The Buddha Goes West? 1 – Die Anfänge – Auftaktkolloquium nun online verfügbar

5. Dezember 2025 | _Alle | Bhāvanā | Veranstaltung

Das erste Kolloquium der Reihe ‚The Buddha Goes West? – Kolloquien zum Buddhismus im Westen‚ widmete sich den Anfängen des Buddhismus im Westen. Unter der Moderation von Gert Scobel und der wissenschaftlichen Begleitung von Dr. Jan-Ulrich Sobisch diskutierten die Referent:innen Prof. Martin Baumann, Prof. Jowita Kramer und Dr. Jan-Ulrich Sobisch zentrale Fragen:

  • Wie kam es zur selektiven Rezeption des Buddhismus in Europa?
  • Welche Rolle spielten die ersten Gemeinschaften und die Debatten um 1900?
  • Wie wandelten sich die Buddhismusstudien von philologischer Distanz hin zu interdisziplinären und praxisnahen Ansätzen im 21. Jahrhundert?
  • Welche Bedeutung haben Übersetzungen und kulturelle Prägungen für das Verständnis buddhistischer Lehren im Westen?

Jetzt online verfügbar!

Das Kolloquium „The Buddha Goes West? 1 – Die Anfänge“ ist ab sofort in voller Länge auf YouTube abrufbar:

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Beiträge der Referent:innen

Prof. Martin Baumann – Die Anfänge: Selektive Rezeption und erste Institutionalisierung

Baumann zeichnete die frühen Stadien der europäischen Begegnung mit dem Buddhismus nach. Beginnend mit den jesuitischen Missionen im 16. und 17. Jahrhundert über die Übersetzungen und philosophische Begeisterung des 19. Jahrhunderts bis hin zur Gründung erster buddhistischer Gemeinschaften im frühen 20. Jahrhundert. Er betonte, dass der Buddhismus zunächst ausschließlich als textliches Objekt betrachtet wurde, ohne dass asiatische Buddhisten selbst zu Wort kamen. Erst ab den 1870er Jahren – mit Reformbewegungen wie denen Anagarika Dharmapalas – erhielten Buddhisten eigene Stimme und Autorität. Um 1900 entwickelten sich lebhafte öffentliche Debatten zwischen Befürwortern und Kritikern, begleitet von der Etablierung erster Vereine und Gemeinden. Diese frühen Gemeinschaften waren meist bürgerlich, männlich und gebildet; sie betonten Rationalität, Wissenschaftlichkeit und Selbstverantwortung als Kern des Buddhismus – eine Fortsetzung europäischer Deutungstraditionen.

Prof. Jowita Kramer – Buddhismusstudien: Ein Fach im Wandel

Kramer stellte den akademischen Wandel der Buddhismusforschung dar. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert dominierten philologisch-historische Ansätze der Indologie: Texteditionen, Handschriftenfunde und eine methodisch distanzierte Haltung zur religiösen Praxis. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erweiterten Religionswissenschaft, Ethnologie und Praxisforschung das Feld, insbesondere durch das Interesse an Meditation, Psychologie und gelebtem Buddhismus. Im 21. Jahrhundert entstehen neue Bereiche wie die Contemplative Studies, die Neurowissenschaft und Erfahrungsperspektiven verbinden. Die Grenzen zwischen Forschung und Praxis verschwimmen zunehmend. Kramer hob hervor, dass die Buddhismusstudien heute vor der Herausforderung stehen, wissenschaftliche Neutralität und ein verstehendes Erfassen der Praxis miteinander zu verbinden – insbesondere angesichts des gesellschaftlichen Achtsamkeitstrends und neuer Finanzierungsquellen durch buddhistische Stiftungen.

Dr. Jan-Ulrich Sobisch – Sprachliche und kulturelle Transformationsprozesse des Buddhismus im Westen

Sobisch analysierte die sprachlichen und kulturellen Transformationsprozesse, die durch Übersetzungen buddhistischer Schlüsselbegriffe entstehen. Er zeigte, wie Begriffe wie „Erleuchtung“, „Wiedergeburt“ oder „Meditation“ christlich-mystische oder metaphysische Deutungsmuster transportieren, die den ursprünglichen Bedeutungen von bodhi, anatta oder bhāvanā oft entgegenstehen. Das westliche Konzept des „Buddhaismus“ verweist auf die Projektion eines Religionsgründers nach europäischem Vorbild, während der historische Buddha den Dharma lediglich wiederentdeckte. Auch moderne Uminterpretationen – etwa „Intersein“ für paṭicca-samuppāda – zeigen kulturell neue, aber vom Ursprung abweichende Lesarten. Sobisch plädierte für ein philologisch und historisch bewusstes Übersetzen, das die Eigenlogik beider Kulturen achtet. Nur so könne ein westlicher Buddhismus entstehen, der weder Nachahmung noch Projektion, sondern kulturell reflektierte Aneignung ist.

Kontakt für Rückfragen:
Hanna Ebinger
Koordinatorin bhavana
E-Mail: ebinger@dbu-brg.org