Pilotprojekt: Fernsehgottesdienst mit interreligiösem Dialogimpuls

20. Dezember 2023 | _Alle | AG Interreligiöser Dialog

Am dritten Adventssonntag wurde im Bayerischen Fernsehen ein evangelischer Gottesdienst mit einem interreligiösen Dialogimpuls gesendet, an dem Frauen aus fünf verschiedenen Religionen beteiligt waren: Christentum, Islam, Judentum, Aleviten und Buddhismus. Für den Buddhismus nahm DBU-Rätin Barbara Reichart teil.

Foto v.l.n.r.: Hemma Michel (Sprecherin Bayer. Rundfunk, Vertretung für Eva Haller, Jüdin), Niemet Konietzka (Alevitin), Alexandra Morath (Lektorin), Johanna Schumertl (Sängerin), Christian Seidler (Musiker), Barbara Reichart (DBU), Mirjam Elsel (Christin), Gönül Yerli (Muslima), Melitta Mueller-Hansen (Pfarrerin, Rundfunk- und Fernsehbeauftragte)

Gerechtigkeit stellte das Thema des Gottesdienstes dar, da das Magnificat Gegenstand der Lesung war. Dies ist der Lobpreis Marias, den sie aussprach, als sie nach der Verkündigung des Engels ihre Kusine Elisabeth besuchte, die mit Johannes dem Täufer schwanger war. Hier war besonders diese Textstelle maßgeblich: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“

Jede Frau brachte einen Text aus ihrer Religion zum Thema mit. Bei einem Online-Treffen kamen die Beteiligten anhand ihrer Texte in einen Dialog zu diesem Thema. Anschließend erstellte eine Mitarbeiterin der Evangelischen Landeskirche mit der Methode des Scriptural Reasoning – das bedeutet „schriftgeleitete Reflexion“ und ist eine neue Herangehensweise an den modernen interreligiösen Dialog – einen Text für den Gottesdienst. Dieser wurde dann wiederum zusammen besprochen und verändert, bis alle zufrieden waren.

In der buddhistischen Lehre ist Gerechtigkeit kein großes Thema, so wählte ich einen Text von Thich Nhat Hanh, der über das Thema Gerechtigkeit hinausgeht und auf einen sozial engagierten Buddhismus hinweist: 

Im Bewusstsein des Leides, das durch Ausbeutung, soziale Ungerechtigkeit, Diebstahl und Unterdrückung entsteht, bin ich entschlossen, liebende Güte zu entwickeln und Wege zu beschreiten, die zum Wohlergehen von Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien beitragen.

Der entstandene Dialogimpuls bestand aus mehreren Strophen, einem Refrain und Intro, Zwischenspiel und Outro, die Frauen trugen ihn abwechselnd vor. Diese wurden zwar am Anfang vorgestellt, jedoch wurde während des Vortrags die jeweilige Religion nicht mehr benannt, so dass die Zuschauer:innen ihre Eindrücke ganz unabhängig gewinnen konnten. 

Auch bei den Fürbitten war ein Teil interreligiös inspiriert, so wurde ebenso für die buddhistischen Nonnen gebetet.

Der Gottesdienst in dieser Form war ein Pilotprojekt, zum ersten Mal wurde eine Messe in dieser Form abgehalten. Darum waren wir sehr gespannt auf die Reaktion der Zuschauer:innen, die am Ende die Gelegenheit hatten, telefonisch ihre Eindrücke mitzuteilen. Diese waren überwiegend sehr positiv, was besonders auch den interreligiösen Dialog betraf. Bundesweit nahmen ungefähr 171 000 Menschen teil.

Barbara Reichart

Wer Interesse hat, kann den Gottesdienst noch bis Dezember 2024 in der Mediathek ansehen: https://www.ardmediathek.de/video/gottesdienste/aus-der-johanneskirche-in-olching/br-fernsehen/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvL2U1MWI5ZmQwLWYzMDMtNDc3Ni05ODM3LTYyYzRhMzI1NDlkYQ