Missbrauchsvorwürfe gegen Plum Village – frühere Nonnenanwärterin geht an die Öffentlichkeit

2. April 2026 | _Alle | Aktuell | International

Eine Frau, die 2024 in die buddhistische Gemeinschaft Plum Village in Frankreich eingetreten war, um Nonne zu werden, hat im Februar 2026 schwere Vorwürfe erhoben. In einem öffentlichen Brief erklärt sie, sie sei während ihrer Ausbildungszeit in Lower Hamlet – dem Wohn- und Praxisbereich für Nonnen und weibliche Laienangehörige – zunächst gezielt emotional von ihrer damaligen Lehrerin an diese gebunden worden („Grooming“) und später deren sexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen. Die ehemalige Nonnenanwärterin hat im Januar 2026 außerdem ein kurzes sowie ein ausführliches Video auf der Plattform YouTube veröffentlicht. Darin schildert sie ihre Erfahrungen im Detail.

Nach ihrer Darstellung wandte sich die Betroffene an das interne Schutzgremium der Gemeinschaft. Die Reaktionen verantwortlicher Dharmalehrender habe sie teilweise als „unverantwortlich, ungerecht und schädlich“ erlebt. In ihren Publikationen gibt sie auch an, dies sei nicht der erste Fall sexueller Übergriffe durch monastische Mitglieder in der Plum-Village-Gemeinschaft, und verweist auf weitere Berichte über Leid- und Traumaerfahrungen, die durch geeignete Schutzstrukturen hätten verhindert oder abgemildert werden können.

Das Ziel ihres Schreibens sei, so die Frau, Unterstützerinnen und Unterstützer zu gewinnen, um umfassendere Schutzmaßnahmen in allen Zentren der Gemeinschaft durchzusetzen. Das solle die Sicherheit von jährlich Tausenden von Gästen, darunter auch zahlreiche Kinder, sicherstellen. Sie legt dazu einen Katalog möglicher Maßnahmen vor, den sie nach eigenen Angaben unter Hinzuziehung von Expert:innen erarbeitet hat und der sich an gängigen Schutz- und Präventionsverfahren anderer Institutionen orientiert.

Plum Village bekräftigt Null-Toleranz Politik

Die buddhistische Klostergemeinschaft von Plum Village in Frankreich hat auf diese Missbrauchsvorwürfe mit einer Erklärung zur Integrität und zum Schutz der Gemeinschaft reagiert. Die Gemeinschaft betont darin eine „Null-Toleranz-Politik“ gegenüber jedem Missbrauch spiritueller Autorität, sei er psychischer, sexueller oder finanzieller Art, und verweist auf die verpflichtende Einhaltung der klösterlichen Ordensregeln (Vinaya).

Nach Angaben der Gemeinschaft bestehen bereits seit 2022 in allen Wohnbereichen verbindliche Schutzvorschriften, die fortlaufend weiterentwickelt würden. Bei Verdacht auf Verstöße würden umgehend Maßnahmen ergriffen, bis hin zum Ausschluss aus dem Orden. In dem oben geschilderten Vorfall im Frühjahr 2024 sei eine enge Beziehung zwischen einer Nonne und einer Laienpraktizierenden aufgefallen. Zunächst hätten beide ein Fehlverhalten bestritten; nach weiteren Untersuchungen und Hinweisen auf unangemessenen Körperkontakt sei die betreffende Nonne innerhalb weniger Tage aus dem Orden entlassen worden und habe die Gemeinschaft verlassen. Beide Beteiligten hätten ihre Beziehung später als freiwillig beschrieben, dennoch habe man die Untersuchungen zur gemeinschaftlichen Aufarbeitung fortgeführt.

Die Plum-Village-Leitung betont, dass enge spirituelle Beziehungen zwar Teil der Praxis seien, die festgelegten Verhaltensgrenzen jedoch niemals überschreiten dürften. Die Geheimhaltung emotionaler oder körperlicher Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden werde ausdrücklich als Warnsignal für möglichen Machtmissbrauch gewertet. Die Gemeinschaft will ihre Schutzvorkehrungen aber auch ausbauen. Künftig sollen Nonnenanwärterinnen und Mönchsanwärter von mehreren Mentor:innen begleitet werden. Bei grenzüberschreitender Nähe will die Gemeinschaft früher eingreifen. Zudem plant sie zusätzliche Schulungen und will dafür auch externe Fachstellen für Opferschutz einbeziehen. Das Ziel sei, Plum Village für alle Menschen zu einem sicheren Praxisort zu machen. Gleichzeitig räumt die Verfasser:innen ein, dass auch eine spirituelle Gemeinschaft nicht frei von Fehlern sei. Man verstehe die aktuellen Ereignisse als Anlass, die eigenen Schutzstrukturen zu überprüfen und weiter zu stärken. red

Links

Offener Brief und YouTube-Erklärungen

Original: open-letter-to-plum-village-centres, 16. Februar 2026
Deutsche Version des offenen Briefes (durch Redaktion überarbeitete DeepL-Übersetzung): Offener-Brief-an-die-Plum-Village_DE.pdf
YouTube,lang: I was groomed in Plumvillage (1 Std. 9 Minuten): youtu.be/KiQyDyd1PvY, 3. Januar 2026
YouTube, kurz: I was groomed in PlumVillage (24 Minuten): youtu.be/wZvFbwN_OA8, 3. Januar

Erklärung der Lehrenden und des Schutzteams (Safeguarding-Team) von Lower Hamlet, Plum Village

Englisch: ENG-Statement-from-the-Lower-Hamlet-Safeguarding-Team.pdf
Deutsche Übersetzung (durch Redaktion überarbeitete DeepL-Übersetzung): Erklaerung-Lehrende-und-Schutzteam-Lower-Hamlet_DE.pdf