Vesakh – Entwicklung und Verbreitung

28. April 2026 | _Alle | Aktuell | Allgemein | Gemeinschaft

Vesakh, der höchste Feiertag im buddhistischen Kalender, findet jeweils am ersten Vollmondtag im Mai statt, im Jahr 2026/2569 ist das der 1. Mai. 

Ende Mai 1950 kamen im heiligen Zahntempel von Kandy, im Herzen Sri Lankas, Buddhistinnen und Buddhisten aus vielen Teilen der Welt zusammen. Dort fand die erste Generalkonferenz der damals neu gegründeten internationalen Vereinigung World Fellowship of Buddhists (WFB) statt. 129 Teilnehmende aus 29 Ländern richteten einen Appell an „die Regierungschefs aller Länder, in denen eine große oder kleine Anzahl Buddhisten zu finden ist“: Sie sollten „Schritte unternehmen, um den Vollmondtag im Monat Mai zu einem öffentlichen Feiertag zu Ehren des Buddha zu machen“ (Erklärung der WFB 1950).

Doch Vesakh war schon lange vor dieser Konferenz ein lebendiger Bestandteil buddhistischer Kulturen. Seit Jahrhunderten wird das Fest zu Ehren des Buddha in vielen Ländern begangen – als Erinnerung an seine Geburt, sein Erwachen, sein Wirken und sein Verlöschen. In Nepal heißt es Buddha Jayanti, in Indien Buddha Purnima, in Tibet Saga Dawa. Und oft dauert die Feierzeit nicht nur einen Tag: Mancherorts begleiten mehrere Tage oder sogar Wochen den besonderen Vollmond im Mai.

So verschieden die Wege des Buddhismus sind, so vielfältig sind auch die Formen, Vesakh zu feiern. In Sri Lanka leuchten in dieser Zeit Vesakh-Laternen an den Häusern und in den Straßen. In Regionen des tibetischen Buddhismus werden Butterlampen entzündet, und in stillen wie festlichen Momenten bittet man um Segen und heilsame Ausrichtung. Gleichzeitig ist Vesakh vielerorts auch ein Fest der Gemeinschaft: Familien kommen zusammen, teilen Mahlzeiten und pflegen ein Gefühl der Verbundenheit. In China, Taiwan und Hongkong gehört das Ritual des Buddha-Bades zu den bekannten Vesakh-Traditionen. Dabei wird duftendes Wasser oder Tee über die Statue eines Buddhababys gegossen – als symbolische Reinigung und als Ausdruck von Achtsamkeit und Hingabe. Rezitationen, Lichter und vegetarische Opfergaben begleiten das Ritual. Auch in unseren buddhistischen Gemeinschaften wird Vesakh auf unterschiedliche Weise begangen. Manche feiern öffentlich, etwa auf Vesakh-Festen in München oder Frankfurt. Andere treffen sich im kleineren Rahmen: zur Meditation, zu Pujas, zum gemeinsamen stillen Verweilen. Und in manchen Gruppen hat sich ebenfalls das Buddha-Bad etabliert – als berührendes Ritual, das verbindet und erinnert.

Schon 1950 ging es den Initiatorinnen und Initiatoren der Konferenz nicht nur um einen Feiertag, sondern um etwas Größeres: Vesakh sollte „Einheit, Solidarität und Brüderlichkeit unter Buddhisten überall“ stärken. Die Anerkennung des buddhistischen Vesakh-Festes durch die Vereinten Nationen 1999 ist ein Schritt in diese Richtung gewesen. Der aus Südkorea stammende damalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon betonte 2015, dass die ethische Grundlage von Vesakh weltweit dazu beitragen könne, Antworten auf drängende Fragen unserer Zeit zu finden. Eine damals wie heute wichtige Botschaft.

 Anandi Peggy Martin

Mehr Informationen

Auf unserer Webseite zum Vesakh-Fest findet ihr mehr Informationen über das Fest und einen Veranstaltungskalender. Sicher feiern außerdem auch kleinere Gemeinschaften oder Klöster in eurer Nähe Vesakh.

Erklärung des World Fellowship of Buddhists

wfbhq.org/uploads/conferences/015000018/01505/Resolution-1st.pdf