Friede, Begegnung und Meditation

3. September 2022

Haus der Stille feiert 60-jähriges Jubiläum

Was vor genau 60 Jahren überwiegend von Gründungsmitgliedern der Deutschen Buddhistischen Gesellschaft Hamburg am Rande des lauenburgischen Dörfchens Roseburg als Ort der Praxis für Ordinierte und Laien gegründet worden ist, ist heute eines der ältesten buddhistischen Seminarhäuser Deutschlands – ausgestattet mit 40 Betten, beherbergt es 30 Kurse pro Jahr.

Dieser wichtige Geburtstag, wunderbar vom sechsköpfigen Hausteam vorbereitet, wurde am 20. August 2022 bei schönem Wetter mit langjährigen und neuen Freunden des Hauses gefeiert. Es gab ein Veranstaltungszelt, Musik, leckeres Essen, Kuchen, QiGong, Mantralegen mit Naturmaterialien und gemeinschaftliches Werfen von Regenerationsbällchen in die Teiche. Fotos aus der Geschichte des Hauses und von seinen Meistern sowie frühe Tonbandaufnahmen legten Zeugnis von einer bewegten Vergangenheit ab. Vorträge und Meditationen in der Halle mit Yesche Udo Regel und Marie Mannschatz wechselten sich ab mit Zeiten für Begegnungen und Umherstreifen in dem schönen Gelände. 

Alje Smit, der jetzige Vorstandsvorsitzende, gab einen Überblick über die Entstehung, die Lehrer, Gruppen und Generationen, die das Haus geleitet haben, bis zu Angelika Post, die die Leitung 2019 an Saskia Wernick übergeben hat. Wolfgang Seifert berührte durch seine große Dankbarkeit über 40 Jahre eigener Erfahrung mit dem Haus – anfangs als Teilnehmer in Vipassana-Kursen mit dem ehemaligen Mönch Dhiravamsa und dann 25 Jahre mit eigenen Kursangeboten: „Wenn ich hierher komme, kommen mir vor Freude die Tränen. Roseburg ist meine spirituelle Heimat. Die Lehre des Buddha über Nicht-Selbst ist die größte Freiheit, die es gibt.“ Monika Debes-Schneider, die Tochter des großen Paul Debes und älteste Zeitzeugin des Hauses, erinnerte die Anwesenden daran, dass es bei allem, was das Haus der Stille anbiete, um die Wahrheiten des Buddha gehe und das auch so bleiben müsse. Sie kannte alle Gründer, erlebte viele Lehrer und ist immer noch Teil des legendären Lehrredenkreises, der seine Freundestreffen bis heute zweimal pro Jahr in Roseburg abhält. Sie erzählte von anfänglichen Matratzenlagern, Kücheneinsätzen, selbstgemachten Brotaufstrichen, dem Lächeln der Mitarbeiter:innen, langen Sitzungen auf harten Bänken im alten Holzschuppen, der vor dem Bau der Meditationshalle für die Veranstaltungen herhalten musste. Sie schloss mit einem Satz der ersten Hausleitung, Nadine Cornelius: „Ich habe vom Glücklichsein geträumt und spürte es in meinem Traum, so rein wie Gold.“ Das Schlusswort hatte Saskia Wernick, die mit ihrem Mann und einem beeindruckenden lokalen Team das Haus heute leitet, es wunderbar durch die Corona-Zeit gebracht hat und mit Geschick und Charme neue Akzente zu setzen versteht. 

„Was war dein wichtigstes Erlebnis?“

Marie Mannschatz: „Mein erster Kurs hier bei Bhikkhu Vimalo 1975.“ Michael Wolgast: „Die tollen Begegnungen mit Menschen, die die Lehre leben.“ Wolfgang Seifert: „Hier anzukommen!“ Saskia Wernick: „Frau Hager, Kassapa und der Keks, den es hier gab, als ich noch ein Kind war; und zuletzt, den Weg zum Vorstellungsgespräch als mögliche Geschäftsführerin mit meinem Mann zusammen hier in unserem Dorf zu gehen.“ Jörn Zacharias: „Seminare, die wie eine zweite Heimat meiner Seele wurden.“ Monika Debes-Schneider: „Ein Meditationserlebnis mit Bhikkhu Vimala und als ich hier bei einem Vortrag meines Vaters die Sankharas, die bedingten Erscheinungen, verstand.“ Sepideh Morgenstern: „Meditativ, ohne etwas schaffen zu müssen, meine Arbeit hier zu tun.“ Ronny Westphal: „Ab und zu mal wirklich die Stille zu fühlen.“

Möge dieses Haus für lange Zeit fortbestehen.

Raimund Hopf

Fotos: Übersichtstafeln: © Raimund Hopf, Gesamtübersicht: © Haus der Stille