Ein früher Wegbereiter des Buddhismus in Deutschland – Zum 150. Geburtstag Karl Seidenstückers

23. März 2026 | _Alle | Aktuell | Allgemein | Nachruf

Am 23. März 2026 wäre Karl B. Seidenstücker 150 Jahre alt geworden. Ani Karma Tsultrim, spirituelle Leiterin des Zentrums Dharma-Tor, hat aus diesem Anlass diesen Text aus ihrer Broschüre zur Verfügung gestellt.

Karl B. Seidenstücker in Mantel Hut und mit Stock. Schwarzweiss-Aufnahme.
Abb.: Karl Bernhard Seidenstücker
[Bildquelle: Archiv Hermann Schiewe]

Als Indologe, Buddhismusforscher und hingebungsvoller Praktizierender engagierte sich Karl Seidenstücker für denBuddhadharma und seine Integration in den Westen. Die Aktivitäten dieses feinfühligen, mystisch aber auch intellektuell-kritisch veranlagten Menschen waren bahnbrechend. Seine Studien umfassten indische Philosophie und Philologie, er lernte Pali, Sanskrit, Birmanisch und studierte auch die Kultur und die Sprachen Ostasiens. Als Autor undÜbersetzer buddhistischer Schriften schuf er ein umfangreiches Lebenswerk. In seinen gut besuchten Vorträge brachte er die Lehre des Buddha vielen Menschen nahe.

Karl Seidenstücker war Gründer oder Mitbegründer verschiedener buddhistischer Gesellschaften. Besonders prägendwar im Jahr 1903 die Gründung des Buddhistischen Missionsvereins für Deutschland, der 1906 in Buddhistische Gesellschaft für Deutschland umbenannt wurde. Damit wurde die erste Grundlage für eine deutsche buddhistische Organisation geschaffen. Auch die 1911 gegründete Mahabodhi Centrale Leipzig ist historisch wichtig, da sie zum deutschen Zweig der Internationalen Mahabodhi Gesellschaft wurde. Seine Arbeiten als Übersetzer und Autor im Palibuddhismus und Mahayana brachte ihn in engen Kontakt zu Mönchen und Gelehrten, darunter der Ehrwürdige Nyanatiloka sowie japanische Zen-Priester und Professoren. 1909 besuchten ihn einige dieser Persönlichkeiten inLeipzig, unter ihnen der weltweit bekannte Gelehrte Daisetz Teitaro Suzuki.

Die Einberufung zum Kriegsdienst im Jahr 1916 zerstörte Seidenstückers akademische Laufbahn und widersprach seiner buddhistischen Geisteshaltung und seinem feinfühligen Wesen zutiefst. Durch eine nicht diagnostizierbare schwere Erkrankung verbrachte er viele Monate im Lazarett, bis er letztlich nach Hause transportiert wurde. Nach dem Krieg wirkte er als Privatdozent weiter. Die antireligiöse Haltung des NS-Regimes bedeutete für ihn eine weitere Herausforderung, in der er eine Bedrohung seines gesamten Lebenswerks sah.

In den letzten Jahren wendete er sich wieder dem Christentum zu und hatte intensiven Austausch mit katholischen Priestern. Trotz zweier Schlaganfälle arbeitete er bis zum Schluss weiter an buddhistischen Übersetzungen undSchriften. Doch in der großen Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre konnte er damit kaum überleben. Er starb am 29. Oktober 1936.

Ani Karma Tsultrim,

Dharma-Tor im Januar 2026

Hier finden Sie eine Broschüre über Karl Seidenstücker

„Girimananda (Dr. Karl B. Seidenstücker). Der weltliche Anhänger des Buddha. Winke und Unterweisungen fürbuddhistische Laien“, herausgegeben von der Dharma-Tor Stiftung und auf Spendenbasis erhältlich unter: www.dharma-tor.com/l/dharma-tor-schriften

Hinweis: Bei dieser Broschüre bzw. dem vorliegenden pdf handelt es sich um Dharma-Dana Literatur zur freien Verteilung für buddhistische Studien und Praxis. Ein Verkauf und jegliche Verwendung für irgendwelche anderen gewerblichen Zwecke ist untersagt. 

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Abb.: Buddhistisches Marterl in Dölau bei Halle. Davor Wolfgang Bohn (1871 - ), Karl Seidenstücker (1876-1936), Carl Theodor Strauss (1852 - 1937)
Abb.: Buddhistisches Marterl in Dölau bei Halle. Davor Wolfgang Bohn (1871 – ), Karl Seidenstücker (1876-1936), Carl Theodor Strauss (1852 – 1937). Von Seite: http://www.payer.de/neobuddhismus/neobud0304.htm