha, um gemeinsam zu diskutieren und zu praktizieren. Außerdem haben wir eine digitale Community-Plattform eingerichtet. Wir wollen uns in nächster Zeit damit beschäftigen, wie wir Inklusivität leben und inklusive Gemeinschaften schaffen können. Unsere Erkenntnisse und Erfahrungen möchten wir auch Dharmalehrenden und Retreat-Zentren anbieten.

Mit dem Thema Buddhismus und Queerness setzen wir uns auch wissenschaftlich auseinander. Wir baten Dr. Jens Reinke, der wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent am sinologischen Institut der Universität Leipzig ist, einen Online-Vortrag zum Thema „Buddhismus, die inklusive Religion?“ zu halten. Am Beispiel der Situation in Taiwan zeigte er, dass Vorbehalte und Diskriminierung im buddhistischen Kontext durchaus relevant sind. Das Thema Queerness, Trans- und Homosexualität wird in Taiwans buddhistischen Kreisen kaum offen diskutiert und wenn, dann wird es teilweise als Verstoß gegen das dritte sila gewertet, also die dritte ethische Regel, in der es um sexuelles Fehlverhalten geht. Gleichzeitig hat sich das gesellschaftliche Klima in Taiwan in den letzten Jahren stark gewandelt. Im Jahr 2019 hat Taiwan als erstes Land in Asien die „Ehe für alle” eingeführt. Die meisten buddhistischen Organisationen hielten sich zu dem Thema allerdings offiziell bedeckt. Ein kleiner Teil nahm eine ablehnende bis feindliche Haltung ein, und nur eine sehr kleine Gruppe, allen voran die Nonne Chao-hui, unterstützte die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Sie argumentierte, dass queere Menschen schon immer einen Platz in der chinesisch-buddhistischen Kultur gehabt hätten und deren Diskriminierung in ihrer zeitgenössischen Form vor allem durch den Einfluss des Westens entstanden sei. Moderne Formen der Diskriminierung von queeren Menschen basierten auf europäischen Konzepten von Homosexualität, die historisch zu deren Kriminalisierung und Pathologisierung geführt und durch den Kolonialismus weltweit Verbreitung gefunden hätten. 

Im monastischen Kontext ist die Frage von Bedeutung, ob queere Menschen in die buddhistische Kategorie pandaka fallen, auf die sich die Vinaya-Regeln beziehen. Pandaka ist eine schwer zu definierende Geschlechtskategorie, zu der viele der gegenwärtigen Traditionen alle trans- und homosexuellen Menschen zählen. Obwohl es de facto im monastischen Sangha viele queere Menschen gibt, enthalten die Vinaya-Regeln ein Ordinationsverbot für sogenannte Pandakas, und die Bestätigung, kein Pandaka zu sein, ist bis heute Voraussetzung für den Eintritt in einen Orden.

Auch in Europa sehen sich Klöster und Retreat-Zentren vor die Frage gestellt, wie sie mit Transgender und queeren Menschen umgehen wollen. Während sich die Ordensregeln am Idealbild des „heterosexuellen Cis-Mannes” orientieren, des Mannes also, dessen Geschlechtsidentität dem ihm zur Geburt zugewiesenen Geschlecht entspricht, zeichnete sich die buddhistische Geschichte von Beginn an durch Offenheit und Toleranz aus: gegenüber Männern aus allen gesellschaftlichen Schichten und gegenüber Frauen durch die Anerkennung, dass auch sie Erleuchtung erlangen können. Ebenso hat der Buddha Transgender in seiner monastischen Sangha toleriert und es erlaubt, dass Mönche, die sich zu Frauen entwickelten, selbstverständlich zu den Nonnen wechselten und umgekehrt.

AG Buddhismus unter dem Regenbogen

Wer Interesse an unserer Arbeit und Praxis hat, kann sich gerne über unsere Homepage mit uns in Verbindung setzen:
buddhismus-unterm-regenbogen.de