Wenn Metta den Raum füllt: Wie your Rime-Care Sterben menschlicher macht
30. April 2026 | _Alle | AG Seelsorge-Sangha | Aktuell
Neue Initiative vernetzt buddhistische Praxis mit Palliativversorgung – Präsenz, Rituale und Schulungen für eine traditionsübergreifende Begleitung.
Your Rime-Care ist eine neu gegründete gemeinnützige Initiative, die buddhistisch inspirierte Sterbe- und Krankenbegleitung bundesweit anbieten und koordinieren will. Auf Ehrenamts-und Spendenbasis vermittelt sie Präsenz, Rituale und Schulungen — für Buddhist:innen aller Traditionen oder für Menschen, die sich zum Buddhismus hingezogen fühlen. Die gemeinnützige your Rime-Care gUG reagiert auf konkrete Versorgungslücken und bringt buddhistische Qualitäten wie Metta, Liebe und Mitgefühl in Hospize, Kliniken und in die häusliche Begleitung.
Worum es geht
Your Rime-Care versteht sich als Brücke zwischen buddhistischer Praxis, der Demenzbegleitung sowie der palliativen Versorgung. Die Organisation bietet Ehrenamtlichen und Praktizierenden eine Plattform, um Menschen mit lebensbegrenzender Diagnose sowie deren Angehörige spirituell zu begleiten. Kernaufgaben sind die Vermittlung von Begleiterinnen und Begleitern, die Organisation ritueller Unterstützung, Fortbildungen für Ehrenamtliche sowie die Vernetzung mit Hospizen und Palliativdiensten. Das Fundament bildet die buddhistische Lehre und diese soll traditionsübergreifend gelehrt und erhalten werden. Die Initiative arbeitet bewusst nichtsektiererisch: Alle buddhistischen Schulen sowie Menschen anderer oder keiner Konfession sind willkommen.
Ehrenamtliche leisten ein liebevolles Dasein, hören zu und schaffen Raum für Stille und Verbundenheit. Auf Wunsch werden Mantragesänge oder rituelle Handlungen durch in den jeweiligen Traditionen verwurzelte Praktizierende organisiert. Auch Trauerbegleitung kann buddhistisch organisiert werden.
Umfassende Qualifizierungsangebote für Ehrenamtliche in Verbindung mit ärztlicher Betreuung, bilden den fachlichen Rahmen. Erfahrene Praktizierende, Hospizhelferinnen und Demenzbegleiter können nach Vorgespräch oft direkt starten.
Kontakte zu Kliniken, Hospizen und buddhistischen Zentren werden ausgebaut, um flächendeckende Kooperation und Erreichbarkeit zu ermöglichen.
Auch Menschen mit belastenden Diagnosen, die noch nicht palliativ sind, können spirituelle Unterstützung erhalten.
Am 28. und 29. März 2026 fand eine Auftaktveranstaltung in München statt. Diese verband Vertreterinnen und Vertreter verschiedener buddhistischer Schulen. Teilnehmende hoben Metta (liebende Güte) als zentrales Element hervor; ein Feedback lautete: „Manchmal braucht es gar nicht viele Worte: einfach da sein, eine Hand halten und dem Menschen das Gefühlgeben: ‚Wir sind da.‘“ Die Betonung der Sangha als tragende Gemeinschaft zog sich durch viele Vorträge .
Besonders ein Vortrag aus der Theravada-Tradition, vertreten durch das Kloster Sirisampanno, wurde als besonders berührend erlebt – es wurde greifbar, wie wesentlich die liebende Güte – Metta (Pali) – für den Umgang mit anderen ist. Gerade im Kontext von Krankheit, bei Angst und Leid, tröstet und trägt menschliche Nähe und die Erinnerung an die eigene buddhistische Praxis.
Auf der Messe Leben und Tod am 11. April 2026 in Bremen stieß der Stand von your Rime-Care auf große Resonanz: Besucherinnen und Besucher stellten grundlegende Fragen zum Buddhismus, Fachpersonal aus Hospizen und Palliativstationen zeigte starkes Interesse an ritueller Begleitung durch Praktizierende. Die 160 selbstgebastelten Lotusblüten des Standes erzeugten berührende Momente und öffneten Gespräche über spirituelle Bedürfnisse in Krankheit und Sterben.
Rime als Haltung
Die Initiative orientiert sich an der Rime-Geisteshaltung: Offenheit, Wertschätzung und Ablehnung von Sektierertum. Rime bedeutet, in der eigenen Tradition verwurzelt zu bleiben und zugleich andere authentische Lehren zu achten. Für your Rime-Care istdiese Haltung im Erleuchtungsgeist begründet: Sie ermöglicht eine respektvolle Begleitung, die gleichzeitig Verwurzelung im Dharma als auch Offenheit für die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen verbindet.
So könnte ein Fallbeispiel aussehen
„Herr K., 72, Palliativpatient, buddhistische Praxis“
Herr K. lebte in einer Kleinstadt; seine Angehörigen wünschten buddhistische Rituale und eine Begleitung in den letzten Tagen. Lokale Zentren waren nicht erreichbar, die Familie kontaktierte your Rime-Care. Nach einem Vorgespräch vermittelte die Initiative eine ehrenamtliche Begleiterin. Sie war an mehreren Tagen präsent, hielt Stille aus, sang kurze Mantras und unterstützte die Familie beim rituellen Abschied. Die Angehörigen berichteten, dass die Anwesenheit und die Rituale dem Sterbeprozess eine vertraute, beruhigende Form gaben.
Warum das Angebot gebraucht wird
Mehrere konkrete Situationen — etwa Anfragen über weite Entfernungen oder die Suche nach spiritueller Begleitung für Kinder auf Palliativstationen — haben die Gründungsnotwendigkeit gezeigt. In einer pluralen Gesellschaft beziehen viele Menschen Spiritualität aus mehreren Quellen; Kliniken und Hospize begegnen zunehmend Patientinnen und Patienten mit buddhistischen oder synkretischen spirituellen Bedürfnissen. Your Rime-Care schließt eine Versorgungslücke, indem es Expertise, Vernetzung und praktische Begleitung zusammenführt.
Ausbildung, Ehrenamt und Finanzierung
Die Initiative setzt auf Ehrenamt und Spenden. Wer bereits langjährig praktiziert oder schon Hospiz- oder Demenzbegleiter ist, kann nach einem Gespräch oft direkt beginnen.
Interessierte ohne Möglichkeit eines Ehrenamts können durch ein Dana / Spende ebenso das Geben praktizieren, damit Ehrenamtliche aller Traditionen diesen Weg gehen können.
Dafür muss zunächst ein flächendeckendes Netzwerks aufgebaut werden, qualifizierte Schulungen werden angeboten, bestehende Kontakte zu Kliniken und Hospize werden vertieft. Es bedarf einer nachhaltigen Finanzierung.
Wenn mehr Praktizierende den Schritt runter vom Meditationskissen und hinauf in die buddhistische Alltagsfürsorge wagen, Mitgefühl in Aktion und den Erleuchtungsgeist aktiv praktizieren wollen, kann your Rime-Care die spirituelle/existenziellen Bedürfnisse systematischer abdecken.
Claudia und Daniela – your Rime-Care,
14. April 2026
Was ist Rime?
Rime ist eine nicht-sektiererische Geisteshaltung innerhalb des tibetischen Buddhismus, die Vielfalt und gegenseitige Wertschätzung betont. Rime-Praktizierende bleiben in ihrer eigenen Tradition verwurzelt, achten aber andere authentische Lehren und lehnen dogmatischen Ausschluss ab. Für die Praxis bedeutet Rime: Offenheit, Respekt und die Bereitschaft, aus verschiedenen Quellen zu lernen.
Kontaktbox your Rime-Care
Website: https://www.your-rime-care.net
Ansprechpartnerin: Daniela Radke, Mitbegründerin und Geschäftsführerin
E-Mail: info@your-rime-care.net
Spenden: Informationen auf der Website
Schulungen: Termine und Teilnahmebedingungen auf der Website
